Florian Arnold: Ein ungeheuerlicher Satz (2015)

Vertraut und surreal zugleich: Florian Arnolds Novelle über das Erwachsenwerden in dunklen Wäldern watet mit ungewöhnlichen Figuren in einer mysteriös bleibenden Umwelt auf.

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Ein 13-jähriger Junge, um „das Flüchten zu lernen“ vom Vater im Sumpf stecken gelassen, klopft nach Tagen mühseliger Wanderung an die Tür des geheimnisvollen Rösenmarrers. Der hünenhafte Freund seines Vaters pflegt den Jungen gesund und macht sich mit ihm auf den Rückweg nach Hause, durch den schier endlos scheinenden Wald. Auf diesem Weg wird der Junge so viel erfahren: über seine Familie, seinen immerzu ängstlichen Vater und den Hintergrund für dessen manisches Schreiben in der Nacht.

„Ein ungeheuerlicher Satz“ entführt den Leser in eine Welt, die surreal und vertraut zugleich ist: da sind weiße Flecken auf der Landkarte, eine riesige Eisplatte, die einen Teil der dünn besiedelten Landschaft bedeckt, da sind aber auch Österreich, Limonade, Atombomben und Marilyn Monroe. Arnold erzählt eine Geschichte vom Erwachsenwerden durch die Augen eines  Dreizehnjährigen, ohne sich der für dieses Alter typischen Sprache zu bedienen. Das Alter des Erzählers wird durch dessen eingeschränkte Sichtweise deutlich. Fragend entdeckt er, was vor ihm bislang verborgen gehalten wurde, wobei immer wieder Wortschöpfungen auftauchen, die es verstehen, Schönheit und Hässlichkeit gleichermaßen akkurat zu beschreiben, ohne dabei ins Lächerliche abzudriften.

Der 1977 geborene Autor watet durch den Munde Rösenmarrers mit Lebensweisheiten auf, die man einem viel älteren Schreiber zugeschrieben hätte und die der Geschichte zusammen mit dem immer mysteriös bleibenden Schauplatz angenehme Tiefe verleihen. Eine interessante, phantasievolle und ungewöhnliche Novelle, die sich erfrischend von anderen Erzählungen zu den Themen Erwachsenwerden und Familie abhebt.

Florian L. Arnold, „Ein ungeheuerlicher Satz“, Mirabilis Verlag 2015, 144 S., 7 Abbildungen, 14,90€, ISBN 978-3-9816674-1-7.


Hier der Link zur Homepage des Autors, der „Ein ungeheuerlicher Satz“ auch selbst illustriert hat: http://www.florianarnold.de/ und dem Blog zu seiner Schreibe: https://ignatu.wordpress.com/

Eine weitere Meinung zum Buch findet sich bei Schriftwechsel.

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