Sowjetunion erlesen: 10 aktuelle Bücher

Lada-Alt

Erst folgt ein Roman auf den anderen, schließlich wird der Wissensdurst so groß, dass Sachbücher her müssen. Und die erscheinen zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution reichlich, eines umfangreicher als das andere. Ganz ähnlich wie Romane zum Thema Nordkorea bietet sich die Geschichte der Sowjetunion eine Bandbreite von möglichen Herangehensweisen: Soll es unterhaltsam zugehen, werden die Marotten Stalins und die schizophrenen Verhaltensweisen, die das System seinen Bürgern abverlangt, in den Vordergrund gerückt. Für Comiczeichner bietet sich das natürlich besonders an.

Dagegen sind Erfahrungsberichte aus den sowjetischen Gulags äußerst schmerzlich zu lesen. Schmerzlicher noch als die nüchterne Herangehensweise der Sachbücher, die dafür ungleich mehr Fakten bieten. Fiktive Lebensgeschichten bieten die Freiheit, sich einige dieser Aspekte herauszugreifen. Kurzum, zur Geschichte der Sowjetunion gibt’s derzeit was für jede Stimmung und jeden Geschmack. Dabei greift der Titel „Russisch lesen“ zu kurz, denn spannende Literatur bieten z. B. auch das Baltikum und der Südkaukasus, insbesondere Georgien mit vielen Neuerscheinungen im Rahmen des Gastlandjahres auf der Frankfurter Buchmesse. Eine kleine Auswahl von Werken der letzten zwei Jahre habe ich hier zusammengestellt.   Weiterlesen

Stalin ist mir weggestorben – zweimal

Manchmal kommt ja eins zum anderen und dann hat man plötzlich in einer Woche mehr zum Tode Stalins gelesen als im gesamten Leben zuvor. Ein Tod, von dem ich wusste, dass sich Mythen darum ranken, mit dessen näheren Umständen ich mich aber gar nicht auskannte. Auch in dem Sachbuch zur Russischen Revolution, das zuletzt den Weg in mein Bücherregal fand, wurde der Tod des Diktators nur kurz behandelt. Hier zwei Tipps zu einem Roman und einem Comic, die den Tod Joseph Stalins in den Mittelpunkt ihrer Erzählung stellen.

20181206_135956-011815584648.jpeg

Weiterlesen

#WomeninSciFi Teri Terry: Gelöscht – Zersplittert – Bezwungen

Der folgende Beitrag erscheint auch als Gastbeitrag zur Reihe #WomeninSciFi bei Binge Reading and More.

Teri Terry hat sich mir deswegen ins Gedächtnis gebrannt, weil ich ihren Namen wohl zwanzigmal durch die Suchmaschine laufen lassen musste, bis ich Vor- und Nachnamen nicht mehr verwechselt habe. Und auch deshalb, weil sie in ihrer Young-Adult-Dystopie so richtig viel so richtig gut gemacht hat. So gut, dass ich finde, sie hat eine Aufnahme in die Reihe #WomeninSciFi des tollen Blogs Binge Reading and More verdient.

Vielen Dank an Sabine für die Möglichkeit, zur Reihe beisteuern zu dürfen!

20180623_154927-011398536954.jpeg

Weiterlesen

Richard Flanagan: Begehren (2008/2018)

Richard Flanagan erzählt in „Begehren“ die Geschichte einer dem Menschen innewohnenden  zerstörerischen Kraft, die sowohl in England als auch in Australien verheerende Wirkung entfaltet. Dabei fokussiert er sich für meinen Geschmack zu sehr auf seine namhaften männlichen Figuren und lässt ein kleines Waisenkind kaum zu Wort kommen.

20181107_124730-01-1616714207.jpeg Weiterlesen

Zwei Jahre Klassiker-Leseliste: Die Bilanz

Vor guten zwei Jahren habe ich mir aus verschiedenen Empfehlungslisten meine eigene 150-Klassiker-Liste  gebastelt. Mittlerweile existiert eine zweite „Schattenliste“ für die Zeit nach der ersten Liste – dem Schneeballsystem sei Dank. Auch, wenn ich in diesem zweiten Jahr der Liste wegen meiner Vorbereitung auf das Staatsexamen nicht allzu viel lesen konnte, war doch der eine oder andere Klassiker dabei, den gern weiterempfehlen möchte.

