Andy Weir: Der Marsianer

Der MarsianerMark Watneys Logbuch, Sol 6:
„Ich bin so was von im Arsch.“

In nicht allzu ferner Zukunft sind bereits drei bemannte Marsmissionen erfolgreich abgeschlossen worden. Mark Watneys ist die vierte und deshalb nicht mehr allzu spektakuläre. Doch das macht sie schnell wett: Ein Sandsturm überrascht die Crew; die Mission muss so schnell wie möglich abgebrochen werden. Auf dem Weg zurück zum Schiff wird Watney verletzt und bleibt zurück; seine Crew hält ihn für tot. Doch er überlebt und findet sich auf dem Mars wieder – und zwar ganz allein. In der aufgebauten Wohnkuppel versorgt er seine Wunden und schmiedet Pläne fürs Überleben. Sein Wasser reicht nicht, sein Proviant auch nicht und die nächste Marsmission soll erst in ein paar Jahren eintreffen. Kontakt mit der Erde hat er keinen. Doch der Botaniker und Ingenieur gibt nicht auf, rationiert seinen Proviant und beginnt unter aberwitzigen Bedingungen mit dem Kartoffelanbau. Er  funktioniert seine Ausrüstung um und setzt alles daran, wieder Kontakt mit der NASA auf der Erde aufzunehmen. Als man dort erfährt, dass Watney überlebt hat, setzt die NASA alles daran, ihn zurückzuholen.

In „Der Marsianer“ teilt sich Watney dem Leser durch das fast täglich geführte Logbuch mit. Er schildert seinen Überlebenskampf als Aneinanderreihung von Anekdoten in einem Ton, der den Leser zum Lachen bringt. So sind die vielen technischen Einzelheiten und chemischen Zusammenhänge alles andere als langweilig zu lesen.
Andy Weir nimmt fast ausschließlich Bezug auf bereits bestehende Technik und schildert die Lebensbedingungen auf dem Mars so, wie sie zum heutigen Zeitpunkt erforscht sind (fließendes Wasser hat Watney allerdings nicht entdeckt). Deshalb darf man sich auch von der Einordnung als „Science Fiction“-Roman nicht irritieren lassen. Hier wird definitiv nicht die ferne Zukunft geschildert, sondern vielmehr eine Mission wie sie nach NASA-Angaben in zwanzig Jahren tatsächlich stattfinden könnte.
Leider verliert der Autor kaum ein Wort über den Gefühlszustand seines Protagonisten. Der Mann verbringt immerhin den fast den gesamten Roman in völliger Isolation als einziger Mensch auf dem Planeten. Da wirkt der Hinweis der NASA-Psychologin, dass es sich bei Watney um eine Frohnatur handle, ziemlich dürftig und man könnte sich vorstellen, dass er doch die eine oder andere dunkle Stunde hatte. Hier wäre noch Potential gewesen, die Geschichte ein wenig aus psychologischer Sicht zu betrachten.

Falls sich die Möglichkeit bietet, sollte man den Roman unbedingt auf Englisch lesen. In der deutschen Version zünden einige Witze einfach nicht (der „Arbeitsfluss“ hat einfach nicht den gleichen Flow!). Man merkt übrigens schon beim Lesen, dass sich der Roman gut für einen Film eignen würde. Zwar kommen einige der Nebenfiguren etwas plakativ daher, aber ihre Dialoge sind spritzig und – mal ehrlich –ein Mann allein auf dem Mars: das hat Potential für große Bilder.

Andy Weir, Der Marsianer (OT: The Martian), Heyne 2015, 509 S., 14,99 €.

Ein Gedanke zu “Andy Weir: Der Marsianer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s