Lewis Carroll: Alice im Wunderland (1865)

Eine der bekanntesten Kindergeschichten der Welt – und ich kannte nur Bruchstücke. Das wollte ich ändern, deshalb stand „Alice’s Adventures in Wonderland“ schon früh für meine Klassiker-Leseliste fest. Als mir dann im Secondhand-Buchladen die ältere, ganz auf den Inhalt reduzierte Ausgabe mit den Original-Illustrationen von John Tenniel (die sind ein Muss!) in die Hände fiel, war das der Auslöser, endlich los zu lesen.

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Peter H. Wilson: Der Dreißigjährige Krieg. Eine europäische Tragödie

Schon 2009 veröffentlichte der britische Historiker Peter H. Wilson seine Forschungen zum Dreißigjährigen Krieg. Ende des letzten Jahres erschien das Werk unter dem Titel „Der Dreißigjährige Krieg. Eine europäische Tragödie“ auch auf Deutsch. Das allgemein wieder aufgeflammte Interesse an diesem großen, lang andauernden Konflikt kommt nicht von ungefähr, denn er begann 1618 und jährt sich damit 2018 zum 400. Mal. Wilsons Monumentalwerk macht den Konflikt greifbar.

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#18für2018 – Die Klassiker-Edition – Zwischenstand

Im Radio haben sie gesagt, dass in acht Wochen schon wieder Spekulatius in den Regalen stehen. Das klingt so, als wäre es mal Zeit für einen Zwischenstand zu der #18für2018-Aktion, die ich in eine Klassiker-Leseaktion umgewidmet habe – im Examensendspurt nicht unbedingt eine meiner besseren Ideen. Deshalb standen bisher auch die leichten (und kürzeren) Werken im Vordergrund. So sieht es derzeit aus:

Gelesen habe ich

Alice im Wunderland von Lewis Carroll (1865)
Aus dem Leben eines Taugenichts von Joseph von Eichendorff (1826)
Der Sandmann von E. T. A. Hoffmann (1816)
Der Name der Rose von Umberto Eco (1980)
Radetzkymarsch von Joseph Roth (1932) [abgebrochen]
Schachnovelle von Stefan Zweig (1942)
Das kunstseidene Mädchen von Irmgard Keun (1932)
Die Anhänge zu Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien.

Noch ausstehend sind

Das Dekameron von Giovanni Boccaccio (ca. 1349–1353)
Gargantua und Pantagruel von François Rabelais (1532–1564)
Wallenstein von Friedrich Schiller (1799)
Mansfield Park von Jane Austen (1814)
David Copperfield von Charles Dickens (1849/50)
Große Erwartungen von Charles Dickens (1860/61)
Eine Geschichte aus zwei Städten von Charles Dickens (1859)
Faust I und II von Johann Wolfgang von Goethe (1808/1832)
Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez (1967)
Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien (1954/55)
Unendlicher Spaß von David Foster Wallace (1996).

Mal sehen, wie viele Werke noch bis zum Examen im Oktober drin sind. Vielleicht nehme ich als nächstes Wallenstein oder den Herrn der Ringe in Angriff. Im Winter sehe ich mich dann schon mit dem Dickens-Sammelband gemütlich auf der Couch sitzen.
In der letzten Zeit habe ich eher zur Erholung gelesen und das eine oder andere Jugendbuch oder Graphic Novel zur Hand genommen, statt mich am Versmaß der großen Meister zu erfreuen. Na ja, muss wohl auch mal sein.

Lust auf gemeinsame Leserunde?

Zu David Foster Wallace „Unendlicher Spaß“ würde ich gerne Ende November eine Leserunde starten. Nachdem die Eco-Leserunde die Motivation oben gehalten hat, fände ich es super, wenn es bei DFW ebenso liefe. Ich kämpfe schon länger mit dem Buch und könnte Unterstützung gebrauchen. Hat jemand von euch Lust und Zeit, mitzumachen?

Emily Fridlund: Eine Geschichte der Wölfe (2017)

Vor einem Monat habe ich Emily Fridlunds „Geschichte der Wölfe“ beendet. Die Bewertung ist schwieriger als anfangs erwartet und immer noch schwanke ich in meiner Meinung zwischen „typischer US-Autorenschmiede-Roman mit zu wenig Tiefgang“ und „solide Geschichte mit guten Ansätzen“. Rundum begeistern konnte mich das Werk nicht.

