Robert Musil: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß (1906)

TörleßDer junge Törleß besucht ein Jungeninternat und bereitet sich wie seine Mitschüler auf eine steile Karriere vor. Geldsorgen haben die wenigsten von ihnen, daher ist es ein gefundenes Fressen, als er und seine beiden Freunde einen ihrer Mitschüler beim Stehlen erwischen. Fortan wird er erpresst und gedemütigt.

Die Geschichte vom Missbrauch und der Erpressung eines Jungen durch seine Mitschüler, Homosexualität und die Ausschweifungen unter Sprösslingen der oberen Gesellschaftsschicht waren zur damaligen Zeit, Anfang des 20. Jahrhunderts, bestimmt Aufsehen erregend, vielleicht annähernd vergleichbar mit Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“. Doch durch zahlreiche Sozial-, Jugend- und sonstige Dramen geschädigt, sei es filmisch oder durchs Lesen, erscheinen dem heutigen Leser die Vorkommnisse in den Gemäuern des Internats zwar grausam, doch weniger verstörend, als es für frühere Leser der Fall gewesen sein mag.

Es fällt häufig schwer,den Gedanken und Gefühlsaufwallungen des jungen Törleß‘ zu folgen. Damit steht man als Leser auch nicht allein, denn die erwachsenen Figuren im Buch – Lehrer, Direktor, Eltern – haben stellenweise große Probleme, sich der Gefühlswelt Törleß‘ anzunähern, selbst, als er sie ihnen ausführlich erklärt. Eine hinzugezogene Interpretationshilfe schaffte dann zwar Abhilfe, der Eindruck, seitenweise schwer nachvollziehbare Schilderungen aus dem Innenleben eines Teenagers gelesen zu haben, ließ sich dennoch nicht abstreifen.

Robert Musil, „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“, Erstausgabe 1906, verschiedene Ausgaben.

Mit diesem Beitrag möchte ich auch auf die #Golden Backlist-Aktion hinweisen, deren Ziel es ist, Buchblogger dazu zu bewegen, in diesem Jahr ein Buch zu lesen, das vor mehr als fünf Jahren erschienen ist.

 

 

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