18 Klassiker für 2018

20180212_203318-0162051109.jpegZugegeben: Ich bin spät dran mit diesem Beitrag. Es sind schon etliche Beiträge und Listen zur Reihe #18für2018 erschienen. Aber es tut Not, denn die Klassiker-Leseliste habe ich in letzter Zeit nur noch dadurch gepflegt, dass ich mir Bücher geliehen oder gekauft habe. Der Stapel mit ungelesenen Büchern ist dadurch ganz schön gewachsen. Eine richtige „Challenge“ soll diese Liste nicht sein, eher eine kleine Erinnerung, auf die ich im Laufe des Jahres zurückgreifen möchte. Diese Klassiker möchte ich in diesem Jahr lesen:

 

1. Das Dekameron von Giovanni Boccaccio (ca. 1349–1353)
100 Novellen fein und derb, tragisch und komisch.

2. Gargantua und Pantagruel von François Rabelais (1532–1564)
Romanzyklus um den jungen Riesen Pantagruel und dessen Vater Gargantua.

3. Wallenstein von Friedrich Schiller (1799)
Dramen-Trilogie im Zusammenhang mit dem Dreißigjährigen Krieg.

4. Mansfield Park von Jane Austen (1814)
Nach Stolz und Vorurteil soll es diesmal etwas satirischer zugehen.

5. Alice im Wunderland von Lewis Carroll (1865)
Kinderbuch und literarischer Nonsens.

6. David Copperfield von Charles Dickens (1849/50)
7. Große Erwartungen von Charles Dickens (1860/61)
8. Eine Geschichte aus zwei Städten von Charles Dickens (1859)
Dreimal Dickens, damit sich die wunderschöne Gesamtausgabe auch lohnt.

9. Aus dem Leben eines Taugenichts von Joseph von Eichendorff (1826)
Etwas Romantik in 2018.

10. Faust I und II von Johann Wolfgang von Goethe (1808/1832)
Der Klassiker schlechthin; Erfahrungen dann unter #GuteNachtmitGoethe.

11. Der Sandmann von E. T. A. Hoffmann (1816)
Wohl als Hörbuch und passend zur dunklen Jahreszeit.

12. Der Name der Rose von Umberto Eco (1980)
Philosophie, Krimi, Geschichte – ich bin gespannt.

13. Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez (1967)
…wird mein erster Roman des Nobelpreisträgers.

14. Radetzkymarsch von Joseph Roth (1932)
Als Hörbuch, um den Wiener Schmäh auch zu hören.

15. Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien (1954/55)
Zum zweiten Mal nach langer Zeit und eingerahmt von Anhängen und Kurzgeschichten.

16. Unendlicher Spaß von David Foster Wallace (1996)
Meine Nemesis seit langer Zeit.

17. Schachnovelle von Stefan Zweig (1942)
Als Hörbuch und hoffentlich ohne Schachvergiftung.

18. Das kunstseidene Mädchen von Irmgard Keun (1932)
Sex and the City im Berlin der frühen 30er Jahre?

Striche klein

Habt ihr #18für2018 oder andere Lesevorsätze? Sind auch Bücher dabei, mit denen ihr euch schon seit längerer Zeit „herumschlagt“?

Reso Tscheischwili: Die Himmelblauen Berge (1980/2017)

Der Alptraum eines jeden Schriftstellers: Nach Monaten der Qual, des Schreibens unter Aufbietung all seiner Kräfte (gar zur Gewichtsabnahme hat’s geführt) gibt man sein überarbeitetes Manuskript beim Verlag ab – und niemand liest es. Ein moderner georgischer Klassiker macht Lust auf das Gastland der Frankfurter Buchmesse 2018.

