Suzanne Collins: Die Tribute von Panem-Gefährliche Liebe

Nachdem sie die Hungerspiele überlebt hat, scheint sich Katniss´ Situation gebessert zu haben: Sie ist mit ihrer Familie ins Dorf der Sieger gezogen, hat endlich genug zu essen und kann auch die Familie ihres Freundes Gale unterstützen. Doch die Wut des Präsidenten Snow hängt wie eine dunkle Wolke über ihr und entlädt sich, als Katniss klar wird, dass sie mit ihrem öffentlichen Akt der Rebellion zur Symbolfigur ebenjener geworden ist. Peeta und Katniss müssen zurück in die Arena, und diesmal ist ungewisser denn je, ob sie überleben, denn die Tribute sind keine Kinder- sondern die Sieger der vorangegangenen Hungerspiele.

Der zweite Band der Panem-Trilogie knüpft direkt an den ersten an, ist allerdings aus der Ich-Perspektive geschrieben, was zunächst befremdlich wirkt, da man als Leser gewohnt war, Katniss aus größerer Distanz zu sehen. Der Verengung der Perspektive erklärt sich aber schnell, denn schon nach den ersten Seiten wird deutlich, dass es diesmal neben töten oder getötet werden vor allem um Katniss´ Gefühle geht. Der Zwiespalt, in dem sie steckt, ist ein Hauptthema der Geschichte und ein wenig bleibt es offen, auf wen sich der Titel „gefährliche Liebe“ denn nun bezieht- auf Gale oder doch auf Peeta?
Panem 2 ist politischer als sein Vorgänger; die Rolle der Medien rückt noch weiter in den Vordergrund und der gesteuerte Informationsfluss sorgt dafür, dass der Leser erst ganz zum Schluss von der wichtigen, größeren Sache erfährt, die hinter allem steht.

Zuerst wirkte die Idee, Peeta und Katniss noch einmal in die Arena zu schicken, ziemlich einfallslos auf mich. Ganz nach dem Motto: Was schon einmal funktioniert hat, wird´s auch beim zweiten Mal. Ganz Unrecht hatte Collins damit ja auch nicht. Sie nochmal in die Arena zu schicken, um sie dort töten zu lassen, wäre für die Regierung eine bequeme Art, sie loszuwerden, wie Katniss selbst aufgeht. Die Erklärung lässt man dann als Leser auch gelten, doch suspekt bis zum Schluss bleibt einem, was der Präsident in Katniss´ Liebesleben mitzumischen hat? Das ist dann doch etwas weit hergeholt und scheint eher als fadenscheiniger Aufhänger für den weiteren Verlauf der Geschichte zu dienen.
Gut gelungen ist aber ist das Gleichgewicht zwischen Liebesgeschichte und Rebellion, wenn auch nicht die Verknüpfung der beiden Themen. Dass Katniss die Verliebte spielt, um am Leben zu bleiben ist eben doch plausibler, als das Spiel weiterzutreiben, um politischen Aufständen in Panem entgegenzuwirken. Auch wenn sie aus Band 1 als unangefochtene Heldin hervorging, so ist es für den Leser doch nachvollziehbar, dass sie in „Gefährliche Liebe“ erst daran denkt, sich und ihre Familie zu retten, statt sich der größeren Sache zu verpflichten.
Mit Abstand am besten gefallen hat mir aber ein eher nebensächliches Detail: Durch Katniss´ Beobachtungen und eigenes Empfinden erfährt der Leser, was die Brutalität der Hungerspiele aus ihren Siegern gemacht hat- nicht wenige Figuren in dieser Geschichte sind alptraumgeplagte, alkohol- oder drogenanhängige Wracks, die, nachdem sie der Unterhaltung der Spaßgesellschaft des Kapitols gedient haben, hilflos vor dem Erlebten stehen.

Suzanne Collins „Die Tribute von Panem- Gefährliche Liebe“ (OT: Catching Fire), Oetinger 2010, 430S., 17,95€

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