Jahresrückblick 2018 | Buchempfehlungen

2018 lief buchtechnisch erst im November so richtig für mich an. In den Monaten davor hat mich die Examensvorbereitung so in Beschlag genommen, dass für all die tollen Bücher, die auf den Buchblogs vorgestellt wurden, keine Zeit war. Aber dann! Als die Leselust zurück kam, hab ich die Bücher, die ich bis dahin aufgehoben hatte, in einem Rutsch weggelesen.

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18 Klassiker für 2018 – und was draus wurde

Ich hab die #18für2018-Aktion zu meiner persönlichen Klassiker-Challenge gemacht und Bücher von meiner Klassikerliste ausgesucht, die damals schon den Weg ins Regal gefunden hatten. Ich bin grandios gescheitert und habe nur die fett gedruckten gelesen:

1. Das Dekameron von Giovanni Boccaccio (ca. 1349–1353)
2. Gargantua und Pantagruel von François Rabelais (1532–1564)
3. Wallenstein von Friedrich Schiller (1799)
4. Mansfield Park von Jane Austen (1814)
5. Alice im Wunderland von Lewis Carroll (1865)
6. David Copperfield von Charles Dickens (1849/50)
7. Große Erwartungen von Charles Dickens (1860/61)
8. Eine Geschichte aus zwei Städten von Charles Dickens (1859)
9. Aus dem Leben eines Taugenichts von Joseph von Eichendorff (1826)
10. Faust I und II von Johann Wolfgang von Goethe (1808/1832)
11. Der Sandmann von E. T. A. Hoffmann (1816)
12. Der Name der Rose von Umberto Eco (1980)
13. Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez (1967)
14. Radetzkymarsch von Joseph Roth (1932) [abgebrochen]
15. Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien (1954/55) [nur Anhänge gelesen]
16. Unendlicher Spaß von David Foster Wallace (1996)
17. Schachnovelle von Stefan Zweig (1942)
18. Das kunstseidene Mädchen von Irmgard Keun (1932) 

Im November habe ich kurz mit dem Gedanken gespielt, den Rest des Jahres zu nutzen, um hier voran zu kommen, aber nach einem Jahr juristischer Fachzeitschriften wollte ich nur noch entspannen. Gargantua und Pantagruel hat mich schon nach den ersten Versen überfordert und wanderte direkt zurück ins Regal. Dafür habe ich jenseits der Klassikerliste einige Schätze entdeckt.

Die besten Bücher 2018

In diesem Jahr habe ich 33 Bücher gelesen. Das ist weniger als in den Jahren zuvor, aber auf mehr als 50 Bücher pro Jahr komme ich sowieso eher selten. Dafür hab ich mir die Zeit genommen und mit Vorfreude bewusster ausgewählt, sodass mit Lauren Groffs „Licht und Zorn“ und H. P. Lovecrafts „Berge des Wahnsinns“ (der Meister und ich wurden einfach nicht warm) nur zwei Werke dabei waren, die mir nicht gefallen haben.

Zehn Empfehlungen aus meinem Buchjahr 2018 sind:

Petra Morsbach: Justizpalast
Für mich als Jurastudentin in den letzten Zügen war es ein Highlight zu lesen, wie das Ringen um Gerechtigkeit das Berufsleben einer Richterin prägt – und dass dabei Privates manchmal auf der Strecke blieb.

Ibram X. Kendi: Gebrandmarkt
Ein brillant erzähltes Sachbuch zur Geschichte des Rassismus in den USA. Unglaublich detailreich und mit einer Fülle von weiterführenden Literaturtipps.

Elif Shafak: Der Geruch des Paradieses
Die Geschichte drei junger Frauen, die versuchen, den Islam, Selbstverwirklichung und Gleichberechtigung in ihrem Leben zu vereinen hat mich beeindruckt und erstmals auf die Schriftstellerin Elif Shafak aufmerksam werden lassen.

Dalia Grinkevičiūtė: Aber der Himmel – grandios
Dieses Buch war ein Zufallsfund und gehört für mich zu den beeindruckendsten Büchern, die ich dieses Jahr gelesen habe. Die Lebensgeschichte Grinkevičiūtės, die als junges Mädchen in einen sibirischen Gulag deportiert wird, hat sich mir eingebrannt, wie sonst kein Buch in diesem Jahr. Sollte direkt Schullektüre werden.