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Überhaupt erscheint der Verlag das Haus zu sein, das Verrückte macht: Alle beschäftigen sich mit irgendwas, nur nicht mit ihrer eigentlichen Arbeit. Schriftsteller Sosso, der monatelang an der Überarbeitung seines Manuskriptes gesessen hat, kommt nicht in den Genuss ehrlicher, fachkundiger Kritik an seinem Werk. Im Gegenteil: Sein Manuskript wird zerfleddert, liegt mal im Regen, einige Seiten sind plötzlich unauffindbar. So gehen die Monate ins Land und der Verlag kreist um nichts als sich selbst.

Die absurden Dialoge, ständige Störungen der Arbeit durch Belanglosigkeiten, auf die sich alle mit Feuereifer stürzen, statt ihrer eigentlichen Arbeit nachzugehen: Reso Tscheischwili (1933-2015) schrieb schon 1980 eine wunderbar treffende Allegorie auf die Fehler der Georgischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Ein gutes Jahrzehnt, bevor es soweit sein sollte, beschreibt der Autor wenig zweideutig, wie sich tiefe Risse in die Wände des Verlagsgebäudes fressen und es immer wieder von kaum wahrnehmbaren Beben erschüttert wird. Der Direktor treibt sich lieber auf Banketten und bei großen Banken herum, als den Verlag zu leiten und lässt sich aus Bequemlichkeit (oder aus Angst vor echter Verantwortung) verleugnen. Für den Leser ist es geradezu zermürbend, die Dialoge zu lesen, lange Zeit nicht genau zu wissen, worum es eigentlich geht und was die einzelnen Figuren überhaupt für Aufgaben innerhalb der Verlagsstruktur haben. Bis zum Ende war ich fest davon überzeugt, dass einige schlicht gar keine Aufgabe hatten.

Als gesprochener Dialog, sei es auf der Bühne oder vor der Kamera, kommt „Die Himmelblauen Berge“ (übrigens der Titel von Sossos Manuskript) bestimmt noch schmissiger daher. Beim reinen Lesen zeigte sich aber schon, dass Tscheischwili als Meister seines Fachs gelten kann und es verstand, die Geduld seiner Leser ans Ende und die Absurdität seiner Geschichte in ungeahnte Höhen zu treiben. Eine Empfehlung für alle, die sich für georgische Literatur interessieren und die gut verpackte Sozialismuskritik nicht abschrecken kann.

Reso Tscheischwili, Die Himmelblauen Berge (aus dem Georgischen von Julia Dengg und Ekaterine Teti, mit einem Nachwort von Ilia Gasviani), Edition Monhardt 2017, 160 S., 22€, ISBN 978-3-9817789-2-2. Die Auflage ist begrenzt auf 1000 Exemplare.

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Weitere Meinungen zum Buch:
Dieter Wunderlich
Sätze&Schätze

Literaturtipps zu Georgien – Gastland der Frankfurter Buchmesse 2018:
Kaukasische Literaturen
Georgische Literatur beim Deutschlandfunk

Matthew Weiner: Alles über Heather (2017)

Ein junges Mädchen wird zur Projektionsfläche für die Wünsche ihrer Eltern und eines  psychopatischen Gewaltverbrechers. Matthew Weiner, der Macher der TV-Serien Mad Men und Die Sopranos, veröffentlicht mit „Alles über Heather“ seinen ersten Roman und erzählt eine beklemmende Geschichte ohne schmückendes Beiwerk, dafür aber mit dem Seziermesser an der Psyche seiner Figuren. Ein kurzer und dabei sehr kraftvoller Roman.

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Als Karen und Mark Breakstone spät Eltern werden und sich gut situiert in Manhattan niederlassen, dreht sich ihr Leben fortan nur noch um ihre wunderbare Tochter Heather. Robert hat nicht so viel Glück mit seinen Eltern und flieht so schnell wie möglich vor seiner heroinabhängigen Mutter. Nach einem Gefängnisaufenthalt heuert er als Bauarbeiter in New York an. Aus der Ferne wirft er begehrliche Blicke auf Heather – Blicke, die ihrem Vater nicht verborgen bleiben.

