Heather Terrell: Jenseits des Mondes

Die junge Ellie hat mit Problemen zu kämpfen, die nur den wenigsten bekannt sind: Sie hat herausgefunden, dass sie und ihr Freund Michael Nephilim sind, die Kinder gefallener Engel und über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügen. Doch nicht nur das, denn sie ist „die Auserwählte“, die am Ende der Zeit über alle Lebewesen richten soll. Völlig überfordert klammert sie sich an Michael, der, um Familie und Freunde zu schützen, vorschlägt, nächtliche Flugstunden andere aufsehenerregende Aktionen erstmal zu unterlassen. Denn die Gefallenen warten nur darauf, dass die Auserwählte sich über ihre Berufung klar wird, um einen Endzeit-Countdown auszulösen. Am Ende der Zeit soll Ellie also die Menschheit richten, die durch das Machtstreben der Gefallenen keiner rosigen Zukunft entgegenblickt. Sie muss die Abtrünnigen töten- doch wie tötet man Engel? Dass sie sich bei ihrer schwierigen Mission auf Michael verlassen kann, erscheint immer unwahrscheinlicher, denn er interessiert sich mehr für die kommenden Football-Spiele als für das drohende Ende der Menschheit. Da kommt Ellie ein neuer Freund und Beschützer gerade wie gerufen.

Der zweite Band der „Chronik der Nephilim“ bietet durch eine kurze Wiederholung zu Beginn auch einen guten Einstieg für alle Ellie-Neulinge. Durch verschiedene Anspielungen wird immer wieder auf den Show down am Ende des ersten Bandes verwiesen, an welchen „Jenseits des Mondes“ anknüpft. Doch der Beginn ist zugleich auch die stärkste Stelle, danach verschlechtert sich der Erzählstil ungemein: An entscheidenden Stellen fehlen dem Leser häufig Beschreibungen, die das Geschehen vielleicht etwas verdeutlichen könnten. So befreit Ellie ihre Eltern aus der Geiselhaft eines blutrünstigen Engels, nur um auf der nächsten Seite schon auf dem Weg zu einem Footballspiel zu sein. Kein Wort über den Verbleib der Eltern, geschweige denn über Ellies Gefühle bei ihrem  gefesselten und arg mitgenommenen Anblick.
Auch, dass die im Vorfeld als nahezu unbesiegbar dargestellten Gefallenen- immerhin haben sie sich ja seit Anbeginn der Zeit wacker auf der Erde gehalten- im Zwanzigseitentakt sterben, wirkt mehr als unglaubwürdig. Hier hätten mehr Seiten dem Buch definitiv gut getan, denn die Thematik ist interessant und das Ende der Menschheit dürfte, richtig angegangen, nicht nur Mädchen im Teenager-Alter interessieren. Die etwas plumpe Liebesgeschichte hingegen schon: Man muss schon stark von Ellies Lobgesängen auf Michael überzeugt gewesen sein, um zu verstehen, dass sie den ganzen Roman über an ihm festhält, nur, um einer Prophezeiung gerecht zu werden, an der sie zu zweifeln scheint. Leider verschießt Terrell ihr gesamtes Pulver als sie dem Leser einen Großteil der Informationen durch den Engel Raphael vorsetzt: Auf einen Schlag wird er ins Bild gesetzt und ist ab diesem Zeitpunkt erschrocken über das rasante Tempo, das die Autorin anschlägt. Gäbe es weniger Siegel, deren Öffnung es zu verhindern gilt, wäre eine Kurzgeschichte wohl das passende Medium für ihren Stil.
Das Cover hingegen ist so verträumt-schön, dass man schnell auf die angesprochene Zielgruppe schließen kann. Doch Vorsicht: Wer epische Länge und einen Einblick in die Nephilim-Thematik sucht, wird hier enttäuscht werden und hält sich vielleicht besser an die (Film-)Trilogie „Gefallene Engel“- er wird unweigerlich Parallelen finden.

Heather Terrell „Jenseits des Mondes“ (OT: Eternity) aus dem Amerikanischen von Sybille Uplegger, Ullstein TB 2011, 299S., 8,99€

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