[Leserunde] #Ecolesen: Abschluss und Fazit

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In welchem die Leserunde zum Abschluss gebracht, Resümee gezogen und „Der Name der Rose“ endgültig zugeschlagen wird.

Mit „Der Name der Rose“ hat auf dem Wissenstagebuch-Blog die erste Leserunde überhaupt stattgefunden. Und wisst ihr was? Ich würde es wieder tun! Der Austausch hier und auf Twitter und das Lesen eurer eigenen Blogbeiträge hat den Roman für mich zu einem größeren Vergnügen gemacht.

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[Leserunde] #Ecolesen: Der erste Eindruck

Beitrag Eins
Worin der erste Eindruck zum Roman im Allgemeinen festgehalten und besonderes Augenmerk auf den ersten Tag der Geschehnisse gelegt wird

Herzlich willkommen zur Eco-Leserunde! Passend zum Osterfest starten wir mit dem gemeinsamen Lesen. Die Vielzahl eurer Zusagen hat mich sehr gefreut. Einige haben „Der Name der Rose“ schon gelesen, einige lesen den Roman wie ich zum ersten Mal. Ich bin gespannt auf eure Eindrücke und würde mich über eine Diskussion in den Kommentaren freuen. Verlinkt dort gern auch eigene Beiträge zur Leserunde.

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[Buchpreis] Worum geht’s beim Man Booker Prize?

Buchpreise gibt es im deutschsprachigen Raum viele und international sowieso. Gestern wurde die Longlist zum Man Booker Prize for Fiction veröffentlicht. Von dem Preis habe ich irgendwann einmal gehört und ich denke vielen, die sich quer durch die Blogs lesen, geht es genauso. Deshalb hier einmal eine Kurzvorstellung der unter dem Namen „Man Booker“ laufenden Preise und ein Blick auf die Longlist.

Man Booker Prize for Fiction

Der Preis wird seit 1969 für Romane in englischer Sprache, die im Vereinigten Königreich publiziert wurden, ausgelobt. Während er zunächst auf Autoren aus den Commonwealth-Staaten, Irland und Südafrika beschränkt war, wird er seit 2014 für englischsprachige Bücher unabhängig von der Herkunft des Autors oder der Autorin verliehen. Die beiden Preisträger der letzten Jahre kamen daher z.B. aus den USA. Im englischsprachigen Raum erhält der Preis große Aufmerksamkeit und ein Platz auf der Shortlist ist für die Nominierten fast eine Garantie für höhere Buchverkäufe und Verfilmungen. Bekannte Preisträger sind u. A. Salman Rushdie (1981), J. M. Coetzee (1983/1999), Ian McEwan (1998), Margaret Atwood (2000) oder Julian Barnes (2011). Im letzten Jahr gewann George Saunders mit „Lincoln in the Bardo“ (erscheint im Mai auf Deutsch) den mit 52.500 Pfund dotierten Preis. Der Gewinner wird jährlich im Oktober in London verkündet.
Ein toller Service sind die für Leser bereitgestellten Buchinformationen über die nominierten Werke mit Hintergrundinformationen, Anregungen und weiterführenden Links.

Man Booker International Prize

Dieser Preis ist besonders spannend, denn hier tauchen immer wieder Bücher aus dem deutschsprachigen Raum auf. Der Man Booker International Prize ergänzt den obigen Preis seit 2005 um Autoren jeglicher Nationalität, deren Werk in englischer Übersetzung erhältlich ist. Bis 2015 wurde der Preis alle zwei Jahre für das Gesamtwerk des Autors verliehen; seit 2015 wird nur noch ein einzelnes Buch ausgezeichnet – dafür aber von nun an jährlich. Das Preisgeld von 50.000 Pfund wird gleichberechtigt zwischen Autor und Übersetzer aufgeteilt. Der Preis betont damit die Wichtigkeit guter Übersetzungen und wertschätzt die Arbeit der Übersetzer, die viel zu oft bei Preisverleihungen (und Buchbesprechungen!) unter den Tisch fällt. Die Longlist zum Preis erscheint im März, die Shortlist im April, der Preisträger wird dann im Mai verkündet. Auch in Deutschland bekannte Preisträger sind z. B. Alice Munroe (2009), Philip Roth (2011) oder Han Kang (2016). Im letzten Jahr wurden David Grossman aus Israel und die Übersetzerin Jessica Cohen für „A Horse Walks Into a Bar“ ausgezeichnet (hier zu einer ausführlichen Besprechung des Werkes bei aus.gelesen).