Die Figuren in diesem Buch scheinen gerade wie besessen zu sein von Heather, die zu einem intelligenten, empathischen und hübschen Teenager heranwächst. Die Perfektion in Person, für sie stürzen ihre Eltern sich und ihre Ehe in den Abgrund, während Heather in dem wenig älteren Robert Begehrlichkeiten weckt, von deren Ausmaß nur ihr Vater Mark etwas ahnt.

Matthew Weiner legt die Psyche seiner Figuren unter das Vergrößerungsglas und seziert sie fein säuberlich von der ersten Seite an. Was für den Leser eine enorme Klarheit bringt, verleitet stellenweise dazu, die Figuren als allzu naiv zu bewerten, da der Antrieb für ihr Handeln dem Leser von Anfang an unzweideutig präsentiert wird. Trotzdem rätselt man bis zum Schluss, worauf die Geschichte zusteuert. Nach allem, was ich gelesen hatte, hielt ich sie gar für eine Liebesgeschichte. Nun, das ist nur die halbe Wahrheit und das Ende überrascht.

„Alles über Heather“ ist ein perfekt durchkomponierter Roman mit äußerst präzisier Sprache. Zusammen mit der formvollendeten Gestaltung durch den Verlag entsteht ein Buch, das man in einem Atemzug durchlesen wird. Eine klare Empfehlung.

Matthew Weiner, „Alles über Heather“ (OT: „Heather, The Totality“, aus dem Englischen von Bernhard Robben), Rowohlt 2017, 144 S., 16€, ISBN: 978-3-498-09463-8.

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Petra Morsbach: Justizpalast (2017)

Justizpalast von Petra MorsbachWas macht man, wenn man als Kind einer gescheiterten Künstlerehe so richtig aus der Reihe tanzen will? Richtig, man zieht zum knorrigen Großvater und wird Spitzenjuristin und Richterin. Petra Morsbach erzählt in Justizpalast mit trockenem Humor und großer Liebe zu ihren Figuren die Geschichte ihrer Protagonistin Thirza Zorniger als hochintelligenter, reflektierter und dabei nahbarer Frau. Der beste Roman über die deutsche Justiz, den ich je gelesen habe.

 

Thirza Zorniger schaut kurz vor der Pensionierung auf ihr Leben zurück: auf zerbrochene Kindheitsfreundschaften, die „ostpreußische Tantenschule“ ihrer Kindheit und den mit sich hadernden Großvater, ehemals Richter unter den Nationalsozialisten. Auf ein eifriges und sehr erfolgreiches Studium („Wie weit komme ich mit meiner Mädchenlernerei?“) und erste Schwärmereien („Alfred kann nicht geliebt werden.“). Eine zerstörerische Affäre, dann spätes Glück mit einem von Selbstzweifeln geplagten Literaturliebhaber (ebenfalls Jurist). Und immer wieder ihre Arbeit im Münchner Justizpalast, die längste Zeit davon als Zivilrichterin.

Morsbach geht nur grob chronologisch vor, immer wieder schweifen die Gedanken ihrer Protagonistin in die Vergangenheit. Aufgelockert durch Begebenheiten aus dem Richterinnenalltag und teils kurios anmutende Fälle liest sich die Lebensgeschichte der Thirza Zorniger interessant, dabei aber auch äußerst realistisch. Ihre Probleme sind lebensnah: Entfremdung von den Eltern, Tod naher Angehöriger, berufliche Erfolgserlebnisse nach harter Arbeit, dabei Selbstzweifel, Suche nach Liebe und persönlicher Erfüllung, immer wieder die Frage „Lebe ich richtig? Lebe ich ganz?“.

Die ausführliche Recherche der Autorin zeigt sich neben dem sehr treffenden Einbringen von juristischer Denkweise und Fachbegriffen besonders an der Einflechtung aktueller Probleme der deutschen Justiz. Im Hintergrund steht immer die große Frage nach Gerechtigkeit im Vordergrund  die Überlastung der Richter, Einflussnahme von Lobbyisten auf Gesetze, das Spannungsverhältnis zwischen Karrierestreben und Gerechtigkeitswunsch, wobei ein gewisser Standesdünkel nicht in Abrede zu stellen ist. Dazu kommen – wir betrachten die Welt durch die Augen einer weiblichen Juristin – Männerseilschaften, die das persönliche berufliche Fortkommen erschweren.