20180128_151137-011330424905.jpeg

Weiterlesen

Christian Dittloff: Das weiße Schloss (2018)

In einer nicht allzu fernen Zukunft können wohlhabende Paare im „Weißen Schloss“ Kinder bestellen, austragen und von einer Leihmutter erziehen lassen. Alles im Dienste individueller Freiheit; die betreffenden Paare wollen sich ja nicht einschränken, ein monatlicher Besuch beim Kind muss genügen. Christian Dittloff schreibt zu einer Frage, die wohl viele Menschen in ihren Zwanzigern und Dreißigern und darüber hinaus umtreibt: Wie lassen sich Selbstverwirklichung und Familie miteinander vereinbaren?

20180801_080444-0282303491.jpeg

Weiterlesen

Tara Westover: Befreit. Wie Bildung mir die Welt erschloss (2018)

Auf das Erscheinen dieses Buches habe ich gespannt gewartet und dann mit angehaltenem Atem gelesen: Die unglaubliche Geschichte einer Frau, die mit 17 Jahren zum ersten Mal den Fuß in einen Unterrichtsraum setzt und schon mit Anfang 30 auf einen beeindruckenden akademischen Werdegang zurückblicken kann. Cambridge, Harvard – und das alles mit einer Familie im Nacken, die vor physischer und psychischer Gewalt nicht zurückschreckt. Gelebte Country Noir.

20181102_185012-011773489828.jpeg

Weiterlesen

Julian Barnes: Der Lärm der Zeit (2017)

Wie Künstler sein in der Diktatur? Für das Regime oder dagegen? Ist ein Zwischenweg denkbar? Julian Barnes schreibt anhand belegter Eckpunkte die fiktive Lebensgeschichte des bekannten russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch, der zwischen diesen Fragen zerrieben wird und dem es dennoch gelingt, mit beachtlicher Produktivität unter Stalin und Chruschtschow tätig zu sein.

20181102_185416-01-1160382826.jpeg

Weiterlesen

Wenn die Leselust abhanden kommt

Die Vorbereitung aufs Staatsexamen hat mein Lesen verändert. Ein Jahr lang habe ich fast jeden Tag mit der Suche nach dem Schlüsselwort, nach der relevanten Information verbracht. Romane habe ich in den letzten Monaten gar nicht mehr zur Hand genommen; Sachbücher waren mir am Ende des Lerntages oft zu anstrengend. Unterhaltungen mit Mitstudenten über Gelesenes? Fehlanzeige. Allen anderen schien es ähnlich zu gehen, die Leselust war ihnen – zumindest fürs Erste – abhanden gekommen. Übrigens auch was komplexe Serien angeht: Das Gesamtkunstwerk „The Wire“ verbleibt bislang ab der Hälfte ungesehen.

Das soll sich jetzt wieder ändern. Die ehrgeizige #18für2018-Klassikerliste steht mir dabei im Weg. Die nächsten Bücher sollen ein reines Vergnügen sein, ohne selbstgemachten Druck, einfach um des Lesens willen. Gelesen wird dabei, was mich aus dem Bücherregal heraus anlacht. Wenn eines der Bücher dabei zufällig auf meiner Klassikerliste steht – gut. Aber erst einmal muss die Lust am Lesen zurück kommen.

Dabei liebäugle ich mit diesen Büchern. Vielleicht könnt ihr ja eine Empfehlung für eines abgegeben?

20181030_110920-012025286920.jpeg

Smith Henderson: Montana – Finsterste Country Noir

Polizeigewalt, versagende Sozialeinrichtungen, Verschwörungstheorien, Kindesmissbrauch – als Sozialarbeiter hat Pete in den unzugänglichen Wäldern Montanas eine Menge zu tun. Der Staat ist schwach im entlegenen Yaak-Gebiet und seine Bewohner sind misstrauisch. Nur langsam gewinnt Pete das Vertrauen der oft zerrütteten Familien. Besonders fasziniert ihn der eigenwillige Jeremiah Pearl, der mit seiner Familie in den Wäldern lebt und die Flinte auf jeden anlegt, der ihm zu nah kommt. Doch ist der Mann auch eine Gefahr für seine Kinder?

