#18für2018 – Die Klassiker-Edition – Zwischenstand

Im Radio haben sie gesagt, dass in acht Wochen schon wieder Spekulatius in den Regalen stehen. Das klingt so, als wäre es mal Zeit für einen Zwischenstand zu der #18für2018-Aktion, die ich in eine Klassiker-Leseaktion umgewidmet habe – im Examensendspurt nicht unbedingt eine meiner besseren Ideen. Deshalb standen bisher auch die leichten (und kürzeren) Werken im Vordergrund. So sieht es derzeit aus:

Gelesen habe ich

Alice im Wunderland von Lewis Carroll (1865)
Aus dem Leben eines Taugenichts von Joseph von Eichendorff (1826)
Der Sandmann von E. T. A. Hoffmann (1816)
Der Name der Rose von Umberto Eco (1980)
Radetzkymarsch von Joseph Roth (1932) [abgebrochen]
Schachnovelle von Stefan Zweig (1942)
Das kunstseidene Mädchen von Irmgard Keun (1932)
Die Anhänge zu Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien.

Noch ausstehend sind

Das Dekameron von Giovanni Boccaccio (ca. 1349–1353)
Gargantua und Pantagruel von François Rabelais (1532–1564)
Wallenstein von Friedrich Schiller (1799)
Mansfield Park von Jane Austen (1814)
David Copperfield von Charles Dickens (1849/50)
Große Erwartungen von Charles Dickens (1860/61)
Eine Geschichte aus zwei Städten von Charles Dickens (1859)
Faust I und II von Johann Wolfgang von Goethe (1808/1832)
Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez (1967)
Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien (1954/55)
Unendlicher Spaß von David Foster Wallace (1996).

Mal sehen, wie viele Werke noch bis zum Examen im Oktober drin sind. Vielleicht nehme ich als nächstes Wallenstein oder den Herrn der Ringe in Angriff. Im Winter sehe ich mich dann schon mit dem Dickens-Sammelband gemütlich auf der Couch sitzen.
In der letzten Zeit habe ich eher zur Erholung gelesen und das eine oder andere Jugendbuch oder Graphic Novel zur Hand genommen, statt mich am Versmaß der großen Meister zu erfreuen. Na ja, muss wohl auch mal sein.

Lust auf gemeinsame Leserunde?

Zu David Foster Wallace „Unendlicher Spaß“ würde ich gerne Ende November eine Leserunde starten. Nachdem die Eco-Leserunde die Motivation oben gehalten hat, fände ich es super, wenn es bei DFW ebenso liefe. Ich kämpfe schon länger mit dem Buch und könnte Unterstützung gebrauchen. Hat jemand von euch Lust und Zeit, mitzumachen?

[Leserunde] #Ecolesen: „Ketzer“-Gruppen im Überblick

Beitrag 4
In welchem nicht der inhaltliche Fortgang der Geschichte geschildert, sondern eine Übersicht der namentlich bekannten sogenannten Ketzergruppierungen dargeboten wird.

In Umberto Ecos „Der Name der Rose“ tauchen immer wieder verschiedene Ketzergruppierungen auf. Ein Thema, das den jungen Novizen Adson fasziniert und das die älteren Mönche ihm nur schwer auseinanderzusetzen wissen. Einige Gruppen spielen im weiteren Verlauf eine größere Rolle; oft betreibt Eco nur Namedropping. Hier habe ich versucht, die wichtigsten Informationen zu den einzelnen im Teil „Dritter Tag – Nona“ genannten Gruppen zusammenzutragen. Vieles fand ich in der Online-Enzyklopädie, einiges auf anderen Webseiten. Weiterführende Informationen in den Kommentaren sind wie immer willkommen!

Logo_Leserunde_Eco_Name der Rose

Weiterlesen

[Ankündigung] Leserunde im April: Umberto Ecos „Der Name der Rose“

Liebe LeserInnen!

Beim Austausch über 18 Klassiker für 2018 haben Elisa von Reisender Bücherwurm und ich beschlossen, Umberto Ecos „Der Name der Rose“ gemeinsam zu lesen. Über  Mitlesende, die Lust auf einen Gedankenaustausch haben, freuen wir uns sehr.