Hat die Protagonistin Thirza Zorniger ihr Leben für die Gerechtigkeit geopfert? Oder ist dieser Gedanke vermessen und noch dazu pathetisch? Wie viel Gerechtigkeit steckt in der Maschinerie Rechtsprechung? Präzision, Perfektion, Mitgefühl – auf was kommt es beim Richten an?  Petra Morsbach ist mit Justizpalast ohne Zweifel ein ganz großartiger Roman über die deutsche Justiz gelungen.

Petra Morsbach, Justizpalast, Knaur 2017, 480 S., 25€, ISBN: 978-3-8135-0373-9.

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Wissenstipp: Justiz, Rechtswissenschaften, Rechtsphilosophie

Weitere Meinungen zum Buch finden sich u. a. bei:

Sagenhaftes aus dem Sauerland

Dunkle Täler, schneebedeckte Hügelkuppen, Wälder so weit das Auge reicht: Das Sauerland  ist mit seinen vielen Talsperren, Campingplätzen und Wintersportmöglichkeiten eine beliebte Urlaubsregion im Süden von Nordrhein-Westfalen. Wer sich den Einheimischen nähern will, versucht das am besten auf einem Schützenfest bei einem Bier aus dem Hause Krombach. Wer sich dann von der anfänglichen (und anhaltenden) Sturheit und eigentümlichen Redeweise nicht verschrecken lässt, kommt vielleicht in den Genuss von alten Geschichten aus einer Zeit, in der das „Land der tausend Berge“ Sagen über Hexen, Zwerge und Raubritter hervorbrachte.

Sauerländer Sagenschätze

Die Autoren bereisten viele noch so kleine Dörfer, um die alten Geschichten und Märchen zu sammeln. Dabei stießen sie auf Sagen, die sich um die Entstehung von Höhlen und Felsen drehen oder von brutalen Raubrittern einer längst geschliffenen Burg erzählen. Anders als die bekannten Hausmärchen der Brüder Grimm finden sich im Sauerland keine Könige, Prinzessinnen und Edelleute. Die Sagen handeln vielmehr von einfachen Schneidern, Bauern und Bergarbeitern, die Fabelwesen begegnen und versuchen, über die Runden zu kommen.

Aufgrund der Kürze von einer bis drei Seiten eignen die Geschichten sich ausgezeichnet zum Vorlesen – wenn man die erwähnten Orte bereits besucht hat, ist jede Geschichte ein Fest des Wiedererkennens. Die liebevoll inszenierten Fotografien und der mehrfarbige Druck machen dieses Märchenbuch dazu noch zu einem Augenschmaus.

Für mich als Sauerländerin im Exil ist diese Geschichtensammlung (in der ich glatt das Nachbardorf wiederfand!) eine riesige Freude gewesen. Mentalität und Wortwahl sind einzigartig – da kommen gleich Heimatgefühle auf, woll? Eine ganz große Empfehlung für Sauerländer und alle, die es werden wollen.

Karin Hessmann, Michael Martin: Sauerländer Sagenschätze. Die schönsten Sagen aus dem Land der tausend Berge, Woll Verlag 2017, 184 S., 25 Fotos, ISBN 978-3-9453681-74-1.

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Arion Golmakani: Beraubte Wut (2015)

Golmakani_Beraubte WutArion Golmakani wurde Ende der 50er Jahre im Iran geboren und erzählt heute, nach vielen Jahrzehnten seine erschütternde Kindheitsgeschichte. Er berichtet von Hunger, Kälte und davon, wie er trotz zweier Eltern wie ein Waisenkind aufwuchs. Die Geschichte gibt einen spannenden Einblick in die iranische Gesellschaft der 60er und frühen 70er Jahre.

