Sun Tsu: Die Kunst des Krieges (5. Jhdt. v. Chr.)

Sun Tsu

Auf Sun Tsus „Die Kunst des Krieges“, das als ältestes Werk zur strategischen Kriegsführung gilt, bin ich zum ersten Mal im Politikunterricht aufmerksam geworden. Das Werk wurde in einem Atemzug mit Clausewitz‘ „Vom Kriege“ genannt, in das ich dann auch kurz reingelesen habe. Der Eindruck, der dabei entstand ist, dass Sun Tsus Werk einen ganzheitlicheren, philosophischen Ansatz verfolgt. Aus diesem Grund kommt es wohl in den letzten Jahren auch vermehrt im Managementbereich zum Einsatz; Schulungen auf verschiedensten Gebieten werden laut Internetanzeigen in Anlehnung an Sun Tsu durchgeführt. Ohne vertieftes (oder überhaupt) Wissen auf dem Gebiet der Kriegsführung habe ich Sun Tsu dann auch nur zur Hand genommen, um mir einmal selbst einen Eindruck von seinen dreizehn Kapiteln zu verschaffen. Darüber hinaus kann man sich bestimmt noch trefflich über historischen Kontext und Aktualität hinsichtlich der militärischen Seite der Ratschläge streiten.

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Han Kang: Die Vegetarierin (2007/2016)

Nach den zahlreichen Besprechungen, die ich auf euren Buchblogs dazu gelesen habe, hatte ich mit einem fantasievollen Roman, vielleicht sogar mit einem Hauch von magischem Realismus gerechnet. Für mich stellte sich Die Vegetarierin jedoch als gewaltvolle Geschichte einer psychischen Störung und radikale Gesellschaftskritik dar.

Kang_Vegetarierin_160215.inddDer Inhalt ist schnell erzählt: Yeong-Hye wird von bestialischen Alpträumen heimgesucht und stellt bald darauf den Verzehr tierischer Produkte ein. Ihr Umfeld reagiert mit Unverständnis und Ablehnung, ihr Mann lässt sich scheiden. Sie selbst nimmt immer weiter ab und will am liebsten zur Pflanze werden, die sich nur noch von Wasser und Licht ernährt. Ihre ältere Schwester ist schließlich die einzige, die Yeong-Hye auf ihrem Weg in die psychiatrische Klinik begleitet – und das, obwohl sie mit ihrem Mann geschlafen hat. Weiterlesen

Miguel Ángel Asturias: Die Maismänner (1949)

Gott erschuf den Menschen aus Mais. Die Ladinos, die Nachfahren der spanischen Einwanderer, bauen ihn an und verkaufen ihn im großen Stile. Dabei brennen sie den Urwald nieder und laugen die Böden aus. Dass dies unweigerlich den Zorn höherer Mächte auf sich zieht, überrascht die Maya-Quiché, die indigenen Einwohner Guatemalas, nicht. Ihre Sagen und Legenden verarbeitet der Literaturnobelpreisträger Miguel Ángel Asturias in seinem aus mehreren Geschichten bestehenden Roman „Die Maismänner“ auf beeindruckende Weise.

Asturias_Die Maismänner I

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Lize Spit: Und es schmilzt (2017)

Spit_Und es schmilztIrgendwas stimmt hier nicht, denkt der Leser von Lize Spits Debütroman „Und es schmilzt“. Die Seiten fliegen dahin, das Gefühl wird stärker. Am Ende bleibt der Leser verstört und traurig zurück.

Evas Kindheit im kleinen flämischen Dorf Bovenmeer könnte so behütet sein: Tägliche Schwimmausflüge mit Freunden, eigenes Haus mit Garten, das Stück Wurst von der befreundeten Metzgerin über die Theke gereicht. Das alles passiert. Auch. Daneben: Die täglichen, manchmal halb-öffentlichen Trinkgelage der Eltern, vor denen Eva so oft wie möglich aus dem Haus flieht. In Gedanken bei ihrer kleinen Schwester, die sich in ein Netz von Zwangsstörungen und Selbstgeißelungen verstrickt, während ihr Bruder für die Schule lernt, um so schnell wie möglich weg zu kommen. Dann ihre beiden besten und einzigen Freunde, für die Freundschaft bedeutet, mit ihrer Hilfe möglichst viele Klassenkameradinnen begrapschen zu können. Und dann noch Jans Tod. Jan, der einzige Junge, der Eva hübsch fand. Weiterlesen

Jonas Lüscher: Kraft (2017)

Ein Blick auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2017.

Was ursprünglich als Dissertation geplant war, wird zum Roman: Jonas Lüscher erzählt in „Kraft“ mit geistreichem Witz und skurrilem Humor die Geschichte eines Tübinger Rhetorik-Professors, der im Silicon Valley vor den Trümmern seines Lebens steht.

Lüscher_Kraft„Warum alles was ist, gut ist und wie wir es dennoch verbessern können“ – Zu dieser durch und durch optimistischen Weltanschauung soll Kraft als einer von vielen Geisteswissenschaftlern eine Argumentation liefern und dafür von einem reichen Investor eine Million Dollar einstreichen. Nichts leichter als das, denkt sich Kraft und reist für einen Monat ins Silicon Valley, um sich seinem Vortrag zu widmen. Was man mit einer Million nicht alles machen könnte: Sich von seiner Frau und seinen pubertierenden Zwillingen loskaufen, endlich die Unterhaltsschulden für die anderen beiden Kinder loswerden, noch einmal ganz neu anfangen,… Je länger Kraft auf den derzeitigen Zustand der Welt im Allgemeinen und sein bisheriges Leben im Besonderen blickt, merkt er: Eigentlich ist nichts gut, wie es ist. Eigentlich ist alles sogar ziemlich verkorkst.