Hier die Vorstellung der diesjährigen Longlist, hier auch in gedruckter Form.

Golden Man Booker Prize

Um das 50-jährige Jubiläum des Man Booker Prize zu feiern, wird in diesem Jahr zusätzlich zum normalen Prozedere eine Goldvariante verliehen. Eine Jury sucht die ihrer Meinung nach besten Werke aus den letzten fünf Jahrzehnten des Preises aus; über die ausgewählten Werke stimmt dann das Publikum ab. Am 26. Mai erscheint die „Golden Five Shortlist“, über die einen Monat lang abgestimmt werden kann. Anfang Juli wird dann der Gewinner bekannt gegeben. Neben der Ehre eines solchen Literaturjahrzehnte umfassenden Preises, ist er auch ein spannender Gratmesser dafür, welche Bücher sich dauerhaft im Gedächtnis der fünfköpfigen Jury und des Publikums verankert haben. Außerdem sind fünf Bücher eine überschaubare Zahl, die einem auf der Suche nach Lesestoff garantiert auf die Sprünge hilft.

Beim Man Booker Prize finde ich besonders sympathisch, dass die Long- und Shortlists nur wenige Bücher umfassen. Das geht natürlich mit einer rigorosen Auslese im Vorfeld einher, erleichtert uns als Lesern aber die Orientierung im uferlosen englischsprachigen Büchermeer ungemein. Wer nach lesenswerten Neuerscheinungen sucht, die oft nur Monate später auch den deutschsprachigen Markt erobern, sollte den Man Booker Prize im Auge behalten.

Interessiert ihr euch für Buchpreise? Nutzt ihr die Long- und Shorlists auch als Wunschzettelfüller?

 

 

Neues und Altbewährtes im Jahr 2017 – Meine 10 Favoriten

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und das ist immer eine gute Gelegenheit, die Lektüre des Jahres Revue passieren zu lassen. Während mein Finger durch meine Leseliste wandert, stellen sich die Erinnerungen an gute und weniger gute Leseerlebnisse ein und schnell habe ich zehn Favoriten beisammen.

Neu erschienen und sofort bestaunt

Bendixen

Katharina Bendixen – Ich sehe alles
Ein deutsches Au-pair in Budapest, das langsam aber sicher verrückt wird. Kein Thriller zwar, aber ein beeindruckendes Debüt mit großer Treffsicherheit in das Herz des leserlichen Unbehagens.

Jonas Lüscher – KraftLüscher_Kraft
Überkandidelt und dabei unheimlich komisch. Über Lüschers abgebrannten Professor Kraft konnte ich herrlich schmunzeln und fand bestätigt: Hochmut kommt vor dem Fall. Manchmal begleitet sie ihn auch.

Kang_MenschenwerkHan Kang – Menschenwerk
Nach „Die Vegetarierin“ wartete ich gespannt auf das Erscheinen von Han Kangs „Menschenwerk“ in deutscher Sprache. Eine so intensive, bedrückende Geschichtsstunde wie diese hier über das Massaker von Gwangju und die Niederschlagung der Demokratiebewegung dort, habe ich selten erhalten. Das Werk eröffnet dem europäischen Leser einen ganz neuen Blick auf ein Korea fernab von Hightech, Leistungsdruck und K-Pop-Welle. Unbedingt lesen und sich davon bewegen lassen.