Arion, eigentlich auf den Namen Alireza getauft, kommt bei einer Mutter zur Welt, die als 13-jähriges Dorfkind verheiratet wurde. Als sein Vater sich kurz nach seiner Geburt scheiden lässt und sich weigert, für seinen Unterhalt aufzukommen, weiß seine Mutter weder ein noch aus. Ohne Schulbildung, noch dazu in der streng konservativen Stadt Mashad gestrandet, kann sie keiner Arbeit nachgehen. Als ihr einziger Ausweg, eine neue Heirat, auftaucht und sie schnell wieder schwanger wird, ist für Alireza kein Platz mehr. Er tingelt von Pflegefamilie zu Pflegefamilie, hofft auf die Unterstützung von Verwandten und leidet trotz Hilfe doch oft Hunger und Kälte. Doch mit Hartnäckigkeit und dem unbedingten Streben nach Bildung schafft er es, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich aus den Fängen der Armut zu befreien.

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Auf diese Sachbücher freue ich mich im Frühjahr/Sommer 2018

2018 wird hoffentlich ein gutes Jahr für den Sachbuchmarkt, denn es stehen einige Ereignisse an, die auf interessante Literatur hoffen lassen: Vor 400 Jahren begann mit dem Zweiten Prager Fenstersturz der Dreißigjährige Krieg, der Europa verwüstete und der auch ein Religionskrieg war. Vor 100 Jahren wurde die Weimarer Republik ausgerufen ein–  vorerst leider nur kurzes – Zwischenspiel in der Demokratiegeschichte Deutschlands. Vor 50 Jahren wurde der schwarze Bürgerrechtler und Friedensnobelpreisträger Martin Luther King in Tennessee erschossen und Nelson Mandela würde seinen 100. Geburtstag feiern.

Beim Stöbern in den Verlagsvorschauen habe ich erfreut festgestellt, dass vermehrt Biographien über historische Frauenfiguren publiziert werden und das Tabuthema psychische Erkrankungen auf den Sachbuchmarkt drängt. Auch die weibliche Sexualität ist kein Tabu mehr, es erwartet uns ein Buch zweier norwegischer Medizinerinnen, das auch aufgrund seines prägnanten Titels Aufsehen erregen wird. Daneben habe ich noch einige viel versprechende Bücher aus dem Bereich der Ur- und Frühgeschichte gesehen; auch hier scheint der Humor nicht zu kurz zu kommen. Die Sachbücher im ersten Halbjahr 2018 sind bunt und vielfältig, da ist für jeden etwas dabei.

Georg Schmidt
Die Reiter der Apokalypse. Geschichte des Dreißigjährigen Krieges

Rüdiger Barth / Hauke Friederichs
Die Totengräber Der letzte Winter der Weimarer Demokratie

Sibylle Lewitscharoff / Najem Wali
Abraham trifft Ibrahim. Streifzüge durch Bibel und Koran

Christopher de Bellaigue
Die islamische Aufklärung. Der Konflikt zwischen Glaube und Vernunft

Andreas Guski
Dostojewskij. Eine Biographie

Norman M. Naimark
Genozid. Völkermord in der Geschichte

Gary Cox
Jean-Paul Sartre. Existentialismus und Exzess

María Hesse
Frida Kahlo. Eine Biographie

Hermann Kulke/Dietmar Rothermund
Geschichte Indiens. Von der Induskultur bis heute

Malachy Tallack (Text) / Katie Scott (Illustrationen)
Von Inseln, die keiner je fand

Stefan Breuer
Wegbereiter des Rassenstaates. Die nordische Bewegung in der Weimarer Republik

Brenna Hassett
Warum wir sesshaft wurden und uns seither bekriegen, wenn wir nicht gerade an tödlichen Krankheiten sterben

Carolyne Larrington
Fit für Walhalla. Nordische Mythen für Einsteiger

Nina Brochmann / Ellen Støkken Dahl
Viva la Vagina! Alles über das weibliche Geschlecht

Daphne Merkin
Mein fremdes Ich

striche

Habt ihr schon Sachbücher im Auge? Welche Themen interessieren euch im Jahr 2018; worüber wollt ihr mehr erfahren? Ich wünsche euch viel Spaß beim Stöbern!

