Was erwartest du von einem Buch?

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Lesehighlights gab es für mich im letzten Jahr einige. Totale Flops dagegen keine. Schlimmstenfalls mittelmäßige Bücher, die nicht länger im Gedächtnis blieben. Überhaupt kann ich mich an wenige „richtig schlechte“ Bücher erinnern, die ich gelesen habe. Ist ja auch immer Geschmackssache, aber selbst dann. Liegt das an persönlicher Anspruchslosigkeit oder an der rigiden Vorauswahl, die Fehlgriffe unwahrscheinlicher macht? Denn besonders „Überraschungspackungen“ gegenüber bin ich skeptisch; ein unbekanntes Buch allein wegen des Covers kaufen? – Spätestens dann schlurfe ich mit Hasenfuß aus der Buchhandlung und vertiefe mich in meine sorgsam zusammengestellte Wunschliste.

Was erwarte ich überhaupt von einem Buch? Soll es mich unterhalten, bezaubern, entführen, alles um mich herum vergessen lassen, aufheitern, traurig stimmen oder einfach Fakten liefern? Das kommt ganz darauf an: Bei Klassikern, hier besonders bei Romanen, will ich natürlich gut unterhalten werden. Aber in erster Linie will ich verstehen, warum das betreffende Werk so berühmt geworden ist. Ist es seine originelle Geschichte und finde ich persönlich sie auch aus heutiger Perspektive noch originell? „Die Maschine steht still“ von E. M. Forster war so ein Fall; auch die Jules Verne-Romane oder Robinson Crusoe. An Theaterstücke gehe ich hingegen möglichst unvoreingenommen heran. Zuletzt gab es wahre Glücksgriffe wie Oscar Wildes „Ernst sein ist alles“, während ich von anderen, wie von Büchners „Leonce und Lena“ enttäuscht war. Das bezieht sich alles aber erst einmal aufs reine Lesen, denn auf der Bühne gesehen habe ich beide Stücke noch nicht und es kann ja sein, dass die Inszenierung hier einiges umkehrt. Das unterscheidet das Lesen von Theaterstücken wohl sehr von Romanen – hier kann einen schlechten Roman wohl nur eine noch schlechtere Verfilmung besser machen.

Bei Sachbüchern steigen dann erstaunlicherweise die Ansprüche (vielleicht, weil es mehr Zeit und Anstrengung kostet, sie zu lesen?): Der Text muss verständlich und anschaulich geschrieben sein – aber bloß nicht zu unterhaltsam, Richard David Precht lässt grüßen. Das Buch darf sich auch ruhig an ein Fachpublikum richten, zu dem ich nicht gehöre, solange es sich nicht in Bezugnahmen ohne Erklärungen verliert. Karten und Schaubilder sind sehr wichtig; ebenso ein ausführlicher Anhang. Der hat mich schon häufiger gerettet, wenn Originalbezeichnungen aus der jeweiligen Fremdsprache zunächst unkommentiert in den Fließtext eingebaut wurden. Meine Begeisterung fürs auf-die-Landkarte-Schauen wird zum Glück wohl von den Verlegern meiner derzeitigen Lektüre Hochgeschwender: „Die amerikanische Revolution“ geteilt.

Dann gibt es noch die Schamkategorie der Self-Publisher-E-Books (ja… aber vielleicht ist ja doch mal ein Schatz dabei!). Hier erwarte ich erst einmal weniger als von im Buchhandel Erhältlichem, besonders was eine bis ins Letzte ausgefeilte Geschichte angeht. Ein Mindestmaß an Rechtschreibung (man kann ja auch mal einen Bekannten drauf schauen lassen) und keine allzu platten Wortwendungen und -wiederholungen erwarte ich dann aber doch. Wenn man sich schon Autor nennen können möchte, sollte man hierauf Wert legen. In dieser Kategorie habe ich schon mehrmals danebengegriffen – auf Bewertungen verlasse ich mich seitdem nur noch eingeschränkt.

Was ich von einem Buch erwarte, hängt also insgesamt sehr von der Sparte ab. Nicht zuletzt will ich immer, wenn ich lese, etwas Neues erfahren und lernen – und sei es, welches Gebäck im viktorianischen England zum Tee gereicht wurde. Genau diesem Informationshunger ist auch der Titel des Blogs geschuldet.

Wie sieht’s bei euch aus? Was erwartet ihr von einem Buch?