Logo_Leserunde_Eco_Name der Rose

Hierum geht’s in „Der Name der Rose“

„Der englische Franziskanermönch William von Baskerville ist in einer delikaten politischen Mission unterwegs in eine italienische Benediktinerabtei. Dort gerät er, zusammen mit seinem etwas unbeholfenen, jungen Adlatus Adson von Melk, in einen Strudel von kriminellen Ereignissen und drastischen Versuchungen. Aber nicht umsonst stand William lange Jahre im Dienste der heiligen Inquisition. Das Untersuchungsfieber packt ihn. Er sammelt Indizien, entziffert magische Zeichen, entschlüsselt Manuskripte und dringt immer tiefer in ein geheimnisvolles Labyrinth vor, über das der blinde Seher Jorge von Burgos wacht…“

                                                                                        Klappentext der dtv-Ausgabe

Mittelalter, Kriminalgeschichte, Religion, Philosophie und große Geheimnisse – hier kommt einiges zusammen.

Wann?

Die Leserunde startet am 1. April 2018 und soll einen Zeitraum von etwa vier Wochen umfassen. Falls wir alle bedeutend länger zum Lesen brauchen oder es noch mehr Diskussionsbedarf gibt, verlängern wir.

Was?

An jedem Sonntag werden an dieser Stelle Fragen und Gedanken zum bereits Gelesenen veröffentlicht. Die Fragen könnt ihr für die Diskussion auf euren Blogs aufnehmen – oder einfach eigene Fragen in die Runde werfen.

Auf Twitter können wir uns unter #Ecolesen austauschen.

Das Leserunden-Bild könnt ihr natürlich in euren Beiträgen verwenden.

Wer?

Bloggende mit eigenen Blogs, die Spaß an einer gemeinsamen Klassiker-Leserunde haben. Wer keinen eigenen Blog betreibt oder keine kompletten Beiträge verfassen möchte, kann natürlich auch hier in den Kommentaren und/oder auf Twitter mitdiskutieren.

Bei Interesse hinterlasst einfach einen Kommentar unter diesem Beitrag und ich verlinke euch in der Teilnehmerliste.

Fragen und Anregungen gern an wissenstagebuch(at)web.de.

Es lesen mit:

@Janin79634484

Adrian

BritLitScout

Lisa Reads

Manuel @loki1978de

Reisender Bücherwurm

Romantastisch

Schnute

Silke @doreMiNaSo

Wissenstagebuch

 

18 Klassiker für 2018

20180212_203318-0162051109.jpegZugegeben: Ich bin spät dran mit diesem Beitrag. Es sind schon etliche Beiträge und Listen zur Reihe #18für2018 erschienen. Aber es tut Not, denn die Klassiker-Leseliste habe ich in letzter Zeit nur noch dadurch gepflegt, dass ich mir Bücher geliehen oder gekauft habe. Der Stapel mit ungelesenen Büchern ist dadurch ganz schön gewachsen. Eine richtige „Challenge“ soll diese Liste nicht sein, eher eine kleine Erinnerung, auf die ich im Laufe des Jahres zurückgreifen möchte. Diese Klassiker möchte ich in diesem Jahr lesen:

 

1. Das Dekameron von Giovanni Boccaccio (ca. 1349–1353)
100 Novellen fein und derb, tragisch und komisch.

2. Gargantua und Pantagruel von François Rabelais (1532–1564)
Romanzyklus um den jungen Riesen Pantagruel und dessen Vater Gargantua.

3. Wallenstein von Friedrich Schiller (1799)
Dramen-Trilogie im Zusammenhang mit dem Dreißigjährigen Krieg.

4. Mansfield Park von Jane Austen (1814)
Nach Stolz und Vorurteil soll es diesmal etwas satirischer zugehen.

5. Alice im Wunderland von Lewis Carroll (1865)
Kinderbuch und literarischer Nonsens.

6. David Copperfield von Charles Dickens (1849/50)
7. Große Erwartungen von Charles Dickens (1860/61)
8. Eine Geschichte aus zwei Städten von Charles Dickens (1859)
Dreimal Dickens, damit sich die wunderschöne Gesamtausgabe auch lohnt.

