Nick McDonell: Zwölf (2003)

McDonell_ZwölfReißerisch als ,,literarischer Amoklauf“ betitelt und vor einiger Zeit gar mit einigen Shootingstars verfilmt, machte mich der ,,Überraschungserfolg“ neugierig. An ,,Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ sollte der Roman heranreichen-und dann auch noch von einem Siebzehnjährigen geschrieben. Na dann mal los.

Der siebzehnjährige Mike hat seine Schullaufbahn an einer teuren Privatschule beendet und macht erstmal eine Auszeit, bevor er sein weiteres Leben in Angriff nimmt. Was genau er eigentlich tut, fragt sich niemand. Auch dass er die Sprösslinge der New Yorker High Society als Dealer ,,White Mike“ mit Drogen versorgt, ist ein offenes Geheimnis. Dass er selbst weder raucht noch trinkt verwirrt seine Teenager-Kunden nur kurz – eben so lange, bis sie sich dem Drogenrausch hingeben. Um der Langeweile der Ferien zu entkommen, findet jeder einen anderen Weg: der eine modelt, der andere bewaffnet sich bis an die Zähne mit illegalem Kriegszubehör. Doch eins haben sie gemeinsam. Sie alle wollen an der größten Sylvester-Party des Jahres teilnehmen. Der größten Party überhaupt. Klar, dass da auch White Mikes Stoff und die neue Partydroge ,,Zwölf“ nicht fehlen dürfen.

Fazit: Der Roman des siebzehnjährigen Nick McDonell wurde allerorts groß angepriesen, dementsprechend hoch waren auch meine Erwartungen. Die Gliederung in sehr kurze, meist nur ein- oder zweiseitige, Kapitel kam der Geschichte, die sich mit dem Leben verschiedenster Charaktere beschäftigte, sehr entgegen und verlieh dem Roman etwas Gehetztes – durchaus zur Thematik passend also. White Mike kam als intelligenter, nachdenklicher Teenager daher, dessen abschweifende Gedanken der Geschichte Tiefe gaben und ihr etwas die Oberflächlichkeit nahmen. Die einzelnen Teenager dagegen sind allesamt derart problembeladen, dass der Leser, ohne die Geschichte zu kennen, die Katastrophe schon kommen sieht. Der prophezeite ,,Schock“ am Ende des Romans ist bei mir allerdings ausgeblieben, was vielleicht daher kam, dass ich mich kaum mit den Figuren identifizieren konnte und auch ihre teilweise recht ähnlichen Geschichten keinen Wiedererkennungswert hatten, sodass ich die Charaktere verschiedentlich verwechselte. Betrachtet man den persönlichen Hintergrund des Autors, der eben aus jener beschriebenen Oberklasse New Yorks stammt, so ist der kritische Blick auf die Verhältnisse der Altersgenossen durchaus gelungen und nachvollziehbar. Für mich war ,,Zwölf“ daher eine kurzweilige, nicht allzu realistische, aber unterhaltsame Sicht auf den Geldadel Amerikas.

Nick McDonell ,,Zwölf“, OT: ,,Twelve“ aus d. Amerikan. v. Thomas Gunkel, KiWi 2009, 231 S., 7,95€

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