Deborah Feldman – Überbittencover_350x240
Obwohl ihr neuestes Werk für mich nicht ganz an ihr Debüt „Unorthodox“ heranreicht, habe ich diese umfangreiche Geschichte über Selbstfindung, Ankommen in Europa und Reisen auf den Pfaden einer längst verschwundenen Familie verschlungen. Feldmans Sprache (und auch die Literaturtipps, die sie einstreut) sind einfach lesenswert.

Hochgeschwender

Michael Hochgeschwender – Die Amerikanische Revolution
Nach historischen Versatzstücken aus etlichen High-School-Komödien wollte ich es einmal ganz genau wissen: Wie wurden die USA zu dem, was sie heute sind? Dass Hochgeschwender hier als wahrer Kulturkenner schreibt, machte das Lesen angenehm und führte dazu, dass auch Themen, die in reinen Geschichtsbüchern keinerlei Beachtung finden (die Zusammensetzung der Trecks, die den Armeen hinter herzogen!) aufgegriffen werden. Ein sehr informatives Werk, das die Entstehung des Amerikas aus der Sicht europäischer Einwanderer und ihrer Nachfahren beleuchtet.

 

Altbewährtes lieben gelernt

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Oscar Wilde – The Importance of Being Ernest
Selten habe ich beim Lesen so gelacht. Dieses alte Stück hat doch genau meinen Humor getroffen und weil ich es bislang immer noch nicht geschafft habe, eine Verfilmung anzusehen, steht weiterer Spaß mit Wildes Zeilen noch aus.

Lion Feuchtwanger – Jud Süß
Anfangs hatte ich mit Feuchtwangers Sprache ganz schon zu kämpfen. Manche Sätze wurden gar dreimal gelesen. Nach den ersten Seiten war ich dann aber begeistert von der Atmosphäre, die er für den Leser erschafft. Ich fühlte mich im historischen Württemberg angekommen und habe mit Oppenheimer geschimpft und gelitten. Feuchtwanger hat hier eine äußerst ambivalente und dabei zutiefst menschliche Figur geschaffen. Sein feiner Humor gekleidet in gehobene Sprache haben seinen „Jud Süß“ zu einem meiner Jahreshighlights werden lassen.

Antanas Skema – Das weiße Leintuch
Litauen war für mich stets ein weißer Fleck auf der Landkarte. Dann stieß ich zufällig auf die Erstübersetzung dieses Klassikers und wurde sofort gefangen genommen von Sprache und Stil Skemas. Litauische Mythen und Sagengestalten wabern durch seine Erzählung, die im New York des 20. Jahrhunderts spielt. Erstaunt war ich auch darüber, wie viel litauische Literatur in Displaced-Persons-Camps in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg entstand.

Gustave Flaubert ­– Madame Bovary
Ich gebe es zu, die Schullektüre „Effi Briest“ habe ich nicht sonderlich gemocht. Umso skeptischer näherte ich mich diesem, im Thema ähnlichen Werk. Aber was für eine Überraschung! Viel weniger verschämt, einer gewissen Komik nicht abgeneigt, schildert Flaubert hier die Liebschaften einer jungen Frau, die ziemlich unzufrieden mit sich und der Welt ist und sich über weite Strecken ihres Lebens langweilt. Naiv ist sie, dabei aber auch ein wenig verschlagen. Ach, macht euch selbst ein Bild, denn dieses Werk ist einfach ein sprachliches Meisterstück.

George Orwell – 1984
So viel habe ich über dieses Buch gehört – und dabei so wenig daraus gelesen. Als es dann soweit war, kamen mir viele dystopische Elemente gar nicht mehr neu vor. Aber mit den drastischen Schilderungen und den vielen kleinen Grausamkeiten, die in den Medien nie zitiert werden, hatte ich dann doch nicht gerechnet. Die Lektüre war eine echte Bereicherung und dass das Werk mit Amtsantritt Donald Trumps wieder auf den Bestsellerlisten auftauchte, erschreckt mich jetzt umso mehr.