9. Aus dem Leben eines Taugenichts von Joseph von Eichendorff (1826)
Etwas Romantik in 2018.

10. Faust I und II von Johann Wolfgang von Goethe (1808/1832)
Der Klassiker schlechthin; Erfahrungen dann unter #GuteNachtmitGoethe.

11. Der Sandmann von E. T. A. Hoffmann (1816)
Wohl als Hörbuch und passend zur dunklen Jahreszeit.

12. Der Name der Rose von Umberto Eco (1980)
Philosophie, Krimi, Geschichte – ich bin gespannt.

13. Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez (1967)
…wird mein erster Roman des Nobelpreisträgers.

14. Radetzkymarsch von Joseph Roth (1932)
Als Hörbuch, um den Wiener Schmäh auch zu hören.

15. Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien (1954/55)
Zum zweiten Mal nach langer Zeit und eingerahmt von Anhängen und Kurzgeschichten.

16. Unendlicher Spaß von David Foster Wallace (1996)
Meine Nemesis seit langer Zeit.

17. Schachnovelle von Stefan Zweig (1942)
Als Hörbuch und hoffentlich ohne Schachvergiftung.

18. Das kunstseidene Mädchen von Irmgard Keun (1932)
Sex and the City im Berlin der frühen 30er Jahre?

Striche klein

Habt ihr #18für2018 oder andere Lesevorsätze? Sind auch Bücher dabei, mit denen ihr euch schon seit längerer Zeit „herumschlagt“?

Auf diese Sachbücher freue ich mich im Frühjahr/Sommer 2018

2018 wird hoffentlich ein gutes Jahr für den Sachbuchmarkt, denn es stehen einige Ereignisse an, die auf interessante Literatur hoffen lassen: Vor 400 Jahren begann mit dem Zweiten Prager Fenstersturz der Dreißigjährige Krieg, der Europa verwüstete und der auch ein Religionskrieg war. Vor 100 Jahren wurde die Weimarer Republik ausgerufen ein–  vorerst leider nur kurzes – Zwischenspiel in der Demokratiegeschichte Deutschlands. Vor 50 Jahren wurde der schwarze Bürgerrechtler und Friedensnobelpreisträger Martin Luther King in Tennessee erschossen und Nelson Mandela würde seinen 100. Geburtstag feiern.

Beim Stöbern in den Verlagsvorschauen habe ich erfreut festgestellt, dass vermehrt Biographien über historische Frauenfiguren publiziert werden und das Tabuthema psychische Erkrankungen auf den Sachbuchmarkt drängt. Auch die weibliche Sexualität ist kein Tabu mehr, es erwartet uns ein Buch zweier norwegischer Medizinerinnen, das auch aufgrund seines prägnanten Titels Aufsehen erregen wird. Daneben habe ich noch einige viel versprechende Bücher aus dem Bereich der Ur- und Frühgeschichte gesehen; auch hier scheint der Humor nicht zu kurz zu kommen. Die Sachbücher im ersten Halbjahr 2018 sind bunt und vielfältig, da ist für jeden etwas dabei.

Georg Schmidt
Die Reiter der Apokalypse. Geschichte des Dreißigjährigen Krieges

Rüdiger Barth / Hauke Friederichs
Die Totengräber Der letzte Winter der Weimarer Demokratie

Sibylle Lewitscharoff / Najem Wali
Abraham trifft Ibrahim. Streifzüge durch Bibel und Koran

Christopher de Bellaigue
Die islamische Aufklärung. Der Konflikt zwischen Glaube und Vernunft

Andreas Guski
Dostojewskij. Eine Biographie

Norman M. Naimark
Genozid. Völkermord in der Geschichte

Gary Cox
Jean-Paul Sartre. Existentialismus und Exzess

María Hesse
Frida Kahlo. Eine Biographie

Hermann Kulke/Dietmar Rothermund
Geschichte Indiens. Von der Induskultur bis heute

Malachy Tallack (Text) / Katie Scott (Illustrationen)
Von Inseln, die keiner je fand

Stefan Breuer
Wegbereiter des Rassenstaates. Die nordische Bewegung in der Weimarer Republik

Brenna Hassett
Warum wir sesshaft wurden und uns seither bekriegen, wenn wir nicht gerade an tödlichen Krankheiten sterben

Carolyne Larrington
Fit für Walhalla. Nordische Mythen für Einsteiger

Nina Brochmann / Ellen Støkken Dahl
Viva la Vagina! Alles über das weibliche Geschlecht

Daphne Merkin
Mein fremdes Ich

striche

Habt ihr schon Sachbücher im Auge? Welche Themen interessieren euch im Jahr 2018; worüber wollt ihr mehr erfahren? Ich wünsche euch viel Spaß beim Stöbern!