20180801_075833-011182802658.jpeg

Weiterlesen

Benjamin Lacombe, Éliette Abécassis: Der Schatten des Golem

Seit einer Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin fasziniert mich die Golem-Legende. Im 16. Jahrhundert (im Buch später) soll Rabbi Löw in Prag einen mächtigen Lehmmenschen erschaffen haben, um die jüdische Gemeinschaft vor den allgegenwärtigen Angriffen zu schützen. Der Golem tat seinen Dienst, doch konnte ihn der Rabbi schon bald nicht mehr kontrollieren.

20180623_154731-0191031296.jpeg

„Der Schatten des Golem“ ist auf jüngere Leser zugeschnitten und erzählt die Legende eines Mädchens, das Zeugin der Golem-Erschaffung wird und sich daraufhin mit dem Rabbi und seiner Frau anfreundet. Auch, wenn diese Seite der Geschichte sehr (sehr, sehr) romantisiert daherkommt, verschweigt dieses Kinderbuch nicht, dass es erst wegen der vielen Ausschreitungen gegen die jüdische Gemeinschaft nötig wurde, den Golem zu erschaffen.

Ich habe das Buch im Rahmen des Gratis-Comic-Tags im Mai gekauft. Es war mein erster bewusster Besuch in einem Comicladen. Dort wurde ich schnell aufgeklärt, dass „Der Schatten des Golem“ kein Graphic Novel sei – was ich zuerst aufgrund der vielen Bilder gedacht hätte –, sondern einfach eine illustrierte Geschichte.

Die Illustrationen sind wunderschön, doch die kindgerecht aufbereitete Geschichte war für mich so gar nichts. Ein nettes Lesen zwischendurch, bestimmt auch zum Vorlesen geeignet, aber ich empfand die Geschichte stark vereinfacht und romantisiert. Die Illustrationen sind wirklich schön, aber auch hier habe ich schnell gemerkt, dass das eher eine nette Zugabe ist, es mir hierauf aber nicht ankommt. Warum ich mit Comics, Mangas und Graphic Novels nicht warm wurde, erzähle ich in diesem Beitrag.

Kennt ihr die Golem-Legende? Habt ihr vielleicht noch andere Lektüre-Tipps zum Thema?

Benjamin Lacombe, Éliette Abécassis; Der Schatten des Golem ; 184 Seiten mit 10 schwarz-weiß-Abbildungen und 40 farbigen Abbildungen; Übersetzt von Anja Kootz; 25€; ISBN 978-3-95728-046-6.

Lewis Carroll: Alice im Wunderland (1865)

Eine der bekanntesten Kindergeschichten der Welt – und ich kannte nur Bruchstücke. Das wollte ich ändern, deshalb stand „Alice’s Adventures in Wonderland“ schon früh für meine Klassiker-Leseliste fest. Als mir dann im Secondhand-Buchladen die ältere, ganz auf den Inhalt reduzierte Ausgabe mit den Original-Illustrationen von John Tenniel (die sind ein Muss!) in die Hände fiel, war das der Auslöser, endlich los zu lesen.

20180623_155616-01-1032343082.jpeg

Weiterlesen

Peter H. Wilson: Der Dreißigjährige Krieg. Eine europäische Tragödie

Schon 2009 veröffentlichte der britische Historiker Peter H. Wilson seine Forschungen zum Dreißigjährigen Krieg. Ende des letzten Jahres erschien das Werk unter dem Titel „Der Dreißigjährige Krieg. Eine europäische Tragödie“ auch auf Deutsch. Das allgemein wieder aufgeflammte Interesse an diesem großen, lang andauernden Konflikt kommt nicht von ungefähr, denn er begann 1618 und jährt sich damit 2018 zum 400. Mal. Wilsons Monumentalwerk macht den Konflikt greifbar.

20180130_132643-02208412386.jpeg Weiterlesen