10 Gedanken zu “Was erwartest du von einem Buch?

  1. wortsonate schreibt:

    Ich erwarte schon das ein gut Buch verständlich geschrieben ist. Allerdings halte ich bei schwierigen Bücher auch schon mal durch, weil es erst im Laufe der Handlung eine Tiefe entwickeln.
    Auch kommt es auf das Land an. Im Fernkurs haben wir u.a arabische Staaten gelesen, in die Romane habe ich mich überhaupt nicht einfinden können. Afrika und Japan gingen leicht zu lesen.
    Sachbücher sollten verständlich, präzise und klar geschrieben sein. Wenn mir jemand die Fachwörter nur so um die Ohren haut, dann lege ich es bestimmt weg.

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    • Wissenstagebuch schreibt:

      Das stimmt wohl, die Aneinanderreihung von Fremdwörtern ist kein Zeichen für Qualität! Wenn man sie allerdings häppchenweise serviert bekommt, mag ich das sehr gern. Dann kann man nämlich versuchen, sie selbst beiläufig (und triumphierend) zu verwenden – oder wenigstens nicht gleich wieder zu vergessen (klappt nicht immer!).
      Mit Büchern aus dem arabischen Kulturkreis tue ich mich auch etwas schwer; die blumige Sprache, der Duktus – das muss man wirklich mögen. Vielleicht sind wir ja auch schon durch Murakami, Oe und Co. etwas mehr an japanische Literatur gewöhnt?

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  2. Emerald Notes schreibt:

    Ein sehr interessanter Beitrag, der mich auch gerade dazu veranlasst hat, meine Ansprüche an Bücher zu reflektieren. Mir geht es, wie du es in deinem letzten Absatz beschrieben hast: Ich möchte in allererster Linie für mich aus der Lektüre einen Mehrwert ziehen, indem mir das jeweilige Buch eine neue Welt, Denkweise oder Kultur eröffnet und meinen Horizont erweitert.
    Allerdings kann man das wohl nicht von jedem Buch erwarten. In dem Fall erwarte ich mindestens eine schöne Sprache und einen angenehmen, wenn nicht sogar einmaligen Schreibstil.
    Im letzten Jahr hatte ich ja ein paar Fehlgriffe dabei und zumindest die richtigen Flops ergaben sich daraus, dass sie entweder nicht meinem normalen Genregeschmack entsprachen oder handlungstechnisch auch gehörig von dem abwichen, was ich üblicherweise bevorzuge – bei einem Buch traf sogar beides zu, das konnte ja eigentlich nur schiefgehen. Aber ich hatte das halt auch irgendwie als Experiment angesehen, einmal über den Tellerrand zu blicken und etwas Neues auszuprobieren. Das ging dann halt nach hinten los. Von daher kann ich mich und meinen Büchergeschmack eigentlich mittlerweile auch gut genug einschätzen, sodass es so gut wie nicht mehr zu solchen Ausreißern kommen sollte.
    Am allertollsten ist es natürlich, wenn Bücher unterhaltsam, lehrreich und wunderschön geschrieben sind. Das ist mir auch schon ein paar Mal bei Sachbüchern passiert und da freut es mich immer am meisten, da ich mit trockenen Faktenangaben auch nichts anfangen kann und ich es deshalb umso bewundernswerter finde, wenn es jemand schafft, Informationen auf unterhaltsame Weise zu vermitteln und noch dazu in eine schöne Sprache zu verpacken. 🙂

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    • Wissenstagebuch schreibt:

      Ich denke, diese Fehlgriffe braucht man einfach, um seinen eigenen Geschmack kennen zu lernen und verorten zu können. Dann kann man, wie du schreibst, ganz geplant und mit „kalkulierbarem Risiko“ sozusagen, auch Ausflüge in die Gebiete außerhalb des eigenen Geschmacks unternehmen. Bei mir gehört die ChickLit dazu – ich habe noch kein Buch dieses Genres gelesen, das mir gefallen hat, aber wenn ich eine wirklich enthusiastische Besprechung lese, lasse ich mich manchmal hinreißen – obwohl ich hier bislang jedesmal enttäuscht wurde.
      Weißt du noch, welche Sachbücher dich so begeistert haben? Das hört sich ja toll an.