 

Neues und Altbewährtes im Jahr 2017 – Meine 10 Favoriten

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und das ist immer eine gute Gelegenheit, die Lektüre des Jahres Revue passieren zu lassen. Während mein Finger durch meine Leseliste wandert, stellen sich die Erinnerungen an gute und weniger gute Leseerlebnisse ein und schnell habe ich zehn Favoriten beisammen.

Neu erschienen und sofort bestaunt

Bendixen

Katharina Bendixen – Ich sehe alles
Ein deutsches Au-pair in Budapest, das langsam aber sicher verrückt wird. Kein Thriller zwar, aber ein beeindruckendes Debüt mit großer Treffsicherheit in das Herz des leserlichen Unbehagens.

Jonas Lüscher – KraftLüscher_Kraft
Überkandidelt und dabei unheimlich komisch. Über Lüschers abgebrannten Professor Kraft konnte ich herrlich schmunzeln und fand bestätigt: Hochmut kommt vor dem Fall. Manchmal begleitet sie ihn auch.

Kang_MenschenwerkHan Kang – Menschenwerk
Nach „Die Vegetarierin“ wartete ich gespannt auf das Erscheinen von Han Kangs „Menschenwerk“ in deutscher Sprache. Eine so intensive, bedrückende Geschichtsstunde wie diese hier über das Massaker von Gwangju und die Niederschlagung der Demokratiebewegung dort, habe ich selten erhalten. Das Werk eröffnet dem europäischen Leser einen ganz neuen Blick auf ein Korea fernab von Hightech, Leistungsdruck und K-Pop-Welle. Unbedingt lesen und sich davon bewegen lassen.

Deborah Feldman – Überbittencover_350x240
Obwohl ihr neuestes Werk für mich nicht ganz an ihr Debüt „Unorthodox“ heranreicht, habe ich diese umfangreiche Geschichte über Selbstfindung, Ankommen in Europa und Reisen auf den Pfaden einer längst verschwundenen Familie verschlungen. Feldmans Sprache (und auch die Literaturtipps, die sie einstreut) sind einfach lesenswert.

Hochgeschwender

Michael Hochgeschwender – Die Amerikanische Revolution
Nach historischen Versatzstücken aus etlichen High-School-Komödien wollte ich es einmal ganz genau wissen: Wie wurden die USA zu dem, was sie heute sind? Dass Hochgeschwender hier als wahrer Kulturkenner schreibt, machte das Lesen angenehm und führte dazu, dass auch Themen, die in reinen Geschichtsbüchern keinerlei Beachtung finden (die Zusammensetzung der Trecks, die den Armeen hinter herzogen!) aufgegriffen werden. Ein sehr informatives Werk, das die Entstehung des Amerikas aus der Sicht europäischer Einwanderer und ihrer Nachfahren beleuchtet.

 

Altbewährtes lieben gelernt

oskar_wilde_grau

Oscar Wilde – The Importance of Being Ernest
Selten habe ich beim Lesen so gelacht. Dieses alte Stück hat doch genau meinen Humor getroffen und weil ich es bislang immer noch nicht geschafft habe, eine Verfilmung anzusehen, steht weiterer Spaß mit Wildes Zeilen noch aus.

Lion Feuchtwanger – Jud Süß
Anfangs hatte ich mit Feuchtwangers Sprache ganz schon zu kämpfen. Manche Sätze wurden gar dreimal gelesen. Nach den ersten Seiten war ich dann aber begeistert von der Atmosphäre, die er für den Leser erschafft. Ich fühlte mich im historischen Württemberg angekommen und habe mit Oppenheimer geschimpft und gelitten. Feuchtwanger hat hier eine äußerst ambivalente und dabei zutiefst menschliche Figur geschaffen. Sein feiner Humor gekleidet in gehobene Sprache haben seinen „Jud Süß“ zu einem meiner Jahreshighlights werden lassen.

