Sylvia Plath: The Bell Jar

Die 19-jährige Esther Greenwood bekommt die Chance, für ein bekanntes Fashionmagazin zu schreiben. Im New York des Jahres 1953 bewegt sie sich in gut betuchten Kreisen, nimmt an Empfängen teil und erkundet mit ihrer Kollegin Doreen das Nachtleben. Ihr großer Traum ist es, als Schriftstellerin und Dichterin anerkannt zu werden. Als sie nach den aufregenden Wochen wieder  in den Alltag des Elternhauses eintaucht, sich innerlich immer mehr von ihrem Freund und beinahe-Verlobten Billy distanziert und schließlich nicht zu einem Kurs für angehende Schriftsteller akzeptiert wird, beginnt ihr Weg in eine Abwärtsspirale aus Depression und Suizidgedanken. Immer wieder versucht sie ihre Rolle als Frau zu definieren und sieht sich eingeengt durch die gesellschaftlichen Erwartungen, religiöse Moralvorstellungen und ihre eigenen Ängste. Durch eine reiche Gönnerin unterstützt führt ihr Weg schließlich in eine psychiatrische Klinik, einem Ort, an dem sie erkennen muss, dass sie bisher auch ihren Freunden nur vor den Kopf schauen konnte.

Wer „Der Fänger im Roggen“ gelesen hat, wird sich schon bei den ersten Zeilen unweigerlich an Salinger erinnert fühlen. Ort und auch Zeit sind fast identisch; die junge Heldin ist auf der Suche nach sich selbst. Doch im Verlauf der Erzählung erscheint Esther Greenwood viel reifer als Caulfield, sie reflektiert viel, sodass der Leser oft seitenlange Einblicke in ihre Gedanken- und Gefühlswelt bekommt. Das ist alles andere als langweilig, denn Zynismus und eine ungebrochene Rebellion im Innern unterscheiden sich stark von der Frau, die Esther für ihre Umwelt zu sein scheint. Ihr Emanzipationsbestreben macht das Novel gerade für Frauen interessant; deshalb finden sich auch in der heutigen Zeit immer wieder Bezüge zu Plaths Werk- nicht zuletzt in Filmen wie „10 Dinge, die ich an dir hasse“.
Mit  Esthers Suizidversuch jedoch enden die Rückblenden und das Schwelgen in Träumen und Hoffnungen. Sie wird ganz vom Alltag der Klinik in Anspruch genommen, von der Beziehung zu ihrer Ärztin und ihrer Therapie. Sie erkennt, dass ihre Probleme auch in den gesellschaftlichen Konventionen begründet liegen, dass sie die Rolle als Hausmutter und liebende Ehefrau nicht annehmen will. Schließlich sucht sie für sich nach einem Weg, aus ihrer „Glasglocke“ auszubrechen.

Fazit: Mir persönlich haben Plaths Sprache und Erzählstil sehr zugesagt. Die Protagonistin wirkt stark und auch selbstbewusst, obwohl ihre Verunsicherung und Angst auf jeder Seite spürbar ist. Einige ihrer Probleme, gerade jene, die sich aus den damaligen gesellschaftlichen Normen und Werten ableiten, sind heute allerdings nicht mehr brandaktuell. Oft fühlt man sich an den Satz „was sollen denn die Nachbarn denken?“ erinnert, der auch Esther Greenwood schier in den Wahnsinn treibt. Manche der Begebenheiten sind von einer tragischen Komik, bei anderen tritt die Krankheit der Protagonistin so klar in den Vordergrund, dass man meint, sie geradewegs in ein Unglück rennen zu sehen. Zu guter Letzt erscheint die Geschichte von der Glasglocke vor dem persönlichen Hintergrund der Autorin fast real, sodass man meint, hier und da durchaus autobiografische Züge erkennen zu können.

Die Autorin
Sylvia Plath wurde 1932 in Boston geboren. Ihre Gedichte (die bekannteste Sammlung erschien unter dem Titel Ariel) und ihre Prosa werden gemeinhin autobiografisch gewertet. Sie war ebenso wie die Protagonistin ihres Werkes „Die Glasglocke“ Stipendiantin an einem renommierten College, erlebte einen gescheiterten Suizidversuch, nach welchem sie in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde. Nach ihrem Suizid im Jahr 1963 gelangte Plath erst postum zu größerer Bekanntheit und wurde zu einer Symbolfigur der Frauenbewegung stilisiert. Ihr Leben wurde 2003 unter dem Titel „Sylvia“ verfilmt.

Sylvia Plath „The Bell Jar“ (dt. Die Glasglocke), Faber and Faber Ldt. , 258 S., ca. 10€

 

4 Gedanken zu “Sylvia Plath: The Bell Jar

    • skaldenmet schreibt:

      Auf jeden Fall! Ariel habe ich bisher noch nicht gelesen, aber ich bin mir jetzt schon sicher, dass es sich lohnen wird. Plaths Biografie ist wirklich faszinierend; diese Frau hat mich beeindruckt und ich kann nicht einmal sagen, womit genau.

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  1. Sara schreibt:

    Sylvia Plath ist echt schwer in Ordnung. Habe mich dank Gilmore Girls sofort in „Die Glasglocke“ verliebt, die Prota ist einfach super realistisch. Kann sie sehr gut verstehen 😉 Werde das Buch im Rahmen meines Projekts auch nochmal lesen und rezensieren. Es ist einfach nur cool! Und leider zu Unrecht unbekannt…

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    • skaldenmet schreibt:

      Ja, Plath taucht immer wieder in amerikanischen Produktionen auf, ich habe sogar mal gesehen, dass eine Figur in der Serie „Family Guy“ Die Glasglocke liest. Sylvia Plath scheint immer mit starken Mädchen-/Frauenfiguren assoziiert zu werden, die auf der Suche sind. Durch die Gilmore Girls habe ich übrings auch einige Leseanregungen bekommen.

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