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Welche Bücher waren eure Favoriten in diesem Jahr? Habt ihr Neues oder doch eher Altbewährtes gelesen?

Euch allen ein gutes und gesundes Jahr 2018!

 

Meine literarische Nemesis

 

Nemesis

Ich brauche dieses Wort im Plural. Denn es gibt gleich drei Bücher, die ich als meine persönliche „literarische Nemesis“ bezeichnen kann (Übertreibung als Stilmittel). Während ich andere Bücher „weggeatmet“ habe, sind es diese drei Bücher, die sich bisher nicht bezwingen ließen – und damit vielleicht so etwas wie „ausgleichende Gerechtigkeit“ für all die, deren tiefere Bedeutung mir aufgrund des Schnelllesens vielleicht entgangen ist.

Bei zweien meiner drei Bücher bin ich bis zur Hälfte vorgedrungen, bei einem habe ich es nicht einmal bis dahin geschafft. Und der Ulysses, der brandneu und noch unaufgeschlagen im Regal steht, ist noch gar nicht dabei. Vielleicht hat jeder mindestens ein solches Buch: Ein Werk, das man unbedingt lesen will, das man aber aus irgendwelchen wichtigen oder weniger wichtigen Gründen abgebrochen hat und das seitdem halb ausgelesen herumsteht. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Bei mir können die Gründe fürs Abbrechen nicht so wichtig gewesen sein, denn ich erinnere mich nicht an sie. Irgendwann wanderte das Buch mitsamt des noch herausragenden Lesezeichens zurück ins Regal. Wo es seitdem steht und guckt. An schlechten Tagen anklagender als an anderen. Vielleicht ärgern sie sich auch nur über den Staub, den sie langsam ansetzen.

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Platz 1 der Nemesis-Liste: Thomas Mann – Der Zauberberg

Hans Castorp und ich gingen den Weg ins Sanatorium gleich zweimal zusammen. In der Mitte des Buches ließ ich ihn dann allein zurück und stelle mir jetzt manchmal vor, wie er in seinem Liegestuhl liegt und unter seiner Wolldecke hervor in die Berge schaut. Ohne mich allerdings. Aber irgendwann möchte ich den Zauberberg erklimmen, der Literaturschlüssel dazu steht nämlich schon ebenso lange im Regal wie das Buch selbst. Zehn Jahre müssen es mittlerweile sein.

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Platz 2: David Foster Wallace – Unendlicher Spaß

Dieses Buch habe ich mir ironischer weise als Belohnung nach einer bestandenen Zwischenprüfung gekauft. Es sah zu gut aus da auf diesem Büchertisch. Die Kraft, es gleich zu lesen, konnte ich damals nicht aufbringen. Und kann es bis heute nicht. Nach ein paar wenigen Seiten warf ich das Handtuch und habe seitdem wohl mehr über dieses Buch und den Autor gelesen als im Werk selbst. Dafür feiere ich mit jeder Bloggerin, die dieses Monstrum bezwingt (und noch Spaß dabei hat).

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Platz 3: Jonathan Littell – Die Wohlgesinnten

Die 1400 Seiten umfassende spannende und gleichermaßen verstörende fiktive Biografie eines homosexuellen SS-Offiziers tat schon beim Lesen weh. Die Schilderung von Massenerschießungen und anderen Grausamkeiten verlangt dem Leser einiges ab; gepaart mit einem Protagonisten, dessen Verhalten mir als stellenweise skurril in Erinnerung geblieben ist, ist Die Wohlgesinnten bestimmt keine gemütliche Feierabendlektüre. Nichtsdestotrotz lesenswert, denn man lernt so unglaublich viel über den Komplex Drittes Reich/Holocaust, dass man nach dem Lesen schlauer zurückbleibt. Oder halb-schlau wie ich, denn aus unerfindlichen Gründen habe ich genau auf der Hälfte der Strecke abgebrochen. Das Lesezeichen ragt seitdem mahnend genau aus der Hälfte des Buches hervor. Eigentlich könnte ich es genauso herausnehmen, denn ich habe das Buch vor vier Jahren begonnen und müsste sowieso von vorn anfangen.