Antanas Skema – Das weiße Leintuch
Litauen war für mich stets ein weißer Fleck auf der Landkarte. Dann stieß ich zufällig auf die Erstübersetzung dieses Klassikers und wurde sofort gefangen genommen von Sprache und Stil Skemas. Litauische Mythen und Sagengestalten wabern durch seine Erzählung, die im New York des 20. Jahrhunderts spielt. Erstaunt war ich auch darüber, wie viel litauische Literatur in Displaced-Persons-Camps in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg entstand.

Gustave Flaubert ­– Madame Bovary
Ich gebe es zu, die Schullektüre „Effi Briest“ habe ich nicht sonderlich gemocht. Umso skeptischer näherte ich mich diesem, im Thema ähnlichen Werk. Aber was für eine Überraschung! Viel weniger verschämt, einer gewissen Komik nicht abgeneigt, schildert Flaubert hier die Liebschaften einer jungen Frau, die ziemlich unzufrieden mit sich und der Welt ist und sich über weite Strecken ihres Lebens langweilt. Naiv ist sie, dabei aber auch ein wenig verschlagen. Ach, macht euch selbst ein Bild, denn dieses Werk ist einfach ein sprachliches Meisterstück.

George Orwell – 1984
So viel habe ich über dieses Buch gehört – und dabei so wenig daraus gelesen. Als es dann soweit war, kamen mir viele dystopische Elemente gar nicht mehr neu vor. Aber mit den drastischen Schilderungen und den vielen kleinen Grausamkeiten, die in den Medien nie zitiert werden, hatte ich dann doch nicht gerechnet. Die Lektüre war eine echte Bereicherung und dass das Werk mit Amtsantritt Donald Trumps wieder auf den Bestsellerlisten auftauchte, erschreckt mich jetzt umso mehr.

Orwell_1984

Welche Bücher waren eure Favoriten in diesem Jahr? Habt ihr Neues oder doch eher Altbewährtes gelesen?

Euch allen ein gutes und gesundes Jahr 2018!

 

Meine literarische Nemesis

 

Nemesis

Ich brauche dieses Wort im Plural. Denn es gibt gleich drei Bücher, die ich als meine persönliche „literarische Nemesis“ bezeichnen kann (Übertreibung als Stilmittel). Während ich andere Bücher „weggeatmet“ habe, sind es diese drei Bücher, die sich bisher nicht bezwingen ließen – und damit vielleicht so etwas wie „ausgleichende Gerechtigkeit“ für all die, deren tiefere Bedeutung mir aufgrund des Schnelllesens vielleicht entgangen ist.

Bei zweien meiner drei Bücher bin ich bis zur Hälfte vorgedrungen, bei einem habe ich es nicht einmal bis dahin geschafft. Und der Ulysses, der brandneu und noch unaufgeschlagen im Regal steht, ist noch gar nicht dabei. Vielleicht hat jeder mindestens ein solches Buch: Ein Werk, das man unbedingt lesen will, das man aber aus irgendwelchen wichtigen oder weniger wichtigen Gründen abgebrochen hat und das seitdem halb ausgelesen herumsteht. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Bei mir können die Gründe fürs Abbrechen nicht so wichtig gewesen sein, denn ich erinnere mich nicht an sie. Irgendwann wanderte das Buch mitsamt des noch herausragenden Lesezeichens zurück ins Regal. Wo es seitdem steht und guckt. An schlechten Tagen anklagender als an anderen. Vielleicht ärgern sie sich auch nur über den Staub, den sie langsam ansetzen.

Mann_Zauberberg

Platz 1 der Nemesis-Liste: Thomas Mann – Der Zauberberg

Hans Castorp und ich gingen den Weg ins Sanatorium gleich zweimal zusammen. In der Mitte des Buches ließ ich ihn dann allein zurück und stelle mir jetzt manchmal vor, wie er in seinem Liegestuhl liegt und unter seiner Wolldecke hervor in die Berge schaut. Ohne mich allerdings. Aber irgendwann möchte ich den Zauberberg erklimmen, der Literaturschlüssel dazu steht nämlich schon ebenso lange im Regal wie das Buch selbst. Zehn Jahre müssen es mittlerweile sein.