 

Neues und Altbewährtes im Jahr 2017 – Meine 10 Favoriten

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und das ist immer eine gute Gelegenheit, die Lektüre des Jahres Revue passieren zu lassen. Während mein Finger durch meine Leseliste wandert, stellen sich die Erinnerungen an gute und weniger gute Leseerlebnisse ein und schnell habe ich zehn Favoriten beisammen.

Neu erschienen und sofort bestaunt

Bendixen

Katharina Bendixen – Ich sehe alles
Ein deutsches Au-pair in Budapest, das langsam aber sicher verrückt wird. Kein Thriller zwar, aber ein beeindruckendes Debüt mit großer Treffsicherheit in das Herz des leserlichen Unbehagens.

Jonas Lüscher – KraftLüscher_Kraft
Überkandidelt und dabei unheimlich komisch. Über Lüschers abgebrannten Professor Kraft konnte ich herrlich schmunzeln und fand bestätigt: Hochmut kommt vor dem Fall. Manchmal begleitet sie ihn auch.

Kang_MenschenwerkHan Kang – Menschenwerk
Nach „Die Vegetarierin“ wartete ich gespannt auf das Erscheinen von Han Kangs „Menschenwerk“ in deutscher Sprache. Eine so intensive, bedrückende Geschichtsstunde wie diese hier über das Massaker von Gwangju und die Niederschlagung der Demokratiebewegung dort, habe ich selten erhalten. Das Werk eröffnet dem europäischen Leser einen ganz neuen Blick auf ein Korea fernab von Hightech, Leistungsdruck und K-Pop-Welle. Unbedingt lesen und sich davon bewegen lassen.

Deborah Feldman – Überbittencover_350x240
Obwohl ihr neuestes Werk für mich nicht ganz an ihr Debüt „Unorthodox“ heranreicht, habe ich diese umfangreiche Geschichte über Selbstfindung, Ankommen in Europa und Reisen auf den Pfaden einer längst verschwundenen Familie verschlungen. Feldmans Sprache (und auch die Literaturtipps, die sie einstreut) sind einfach lesenswert.

Hochgeschwender

Michael Hochgeschwender – Die Amerikanische Revolution
Nach historischen Versatzstücken aus etlichen High-School-Komödien wollte ich es einmal ganz genau wissen: Wie wurden die USA zu dem, was sie heute sind? Dass Hochgeschwender hier als wahrer Kulturkenner schreibt, machte das Lesen angenehm und führte dazu, dass auch Themen, die in reinen Geschichtsbüchern keinerlei Beachtung finden (die Zusammensetzung der Trecks, die den Armeen hinter herzogen!) aufgegriffen werden. Ein sehr informatives Werk, das die Entstehung des Amerikas aus der Sicht europäischer Einwanderer und ihrer Nachfahren beleuchtet.

 

Altbewährtes lieben gelernt

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Oscar Wilde – The Importance of Being Ernest
Selten habe ich beim Lesen so gelacht. Dieses alte Stück hat doch genau meinen Humor getroffen und weil ich es bislang immer noch nicht geschafft habe, eine Verfilmung anzusehen, steht weiterer Spaß mit Wildes Zeilen noch aus.

Lion Feuchtwanger – Jud Süß
Anfangs hatte ich mit Feuchtwangers Sprache ganz schon zu kämpfen. Manche Sätze wurden gar dreimal gelesen. Nach den ersten Seiten war ich dann aber begeistert von der Atmosphäre, die er für den Leser erschafft. Ich fühlte mich im historischen Württemberg angekommen und habe mit Oppenheimer geschimpft und gelitten. Feuchtwanger hat hier eine äußerst ambivalente und dabei zutiefst menschliche Figur geschaffen. Sein feiner Humor gekleidet in gehobene Sprache haben seinen „Jud Süß“ zu einem meiner Jahreshighlights werden lassen.