Striche klein

Kommt euch das Beschriebene bekannt vor; habt ihr auch eine persönliche „literarische Nemesis“? (Der Titel kommt mir mittlerweile selbst übertrieben vor; nachdem ich die Bücher gelesen habe, wird er ja auch nicht mehr zutreffend sein.) Habt ihr euch vielleicht sogar auch an einem der Bücher von oben die Zähne ausgebissen? Oder sie souverän durchgelesen? Ich bin gespannt!

10 Fragen zu Büchern – Stoff zum Nachdenken

Birgit von Sätze und Schätze hat schon vor einer Ewigkeit (2015) zehn Fragen zu Büchern gestellt, auf die sich Buchbloggerinnen und -blogger nur so gestürzt haben. An mir ist diese interessante Welle persönlicher Eindrücke damals vorbeigeschwappt und ich bin erst durch Xeniana von Familienbande darauf aufmerksam geworden als sie begonnen hat, jeder Frage einen eigenen Beitrag zu widmen. Über die Fragen musste ich manchmal ganz schon nachgrübeln, aber jetzt bin ich mit meinen Antworten zufrieden – und froh, dass immer nur nach einem einzigen Buch gefragt wurde.

10 Fragen zu Büchern

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Enid Blyton zum 120. Geburtstag: Entzauberung einer Kindheitsheldin

Einer der Vorteile davon, viele ältere Cousinen zu haben ist es, dass die große Kiste mit Kinder- und Jugendbüchern bereitsteht, sobald man lesen gelernt hat. Meine absoluten Lieblinge damals waren neben diversen Pferdebüchern natürlich die Reihen von Enid Blyton (1898–1968). Lissy, Dolly, Hanni und Nanni und besonders die Fünf Freunde habe ich derart verschlungen, dass meine Eltern froh gewesen sein müssen, dass der Nachschub dank besagter Kiste auf die nächste Zeit gesichert war. Viele von Enid Blytons Figuren waren mir vertrauter als meine Grundschulfreunde. Im Wald habe ich nach Heidekraut Ausschau gehalten, um wie die Fünf Freunde notfalls ein Zelt dort aufzuschlagen; das Internat war dank Dolly, Hanni und Nanni ein Sehnsuchtsort.

Spätestens nach dem elften, zwölften Lebensjahr verschwanden die Bücher allerdings wieder im Karton und gerieten auf einige Jahre in Vergessenheit. Als Teenagerin stieß ich einmal darauf, dass trotz der burschikosen George  (nach deren Vorbild ich mir ebenfalls die Haare abschneiden ließ) die Rollenbilder bei Blyton doch sehr traditionell waren. Eigentlich hatte immer Julius das Sagen, Anne kümmerte sich ums Essen. Und gab es eigentlich auch männliche Handarbeitslehrer an den Internaten? Warum waren „die Zigeuner“ eigentlich immer kriminell? Doch beim Lesen als Kind waren Ort und Zeit der Geschichten unwichtig, man merkte ihnen ihr Alter auch kaum an. Dass das gerade bei den deutschen Ausgaben wohl bewusst so gehalten war, um die Bücher zeitlos zu machen, las ich vor kurzem. Es hat ja funktioniert. Auch, dass die Reihen von Ghostwritern fortgeführt wurden. Es störte mich nicht besonders.

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Lesung mit Deborah Feldman: Eine Liebeserklärung an Berlin

Das Babylon war nicht genug – im vollbesetzten Veranstaltungskino las Deborah Feldman gestern aus ihrem kürzlich erschienenen Werk „Überbitten“ und antwortete entwaffnend persönlich auf Publikumsfragen.