Foster_Unendlicher Spaß

Platz 2: David Foster Wallace – Unendlicher Spaß

Dieses Buch habe ich mir ironischer weise als Belohnung nach einer bestandenen Zwischenprüfung gekauft. Es sah zu gut aus da auf diesem Büchertisch. Die Kraft, es gleich zu lesen, konnte ich damals nicht aufbringen. Und kann es bis heute nicht. Nach ein paar wenigen Seiten warf ich das Handtuch und habe seitdem wohl mehr über dieses Buch und den Autor gelesen als im Werk selbst. Dafür feiere ich mit jeder Bloggerin, die dieses Monstrum bezwingt (und noch Spaß dabei hat).

Littell_nemesis

Platz 3: Jonathan Littell – Die Wohlgesinnten

Die 1400 Seiten umfassende spannende und gleichermaßen verstörende fiktive Biografie eines homosexuellen SS-Offiziers tat schon beim Lesen weh. Die Schilderung von Massenerschießungen und anderen Grausamkeiten verlangt dem Leser einiges ab; gepaart mit einem Protagonisten, dessen Verhalten mir als stellenweise skurril in Erinnerung geblieben ist, ist Die Wohlgesinnten bestimmt keine gemütliche Feierabendlektüre. Nichtsdestotrotz lesenswert, denn man lernt so unglaublich viel über den Komplex Drittes Reich/Holocaust, dass man nach dem Lesen schlauer zurückbleibt. Oder halb-schlau wie ich, denn aus unerfindlichen Gründen habe ich genau auf der Hälfte der Strecke abgebrochen. Das Lesezeichen ragt seitdem mahnend genau aus der Hälfte des Buches hervor. Eigentlich könnte ich es genauso herausnehmen, denn ich habe das Buch vor vier Jahren begonnen und müsste sowieso von vorn anfangen.

Striche klein

Kommt euch das Beschriebene bekannt vor; habt ihr auch eine persönliche „literarische Nemesis“? (Der Titel kommt mir mittlerweile selbst übertrieben vor; nachdem ich die Bücher gelesen habe, wird er ja auch nicht mehr zutreffend sein.) Habt ihr euch vielleicht sogar auch an einem der Bücher von oben die Zähne ausgebissen? Oder sie souverän durchgelesen? Ich bin gespannt!

Ein Jahr Leseliste: Die Bilanz

Im Schweiße meines Angesichts habe ich damals meine 150-Bücher-Leseliste zusammen geschrieben. Seitdem ist ein Jahr vergangen und ich habe zwei Dinge bemerkt. Erstens, trotz aller Sorgfalt habe ich ein paar Bücher vergessen, die unbedingt noch drauf gehören:

Leseliste - fehlende Bücher

Aber der Zug ist abgefahren. Die 150er Liste steht felsenfest und obige Bücher packe ich vielleicht auf eine neue Liste oder schiebe sie zwischendurch (dann allerdings ohne das befriedigende Erlebnis des Abhakens) ein.

Zweitens: Es läuft super mit der Liste! 18 Werke haben im letzten Jahr einen Haken bekommen und das, obwohl viel anderes zwischendurch und drum herum gelesen wurde. Ein Blick auf die Liste macht die Buchauswahl leicht und spornt dazu an, Klassiker in die Hand zu nehmen. Von vielen Werken war ich begeistert, von einigen wenigen enttäuscht.

Striche klein

Die Highlights

Die Erwählten von Chaim Potok habe ich erwählt, weil mich der Hintergrund des Autors fasziniert hat: Selbst jüdisch-orthodox erzogen und zum Rabbi ausgebildet, war seine Familie von seinen schriftstellerischen Ambitionen gar nicht angetan. Nachdem Deborah Feldman mit Unorthodox mein Interesse für die chassidische Gemeinschaft in New York geweckt hatte, wollte ich einmal einen anderen (männlichen, positiven) Blick darauf werfen. Potok ist nicht unkritisch, nähert sich dem Thema aber sehr viel wohlwollender als Feldman und schafft es außerdem, den Zauber der Gelehrsamkeit und Bibliotheken aufleben zu lassen. Frauen kamen in diesem Buch leider mehr als kurz, aber davon abgesehen ist Die Erwählten eine wunderschöne Erzählung über die sehr ungewöhnliche Freundschaft zweier Jungen im New York der 40er und 50er Jahre. Der Folgeband Das Versprechen steht auf meiner Wunschliste.

