Im Anfang war das Chaos…

Voller Motivation starte ich nun die Aufräumarbeiten und pflüge mich durch das Material, das sich im Laufe der Zeit angesammelt hat. Immer mit dem Gedanken im Hinterkopf „irgendwann könnte das ja mal nützlich sein“, sammle ich Hintergrundinformationen zum Zeitgeschehen, erstelle Literaturlisten und hefte treffende Zitate an meine Pinnwand. Alles für sich geordnet und doch irgendwie zusammenhangslos liegt dieses Material nun vor mir ausgebreitet: im Bücherregal, in der Linkliste oder noch völlig unangetastet in meinem Kopf. Nun gilt es, sich irgendwie einen Überblick zu verschaffen, um mit den Aufräumarbeiten zu beginnen. Vielleicht erstmal die Interessen abstecken:

Philosophie

Will man kulturelle Grundlagenforschung betreiben, fängt man doch am besten hier an. Irgendwann einmal habe ich Jostein Gaarders Roman Sophies Welt gelesen, der die  Geschichte der Philosophie für jedermann verständlich erklärte und ihre Wichtigkeit für unsere Kultur und jeden einzelnen hervorhob ohne mit dem akademischen Zeigefinger zu drohen. Nachdem der Name des dritten, mir bis dato unbekannten, Philosophen gefallen war, nahm  ich mir Stift und Zettel und schrieb mit: Lebensdaten, gedankliche Ansätze, Fakten. Wieder so ein Fall von gesammeltem Wissen, das noch in eine Form gebracht werden muss, denn bisher habe ich diese Liste mit philosophischen Teilsätzen noch in keine erkennbare Ordnung gebracht, oder gar weiter auf diesem Gebiet recherchiert. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Literatur

Dieses Gebiet nimmt wohl sehr viel Zeit in Anspruch, denn ich bin der Meinung, dass man über  Bücher, die häufig im Gespräch sind, aus denen man vielleicht auch selbst hin und wieder zitiert, Bescheid wissen sollte. Das hängt vielleicht auch mit meiner Eigenart zusammen, zuerst einmal wissen zu wollen, woher das eigene Wissen eigentlich stammt- Hinterfragung von Quellen also. Außerdem bin ich der festen Überzeugung, dass es Bücher gibt, die man unbedingt kennen sollte, weil sie unser Denken und Fühlen in irgendeiner Weise geprägt haben. Welchen Literaturkanon man da allerdings heranziehen sollte, darüber bin ich mir immer noch nicht hundertprozentig klar, denn ohne ausreichende Begründung ist doch jedem Dogma gegenüber Skepsis angebracht.

Zeitgeschehen

Zeitunglesen ist wichtig, doch mittlerweile gibt es so viele Möglichkeiten an Informationen zu gelangen, dass es schwierig wird zu differenzieren: Was ist wichtig, was sollte man behalten, was ist morgen schon wieder völlig uninteressant? Mit mulmigem Gefühl habe ich bemerkt, dass mir zu wichtigen Themen die Hintergrundinformationen fehlen. Worum genau geht es beim Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern? Ölkrise. Welche Staaten gehören überhaupt  der OPEC an? Und ganz nebenbei: Wie viele Stimmen hat mein Bundesland eigentlich im Bundesrat?

Man kommt durch die Schulzeit, ohne die Antworten auf diese Fragen wie aus der Pistole geschossen beantworten zu können. Man kommt sogar bis zum Abitur. Fragte man Menschen auf der Straße nach diesen Dingen, wie viele könnten wohl antworten? Es wäre auf jeden Fall einen Versuch wert. Doch: Ist nicht jeder selbst dafür verantwortlich, Bescheid zu wissen? Zugang zu Informationen hat- zumindest hier und bis zu einem gewissen Grad- jeder, weshalb man sogar als Konsument über ein Repertoire an Informationen verfügt, die sich hier und da anbringen lassen. Diese Informationen eigenständig zu vertiefen und kritisch zu hinterfragen, ja, vielleicht sogar in Frage zu stellen, liegt darin nicht eigentlich die Kunst des autodidaktischen Lernens?

Naturwissenschaften

Ein wirklich faszinierendes Gebiet und jeder, der sich hier richtig auskennt, versteht die Welt wohl ein ganzes Stück besser als die anderen. Es gibt Themen, die auch in den Massenmedien gehandelt werden, als da wären: Genetik, neue technische Errungenschaften, (Massen-)Tierhaltung und der Klimawandel. Doch sich hier einen tieferen Einblick zu verschaffen, erfordert auch nach Al Gores An Inconvenient Truth sehr viel Willensstärke, denn die Grundlagen aus Mathematik, Biologie und Chemie (wenn diese denn genügen!) und die zumindest mir aus unerklärlichen Gründen zum Großteil fehlen, fallen leider auch nicht vom Himmel…

Geschichte

Hier ist wohl jede Drückebergerei unangebracht, denn wer nicht weiß, woher er kommt, weiß bekanntlich ja auch nicht, wohin er geht. Um unsere heutigen Probleme zu verstehen, ist es äußerst hilfreich sich in der Geschichte seines Landes aus zu kennen und auch Europapolitik oder die Zielsetzung der UNO lassen sich mit historischen Grundkenntnissen besser verstehen und aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Für „mein weiteres Vorgehen“ plane ich, mich zuerst auf die deutsche Geschichte besonders ab dem 19. Jahrhundert zu konzentrieren, um meinen Radius dann nach und nach zu vergrößern, die Geschichte der wichtigsten Industrienationen abzugrasen, sowie die Hintergründe zu heute aktuellen Konflikten zu recherchieren.

Geografie

Geht dann wohl Hand in Hand mit der Geschichte, denn ohne zu wissen wo etwas passiert, ist das Wann? allein schon viel weniger interessant. Hierbei habe ich weniger Probleme, die Hauptstadt von Südafrika zu benennen (nach der Fußball-WM ja sowieso kein Kunststück mehr) als vielmehr zu rätseln, durch welche Bundesländer die Elbe denn eigentlich fließt?

Wie ich merke, lege ich mir gerade selbst den Finger in die Wunde, aber gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass noch nichts verloren ist. Man kann nicht alles wissen, aber man kann definitiv dazulernen. Obwohl oben genannte Gebiete schon sehr viel abdecken, gibt es immer noch Dinge, die man nur am Rande berührt- wenn überhaupt. So habe ich weder Bibel, Koran noch Bhagavad Gita gelesen, weiß nicht, warum die französische Küche so bekannt ist, die rumänische aber nicht oder was genau der DAX mit meinen Ersparnissen zu tun hat.

Also auf ans Werk!

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