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Was als Podiumsgespräch zwischen FAZ.net-Literaturchef Andreas Platthaus und der 1986 geborenen Autorin Deborah Feldman in nahezu perfektem Deutsch begann, entwickelte sich schnell zu einem interessanten Wechselspiel aus Publikumsfragen und deren nachdenklicher Beantwortung. Dem an sich schon wohlwollend gestimmten Saal wurde ganz warm ums Herz, als Feldman über ihre Ankunft in Berlin berichtete. Schmunzeln und verständiges Kopfnicken folgten der Bemerkung, dass sie sich in der Hauptstadt sehr wohl fühle, denn dort fänden auch die „ganz ganz Seltsamen“ ihren Platz. – Wer einmal hier U-Bahn gefahren ist, wird das definitiv bestätigen.

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Die sehr persönlichen Fragen etwa nach dem Umgang mit ihrem elfjährigen Sohn, ihrer Einstellung zum Glauben und Familienkontakt nach New York beantwortete Feldman mit großem Ernst und mit einer Selbstreflexion, die mich als Zuhörerin baff zurückließ. Besonders emotional und im Publikum mucksmäuschenstill wurde es, als die Autorin beschrieb, wie sie mehrmals versuchte, Kontakt zu ihrer Großmutter in einem Hospiz aufzunehmen und immer wieder von der Einrichtungsleitung oder Verwandten vertrieben wurde. Die lächelnde, selbstironische Frau vor meinen Augen und ihre manchmal traurige Geschichte zusammenzubringen, war nicht leicht.

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Die Lesung mit Deborah Feldman war emotional, inspirierend und sehr beeindruckend. Wer jetzt Interesse hat, sollte nicht allzu lange zögern, denn die Termine für eine Lesereise stehen bereits.

 

 

Klein und frei: Bei unabhängigen Verlagen zu Gast – Teil 2/2

Wo es heute häufig um optimiertes Marketing und Auflagen in Millionenhöhe geht, gibt es sie öfter als man denkt: Die ein-zwei-drei-Mann oder –Frau-Verlage, die ihre Bücher selbst machen. Von Hand und von Anfang bis Ende. Mit viel Liebe und noch mehr Herzblut. Auf der Leipziger Buchmesse organisierte Barbara Miklaw vom Mirabilis Verlag bei Meißen einen kleinen Bloggerrundgang bei einigen ihrer Kollegen, die sich viel Zeit nahmen, von ihrer Arbeit zu berichten.
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Klein und frei: Bei unabhängigen Verlagen zu Gast – Teil 1/2

Wo es heute häufig um optimiertes Marketing und Auflagen in Millionenhöhe geht, gibt es sie öfter als man denkt: Die ein-zwei-drei-Mann oder –Frau-Verlage, die ihre Bücher selbst machen. Von Hand und von Anfang bis Ende. Mit viel Liebe und noch mehr Herzblut. Auf der Leipziger Buchmesse organisierte Barbara Miklaw vom Mirabilis Verlag bei Meißen einen kleinen Bloggerrundgang bei einigen ihrer Kollegen, die sich viel Zeit nahmen, von ihrer Arbeit zu berichten.

Wer sich mit unabhängigen Verlagen beschäftigt, stößt zuerst auf die Kurt-Wolff-Stiftung, die sich seit 2000 die Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene in Deutschland zur Aufgabe gemacht hat. Was als „klein“ und „unabhängig“ gilt, wird anhand von Größe, Einkommen und einiger weiterer Kriterien festgemacht. Vier Publikationen im Jahr müssen es dann schon sein. Weil das aber kein Pappenstiel ist, bin ich auf der Leipziger Buchmesse auch auf Verlage gestoßen, die (noch) nicht bei der Stiftung gelistet werden. Gerade hier lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen, denn es gibt wahre Schätze zu entdecken: Weiterlesen