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      • Emerald Notes schreibt:

        Ja, da stimme ich dir zu, was die Fehlgriffe betrifft. Allerdings war ich mir zu dem Zeitpunkt, als ich danebengegriffen habe, eigentlich schon ziemlich sicher, was ich mag und was nicht. Ich ließ mich eher dazu hinreißen, weil ich eben mal über meinen eigenen Tellerrand schauen wollte und mir das eine Buch von einer Bekannten empfohlen wurde – na ja, offenbar konnte sie meinen Geschmack nicht so richtig einschätzen… Das war übrigens aus der Sparte ChickLit und obwohl mir da schon das ein oder andere Buch überraschenderweise gefallen hat, mache ich da normalerweise auch eher einen Bogen drumherum.
        Das eine ist schon eine Weile her, aber ich habe es in guter Erinnerung: Ernst H. Gombrichs „Eine kurze Weltgeschichte für junge Leser“. Letztes Jahr bin ich per Zufall über John Sutherlands „A Little History of Literature“ gestolpert und es hat mir so gut gefallen, dass ich nun unbedingt noch ein paar seiner anderen Bücher lesen möchte. Und der letzte Fall ist wohl ein bisschen arg speziell (und deshalb wahrscheinlich nur bedingt empfehlenswert), aber da ich mich für das Land und seine Geschichte interessiere und gerne Reportagen lese, konnte auch James Fergussons „The World’s Most Dangerous Place: Inside the Outlaw State of Somalia“ richtig bei mir punkten. 🙂

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        • Wissenstagebuch schreibt:

          Ich mag Bücher zu sehr speziellen politischen oder historischen Themen sehr gern; aus der Lektüre nehme ich immer eine Menge mit und nach dem Lesen kommt man sich für ein paar Tage wie der Experte auf diesem Gebiet vor (bis das Vergessen einsetzt) . Failed/Failing States sind ein super spannendes Thema; bislang habe ich nur Ahmed Rashids „Sturz ins Chaos“, dazu gelesen, ich weiß gar nicht, ob das mal aktualisiert wurde… Von Sutherland habe ich bislang noch gar nichts gelesen, vielen Dank für die Tipps, die Titel hören sich schon einmal vielversprechend an!

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  3. Emerald Notes schreibt:

    Na wenn das so ist, dann kann ich dir James Fergussons Buch auf jeden Fall empfehlen – ich fand es vor allem auch sehr spannend geschrieben. 🙂 Zu Somalia ist mir auch ein weiteres Sachbuch eingefallen, das von mir ein Gütesiegel bekommen würde: Mary Harpers „Getting Somalia Wrong? Faith, War and Hope in a Shattered State“. Der Ansatz ist zwar eindeutig wissenschaftlicher, aber es ist sehr verständlich geschrieben, was ich in Anbetracht der sehr komplexen Thematik wirklich beachtenswert fand! Ich habe davon wirklich viel mitgenommen.
    Ahmed Rashid sagte mir bis jetzt gar nichts, aber das ist wahrscheinlich auch kein Wunder, da ich (momentan noch) eher in Afrika als im Nahen Osten unterwegs bin. Hört sich aber sehr interessant an, deswegen werde ich das auch gleich einmal auf meine Merkliste setzen. 🙂

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    • Wissenstagebuch schreibt:

      Klasse, dann hab ich auf jeden Fall Material, mein Somalia-Wissen über „Wüstenblume“ hinaus zu erweitern. 😉 Liest du die Bücher für’s Studium/für die Arbeit oder einfach aus Interesse?
      Zu einem ganz anderen Teil der Welt: Vor einigen Monaten habe ich im Dunstkreis der Frankfurter Buchmesse „Alle Farben Rot“ gelesen. Es war zwar ein Roman, aber ich habe sehr viel über indonesische Politik und Geschichte (und Geografie – ich kannte einen Teil der genannten Inseln gar nicht) gelernt und gleich noch mehrere Bücher über indonesische „Umerziehungslager“ für Kommunisten gefunden. Ein Thema, das bis dahin völlig an mir vorbeigegangen war. Vielleicht würde es sich lohnen, eine Weltkarte zu basteln und mit Büchern zu verlinken. 😉

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      • Emerald Notes schreibt:

        „Wüstenblume“ möchte ich auch unbedingt noch lesen, bis jetzt habe ich nur die Verfilmung gesehen. Tatsächlich habe ich die Bücher zu Somalia für’s Studium gelesen, da ich mich in meiner MA-Arbeit mit dem Somalischen Bürgerkrieg beschäftige. Ich bin aber eben gerade durch Fergussons Buch derart auf den Geschmack gekommen, dass ich jetzt unbedingt mehr Bücher dieser Sorte lesen möchte. Da hat sich schon ein bisschen etwas angesammelt und „Alle Farben Rot“ werde ich auch einmal draufpacken, Indonesien ist in der Tat bisher völlig an mir vorbeigegangen.
        Lustigerweise hatte ich mir das mit der Weltkarte vor ein paar Wochen wirklich auch schon einmal überlegt, allerdings wären wir glaub nicht die Ersten mit der Idee, da ich das schon einmal auf einem Blog gesehen habe. Bei meinem Blog würde es sich wohl momentan auch noch nicht so richtig lohnen, aber bei dir könnte ich es mir sehr gut vorstellen. 🙂

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