Der Roman eines Schicksallosen von Imre Kertész geht mit seinen kindlich-naiven Schilderungen der Schrecken des Holocausts unter die Haut. Gerade diese Erzählweise ist es, die das Buch von vielen anderen Erzählungen zum Thema abhebt und die bestimmt dazu beigetragen hat, Kertész zum Nobelpreisträger zu machen. Unbedingt lesen!

Wie ich merke, sind meine Highlights sehr vom Thema Judentum geprägt. Jud Süß von Lion Feuchtwanger hat mich nach einem schwierigen Einstieg mit seiner großartigen Sprache und seinen ambivalent-menschlichen Figuren beeindruckt. Er lässt das historische Württemberg vor dem Auge des Lesers auferstehen und auch, wer sich wie ich normalerweise nicht für historische Romane begeistern kann, findet Gefallen an den politischen Intrigen und Hinterzimmer-Machenschaften, die Feuchtwanger hier so glaubwürdig konstruiert. Religiöse Konflikte sind dabei allgegenwärtig und der Autor beweist seine herausragende Bildung immer wieder durch das Einstreuen von kleinen Details. Ich bin gespannt auf seine Jüdin von Toledo.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Mein zuletzt beendetes Buch gehört definitiv zu den bisherigen Highlights der Leseliste: Madame Bovary von Gustave Flaubert. An alle, die in der Schule mit Effi Briest „gequält“ wurden – wenn ihr es noch mal, diesmal auf eigene Faust und besser, versuchen wollt mit jener Epoche, schnappt euch dieses Buch! Es lässt sich trotz seines Alters wunderbar lesen und Flauberts leise Ironie und sein scharfer Blick für die Fehler der Menschen machen es zu einem unterhaltsamen (und nicht gerade braven) Leseerlebnis. Madame Bovary verschwindet nicht mit ihren Geliebten „in den Dünen“ und überlässt den Rest der Fantasie des Lesers – so viel sei gesagt. Der Autor saß für diese Geschichte im Kittchen, also gebt Effis literarischem Vorbild eine Chance.

Striche klein

Die Enttäuschungen

Enttäuscht war ich von Georg Büchners Lustspiel Leonce und Lena. Insgesamt zu albern, die Protagonisten, die demnächst über Wohl und Wehe ihres Königreiches entscheiden unreif, das Eintreten für einen geeinten deutschen Nationalstaat bestimmt zur damaligen Zeit berechtigt, aus heutiger Sicht aber ziemlich direkt, fast plump. Ich werde es zu gegebener Zeit noch einmal mit etwas Ernsterem von Büchner versuchen; mit seinem Lustspiel konnte er mich nicht überzeugen.

Auch von Frühlings Erwachen von Frank Wedekind hatte ich mir mehr versprochen. Überrascht war ich von der Offenheit, mit der entgegen aller wilhelminischen Zurückhaltung Sex thematisiert wurde. Genervt haben mich die ewig langen Monologe und das, was ich zunächst als positiv registriert hatte: Es wurde eben nur Sex thematisiert. Gewalt zu Hause und in der Schule, die konservativ vorgezeichneten Wege der Geschlechter, Obrigkeitshörigkeit: Andere Themen haben sich angeboten, wurden aber nicht aufgegriffen oder höchstens gestreift. Kann man lesen – oder sich die Verfilmung von Nuran David Çalış ansehen.

Striche klein

Der Ausblick

Damit geht’s auf ins nächste Jahr mit der Leseliste und ich hoffe, ich kann die 18 Bücher im ersten Jahr toppen, denn ein ganzes Jahrzehnt sollte das Lesen eigentlich nicht dauern. Aber selbst wenn – der Weg ist ja bekanntlich das Ziel.

striche