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Der Inhalt

Eine fünfzehnjährige Außenseiterin wird in der Einsamkeit der Seen Minnesotas zur Babysitterin bei der neu zugezogenen Nachbarsfamilie. Das Verhalten des ungleichen Elternpaares und seines vierjährigen Sohnes wird immer merkwürdiger, bis der Junge schließlich krank wird – und es die Eltern nicht sonderlich zu interessieren scheint. Eine Geschichte über die fatalen Folgen absoluter religiöser Ansichten.

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♫ Stefan Zweig: Schachnovelle (1942)

Als der Erzähler herausfindet, dass sich ein Schachgroßmeister mit ihm auf dem Kreuzfahrtschiff aufhält, will er unbedingt mehr über den stoischen, klotzhaften Champion herausfinden. Um ihn anzulocken beginnen er und einige Mitreisende, Schach zu spielen und tatsächlich lässt sich der Großmeister gegen Bezahlung auf eine Partie ein. Kurz vor einer vernichtenden Niederlage tritt ein unbekannter Mitreisender ans Brett, der den Amateurspielern wertvolle Tipps gibt und so zum Erstaunen aller ein Remis gegen den Champion herbeiführt. Doch wer ist der Unbekannte, der selbst angibt, seit Jahrzehnten nicht vor einem Schachbrett gesessen zu haben? Beim Spiel erfasst ihn der Wahnsinn und grauenhafte Erinnerungen an das NS-Regime werden wach.

Schachnovelle

Zweig gelingt durch es, die Augen seines Erzählers sowohl das Psychogramm des Großmeisters als auch des schachsicheren Amateurs zu entwerfen. Dabei schließt er auf fast schon belustigende Weise von der Physis der Figuren auf ihre Charakterzüge. Durch seine Beschreibung der Gestapo-Folter arbeitet deutlich die Perfidität des NS-Regimes heraus; die Verbindung zum Schachspiel ist unerwartet und äußerst originell. Zweigs geschliffene Sprache macht das Zuhören zum Genuss und auch die Kürze des Hörbuchs von etwa zwei Stunden war auch für mich als ungeübte Hörerin in mehreren Etappen machbar. Eine wunderbare Novelle, die auf meiner Klassikerliste für 2018 stand.

Stefan Zweig (Autor),‎ Alexis Krüger (Sprecher),  Schachnovelle Hörbuch – Ungekürzte Ausgabe, Buchfunk 2013,  2 Stunden und 14 Minuten, ASIN: B00G5KPU6S.

Joseph Roth: Radetzkymarsch (1932)

Das erste richtige Scheitern auf der Klassiker-Mission. Mit Joseph Roths Epos wurde ich auch im dritten Anlauf nicht warm. Der Plan: ein paar Jahre ins Land ziehen lassen und dann, wenn einmal so viel Zeit und Muße ist, einen neuen Versuch wagen.

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Die Geschichte vom Niedergang der k. und k. Monarchie war in der Hörbuchfassung durchaus stimmungsvoll und interessante Einblicke in Militär und Gesellschaft jener Zeit gab es zuhauf. Dennoch überwogen selbst beim Hören (und da spielte man schon mit dem weichen Österreichisch der Sprecher und einigen Soundeffekten) deutlich die Längen und ich konnte mich auch nach mehreren Anläufen nicht aufraffen, die Geschichte bis zum Ende zu verfolgen. Etwa bis zur Hälfte bin ich gelangt, hier schon hatte ich den Eindruck, dass – zumindest in der gesprochenen Version – das Patriarchat ein wenig überzeichnet ist und dadurch unfreiwillige Komik entsteht. Als unfreiwillig komisch empfand ich auch den Sohn des Helden der Schlacht von Solferino in älteren Jahren, der seine Inflexibilität in ungeahnte Höhen treibt (die Post lag nicht wie seit Jahren üblich neben dem Frühstückstablett, also rührt nichts an) und an nach außen gestellter Emotionslosigkeit wohl nur noch durch britische Adelsgeschichten übertroffen wird. Die durchklingende Melancholie der Zeit soll nicht unerwähnt bleiben. Sie ist die Grundstimmung dieser Geschichte.

