Martin Suter: Der Koch

Suter- Der KochAls der Exil-Tamile und geschickte Koch Maravan seine Anstellung als Küchenhilfe in einem Schweizer Edelrestaurant verliert, entschließt er sich, gemeinsam mit seiner Kollegin Andrea einen Catering-Service der besonderen Art zu gründen: Love Food  – stimulierende Küche für Paare. Zunächst kochen die beiden für Patienten einer befreundeten Sexualtherapeutin, dann auch für die Eskapaden wohlhabender Geschäftsleute. Nebenbei suchen sie selbst ihr Glück. Maravan verliebt sich in eine eigensinnige Landsmännin, Andrea in eine hübsche Prostituierte.

Martin Suter verknüpft in seinem Roman geschickt die Einzelschicksale auf den ersten Blick völlig unterschiedlicher Figuren mit den Ereignissen der Finanzkrise im Jahr 2009. Neben Schweizer (Luxus-)Residenzen ist auch das vom Krieg und den Kämpfen der LTTE betroffene Sri Lanka Schauplatz. Auch im Exil ist der Protagonist Maravan nicht frei von heimatlichen Verpflichtungen. Er arbeitet, um Geld in die Heimat schicken zu können und verfolgt mit Schrecken das Schicksal eines jungen Familienmitgliedes, das sich als Kindersoldat verdingt. Auch muss er seinen moralisch nicht einwandfreien Job als „Sexkoch“ geheim halten, während er auch in der Schweiz von Unterstützern der LTTE bedrängt wird. Am Schicksal Maravans wird deutlich, dass Flüchtlinge im Exil einen Erfahrungsschatz sowohl positiver als auch negativer Erfahrungen haben, der dem in Sicherheit und verhältnismäßig sorglos aufgewachsenen Westeuropäer weitestgehend verborgen bleibt. Maravans Freundin Samira durchlebt den Konflikt der zweiten Generation und wirklich verstehen kann sein Leid nur die Prostituierte Makeba, die einst selbst vor einem Krieg in Äthiopien flüchtete.

Die Beschreibungen der phantasievollen Gerichte, die im Roman zubereitet werden, lassen dem Leser das Wasser im Mund zusammenlaufen und stellen das Kochen nicht als Notwendigkeit, sondern als Kunst dar. Die Rezepte im Anhang bieten dem ambitionierten Hobbykoch dann die Möglichkeit, das Gelesene nach zu kochen.

Martin Suter „Der Koch“, Diogenes 2011, 320 S., 10,90€

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