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Lukas Bärfuss: Hagard (2017)

Bärfuss_HagardObwohl hochgelobt in diesem Jahr, wurde ich mit „Hagard“ (französisch für „verstört, verängstigt“) des Schweizer Autors Lukas Bärfuss nicht warm: Die Idee einer Flucht aus dem Alltag toll, der Erzählton unsympathisch herablassend.

Philip, ein aus der Form geratener Mittvierziger, verkauft Lebensabendimmobilien in Ferienregionen an Senioren. Als er in einer Stadt, die Zürich sein könnte, von einem Geschäftskontakt versetzt wird, fällen ihm zufällig die Schuhe einer jungen Frau ins Auge. Aus einem Impuls heraus verfolgt er sie: durch die Stadt, in die Vorstadt, bis zu ihrem Haus und am nächsten Tag zu ihrer Arbeitsstelle. Ohne ihr Gesicht zu sehen, ohne zu wissen, warum. Anderthalb Tage einer schier unerklärlichen Besessenheit, die ihn Auto, Schuh und Würde kosten. Was treibt Philip an? Wie lässt sich ein so radikaler Ausstieg aus dem eigenen Alltag erklären? Das sind die Fragen, die Bärfuss in seinem Buch stellt. Weiterlesen

Scott Westerfeld: Ugly (2005)

Die Prüfungsphase dauert noch an, deshalb gibt es heute mal den Einstieg in eine entspannt lesbare Jugendbuchreihe.

Tally Youngblood wartet sehnsüchtig auf ihren sechszehnten Geburtstag. Dann endlich darf sie die umfassenden Schönheitsoperationen vornehmen lassen, die sie zum Höhepunkt der menschlichen Entwicklung werden lassen. Sie kann ihr Wohnheim in Uglyville verlassen, nach New Pretty Town umziehen und rauschende Feste mit ihren ebenfalls „hübschen“ Freunden feiern – jahrelang. Doch einige Wochen vor dem großen Tag trifft sie auf die gleichaltrige Shay, die sich tausend bessere Dinge vorstellen kann, als sich einer Ganzkörperumwandlung zu unterziehen, um dann auszusehen wie alle anderen auch. Man könnte doch die Stadt verlassen und nach der geheimnisvollen Siedlung Smoke suchen, wo jeder sein „hässliches“ Selbst bleibt und sein Leben selbst gestaltet. Als Shay schließlich verschwindet, bleibt Tally. Doch den Behörden ist das aufständische Smoke schon lange ein Dorn im Auge und so wird Tally losgeschickt, um die Siedlung zu suchen – und zu verraten.

Westerfeld I

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Matthias Oden: Junktown (2017)

Oden_JunktownKommen wir gleich zur Sache: Junktown ist ein verkommenes Drecksloch. In einer dystopischen Zukunft ist der Drogenkonsum oberste Bürgerpflicht und wird von der Einheitspartei genauestens überwacht. Die Bevölkerung setzt sich aus verschiedenen Zuchtreihen mit unterschiedlicher Genqualität zusammen; die Straßen sind leer, denn alle liegen sediert zu Hause rum. Als dann eine Brutmutter, eine riesige Gebärmaschine mit mehreren hundert Föten, umgebracht wird, nimmt sich der Ermittler Solomon Cain des Falles an. Seit sich seine Frau aus Liebe zur Partei den Goldenen Schuss gesetzt hat, kämpft er mit seinen Dämonen – und als seine Ermittlungen voranschreiten bald auch mit dem Staatsapparat.   Weiterlesen

Lion Feuchtwanger: Jud Süß (1925)

Im Württemberg des 18. Jahrhunderts erkennt einer die Begabung des jungen und politisch unbedeutenden Feldherrn Karl Alexander schnell: Joseph Süß Oppenheimer, der sich bereitwillig als Finanzmann in die Dienste des jungen Adligen stellt. Als dieser dann tatsächlich Herzog von Württemberg und einer der mächtigsten Männer zwischen Preußen und Wien wird, erlebt auch „Jud Süß“, wie Oppenheimer gemeinhin genannt wird, einen kometenhaften Aufstieg. Als einer der reichsten Männer des Reiches residiert er in Prunk, sammelt Frauenbekanntschaften und Edelsteine; er hält alle Fäden in der Hand. Ein Geheimnis verbirgt der bedeutendste Mann des Reiches jedoch lange vor der Hofgesellschaft: Seine uneheliche Tochter, die fernab der restlichen Welt mit seinem Onkel, einem geheimnisumwitterten Kabbalisten, tief im jüdischen Glauben verwurzelt heranwächst. Oppenheimer liebt sie über alles und als sie sich vor dem zudringlichen Herzog in den Tod flüchtet, plant der Finanzminister sorgsam seine Rache.

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[Gastbeitrag] „African Voices” und „Voicing Africa” – Somalia

Der junge Blog emerald notes überzeugt seit Bestehen mit fundierten und ausführlichen Rezensionen zu Büchern, die ich bislang auf keinem anderen Blog gesehen habe. Eine wahre Fundgrube für alle Leser, die auf der Suche nach Neuem sind. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf afrikanischer Literatur, die bislang auch hier im Wissenstagebuch keinerlei Platz gefunden hat. Völlig zu Unrecht, wie sich zeigt, denn es gibt wunderbare Werke zu entdecken. Daher freue ich mich, heute den zweiten Teil eines Gastbeitrags veröffentlichen zu können, der sich mit einem ganz besonderen und tragischen Land beschäftigt: Somalia.

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(c) emerald notes

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