Antanas Skema – Das weiße Leintuch
Litauen war für mich stets ein weißer Fleck auf der Landkarte. Dann stieß ich zufällig auf die Erstübersetzung dieses Klassikers und wurde sofort gefangen genommen von Sprache und Stil Skemas. Litauische Mythen und Sagengestalten wabern durch seine Erzählung, die im New York des 20. Jahrhunderts spielt. Erstaunt war ich auch darüber, wie viel litauische Literatur in Displaced-Persons-Camps in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg entstand.

Gustave Flaubert ­– Madame Bovary
Ich gebe es zu, die Schullektüre „Effi Briest“ habe ich nicht sonderlich gemocht. Umso skeptischer näherte ich mich diesem, im Thema ähnlichen Werk. Aber was für eine Überraschung! Viel weniger verschämt, einer gewissen Komik nicht abgeneigt, schildert Flaubert hier die Liebschaften einer jungen Frau, die ziemlich unzufrieden mit sich und der Welt ist und sich über weite Strecken ihres Lebens langweilt. Naiv ist sie, dabei aber auch ein wenig verschlagen. Ach, macht euch selbst ein Bild, denn dieses Werk ist einfach ein sprachliches Meisterstück.

George Orwell – 1984
So viel habe ich über dieses Buch gehört – und dabei so wenig daraus gelesen. Als es dann soweit war, kamen mir viele dystopische Elemente gar nicht mehr neu vor. Aber mit den drastischen Schilderungen und den vielen kleinen Grausamkeiten, die in den Medien nie zitiert werden, hatte ich dann doch nicht gerechnet. Die Lektüre war eine echte Bereicherung und dass das Werk mit Amtsantritt Donald Trumps wieder auf den Bestsellerlisten auftauchte, erschreckt mich jetzt umso mehr.

Orwell_1984

Welche Bücher waren eure Favoriten in diesem Jahr? Habt ihr Neues oder doch eher Altbewährtes gelesen?

Euch allen ein gutes und gesundes Jahr 2018!

 

Überraschtes Staunen und ein Hauch Magie

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Eine skizzenhafte Beschreibung und schon ist der Leser mittendrin in Altschäfers Geschichten. Mit weichen Strichen zeichnet sie in jeder ihrer Erzählungen eine Atmosphäre, auf die man sich gern einlässt, sich gar geborgen fühlt in der warmen Stube hinter den Gardinen oder belustigt dem streitenden Pärchen am Bahngleis lauscht. Immer dann eine unerwartete Wendung, ein Hauch Magie, der den Erzählungen eine fantasievolle Würze gibt ohne übertrieben zu wirken. Hin und wieder Wortneuschöpfungen, die muss man mögen; die abgedruckten Bilder der Autorin und Künstlerin, die Erzähltes illustrieren, wird man ganz sicher mögen.
Unterschiedliche Menschen, Orte und Zeiten; Tiere sind selten nur Begleiter, vielmehr prägen sie das Geschehen. Die Erzählungen haben auf den ersten Blick gar nichts miteinander gemein, doch ergeben sie in ihrer Auswahl ein stimmiges Ganzes und zeigen eine Welt, in der Unangenehmes nicht ausgespart wird, man sich aber trotzdem zu Hause fühlt.

Ich habe die Erzählungen in einem Rutsch gelesen und hatte bei jeder neuen das Gefühl, dass die Autorin inhaltlich und sprachlich ihren eigenen Ton gefunden hat. Mir gefielen die fantasievollen Begebenheiten und Wendungen der Geschichten sehr und ich hätte dem dicken schwarzen Kater wohl ohne Zögern den Bauch gekrault.

Martina Altschäfer, Brandmeldungen, mit 19 farbigen Zeichnungen und Textcollagen, Mirabilis Verlag 2017, 136 S., 24€, ISBN 978-3-9818484-4-1.