Obwohl ich durchaus Interesse an den historischen Umständen des Niedergangs der österreichisch-ungarischen Monarchie habe und das Zusammenspiel von Militär und Gesellschaft famos gelingt, konnte mich die Darstellung Roths nicht bei der Stange halten. Vielleicht später noch einmal.

 

Lauren Groff: Licht und Zorn (2016)

Eine Ehe, in welcher der Mann die Frau eigentlich gar nicht kennt. „Licht und Zorn“ kommt zweigeteilt mit vielerlei Überraschung daher und schreckt auch vor Vulgarität nicht zurück. Obwohl die Geschichte auf raffinierte Art erzählt wird, konnte mich Groffs Werk nicht überzeugen.

Die erste Hälfte des Buches „Licht“ beschreibt die Ehe aus Sicht des Protagonisten Lancelot „Lotto“ Satterwhite, eines gut situierten Frauenhelden, gescheiterten Schauspielers und später äußerst erfolgreichen Dramatikers. Mit 22 Jahren heiratet er die bildschöne Außenseiterin Mathilde, wird enterbt und führt ein bescheidenes Leben in ihren Armen – mit einem Ego, das für sie beide reicht. Weinerlichkeit, Theatralik und die Sucht nach Aufmerksamkeit sind bei ihm inklusive.
Zorn“ erzählt die Geschichte Mathildes. Ihre Herkunft, ihre Beweggründe, ihre Handlungen – vieles, was für Lotto im Dunklen bleibt, erfährt dafür der Leser. Die Geschichte Mathildes ist ungleich spannender, sie ist eindeutig die interessantere Figur in dieser Ehe und hält im Verborgenen alle Strippen in der Hand.

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Hillary Jordan: Mudbound – Die Tränen von Mississippi (2008/2017)

Schlamm. Überall Schlamm. Der Kampf gegen den Schlamm bestimmt das Leben der Städterin Laura McAllan, die ihrem Mann Henry 1946 widerwillig auf eine Farm ins Mississippi-Delta gefolgt ist. Kein Wasser, kein Strom – die Rolle als liebende Ehefrau auszufüllen, fällt da schwer. Ein Lichtblick ist die Heimkehr ihres Schwagers Jamie. Doch der wird von den furchtbaren Kriegserlebnissen verfolgt und ertränkt sein Trauma im Alkohol. Ebenso wie Ronsel, der Sohn der schwarzen Pächterfamilie, der an vorderster Front in einem Panzerbataillon kämpfte und lieber im Nachkriegsdeutschland geblieben wäre. Stattdessen kehrt er in seine vom Rassismus durchdrungene Heimat zurück. Zu allem Überfluss ist da noch der unausstehliche Vater von Henry und Jamie, der allen Bewohnern der Farm das Leben zur Hölle macht – und nicht nur denen.

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Dalia Grinkevičiūtė: Aber der Himmel – grandios (1949/2016)

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Als junges Mädchen wird Dalia in einen Gulag ans Polarmeer verbannt. Tausende Kilometer von ihrer Heimat Litauen entfernt, den Tod durch Hunger, Kälte und Krankheit direkt vor Augen. Als ihr schließlich die Flucht gelingt, schreibt sie ihre Erinnerungen auf und vergräbt sie im heimischen Garten – gerade noch rechtzeitig, bevor sie vom KGB gefasst und zurückgebracht wird. Erst 1991 wird das Manuskript wiederentdeckt und gehört seitdem zum Kanon der litauischen Nationalliteratur. Ein wahrer – und deshalb umso verstörender – Erfahrungsbericht aus dem Inneren eines menschenverachtenden Systems.

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[Leserunde] #Ecolesen: Abschluss und Fazit

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In welchem die Leserunde zum Abschluss gebracht, Resümee gezogen und „Der Name der Rose“ endgültig zugeschlagen wird.

Mit „Der Name der Rose“ hat auf dem Wissenstagebuch-Blog die erste Leserunde überhaupt stattgefunden. Und wisst ihr was? Ich würde es wieder tun! Der Austausch hier und auf Twitter und das Lesen eurer eigenen Blogbeiträge hat den Roman für mich zu einem größeren Vergnügen gemacht.

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