Hillary Jordan: Mudbound. Tränen des Mississippi
Dieses Buch war ein Überraschungshit. Cover und Titel lassen eher auf rührselige Liebesgeschichte schließen, aber hier geht es knallhart um Themen wie Rassismus, Armut, Missbrauch und Kriegstraumata. Sowohl das Buch als auch die Verfilmung beim Streamingdienst Netflix sind absolut empfehlenswert.

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Smith Henderson: Montana
In der letzten Zeit hat sich bei mir eine klare Liebe zu Country Noir herausgebildet. Dunkle Wälder, verhärmte Menschen und eine dichte Atmosphäre – nach solchen Geschichten suche ich derzeit. Montana hat all das und ist auch sonst ziemlich harter Tobak.

Tara Westover: Befreit
Tara Westovers Autobiografie hatte ich gleich nach dem Erscheinen auf dem englischsprachigen Buchmarkt im Auge. Eine junge Frau, die sich von religiösem Fanatismus und Bildungsfeindlichkeit befreit und es bis an die besten Universitäten der Welt schafft. Inspirierend und gut geschrieben.

Gabriel García Márquez: Hundert Jahre Einsamkeit
Die Geschichte um die Familie Buendía hätte ebenso völlig belanglos werden können, aber durch seinen ausgezeichneten Stil und eine Prise magischen Realismus habe ich ihre Sorgen und Nöte im fernen Kolumbien mit angehaltenem Atem verfolgt. Ein hinterher-ist-man-immer-schlauer-Tipp: unbedingt Stammbaum danebenlegen.

Arthur Miller: Fokus
Am Ende des zweiten Weltkriegs wütet auch in den USA ein zerstörerischer Antisemitismus. Dem Protagonisten wäre das egal – hielte man ihn aufgrund seiner neuen Brille nicht plötzlich selbst für jüdisch. Die Idee der Geschichte ist so einfach wie genial und zeigt deutlich auf: Hass kann jeden treffen. Seine Kriterien sind völlig willkürlich.
Unvergessen bleibt die Szene am Zeitungsstand: Beim jüdischen Zeitungshändler kaufen wie seit Jahrzehnten, oder beim unangenehmen vermeintlich uramerikanischen Drücker, weil der Mob einen eh schon kritisch beäugt? Ich habe noch nie einen so brillant aufbereiteten Gewissenskonflikt gelesen.

Margaret Atwood: The Handmaid’s Tale
Obwohl ich zuvor viel zum Buch gelesen hatte, fand ich die Geschichte immer noch spannend. Besonders beeindruckt hat mich wie Atwood aufzeigt, dass die ausdrückliche Wertschätzung der Frau problemlos mit Misogynie einhergehen kann.

Ausblick 2019

Derzeit ist es etwas ruhiger beim Wissenstagebuch, weil ich mich vor einigen Wochen entschieden habe, meinen Blog endlich selbst zu hosten und nebenbei versuche, mich in diese neue Welt aus Zahlen und Sonderzeichen einzuarbeiten. Die neue Seite soll im Februar an den Start gehen und die Liebe zur Literatur mit schönerem Design und mehr Funktionen feiern.

Ansonsten freue ich mich im Januar auf die Leserunde bei 54books zu Maya Angelous „I know why the caged bird sings“. Angelou war eine beeindruckende Persönlichkeit und dieses Buch von ihr will ich schon seit Langem lesen.

Einer Aufgabe wie „19 Klassiker für 2019“ stelle ich mich diesmal nicht ; in den nächsten Monaten nehme ich lieber nach Lust und Laune Bücher der Klassikerliste zur Hand und freue mich vielleicht auf die eine oder andere Leserunde. Für das Wissenstagebuch ist bislang nichts geplant, aber mir hat die Eco-Leserunde mit euch großen Spaß gemacht und ich halte die Augen offen, wenn sich etwas anbietet. Schreibt mir gern, wenn ihr einen Vorschlag habt.

Euch allen ein gesundes neues Jahr 2019!

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