Klein und frei: Bei unabhängigen Verlagen zu Gast – Teil 1/2

Wo es heute häufig um optimiertes Marketing und Auflagen in Millionenhöhe geht, gibt es sie öfter als man denkt: Die ein-zwei-drei-Mann oder –Frau-Verlage, die ihre Bücher selbst machen. Von Hand und von Anfang bis Ende. Mit viel Liebe und noch mehr Herzblut. Auf der Leipziger Buchmesse organisierte Barbara Miklaw vom Mirabilis Verlag bei Meißen einen kleinen Bloggerrundgang bei einigen ihrer Kollegen, die sich viel Zeit nahmen, von ihrer Arbeit zu berichten.

Wer sich mit unabhängigen Verlagen beschäftigt, stößt zuerst auf die Kurt-Wolff-Stiftung, die sich seit 2000 die Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene in Deutschland zur Aufgabe gemacht hat. Was als „klein“ und „unabhängig“ gilt, wird anhand von Größe, Einkommen und einiger weiterer Kriterien festgemacht. Vier Publikationen im Jahr müssen es dann schon sein. Weil das aber kein Pappenstiel ist, bin ich auf der Leipziger Buchmesse auch auf Verlage gestoßen, die (noch) nicht bei der Stiftung gelistet werden. Gerade hier lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen, denn es gibt wahre Schätze zu entdecken: Weiterlesen

Leipziger Buchmesse 2017: Die Nachlese

Die Leipziger Buchmesse ist vorbei, noch schmerzen die Füße und die Erinnerungen sind frisch und präsent. Daher eine Messenachlese.

Die Buchmesse wird politischer
Im Vergleich zum letzten Jahr ­­– und das ist, wie auch der Rest hier ein ganz subjektiver Eindruck – erschien mir die diesjährige Messe viel politischer zu sein als ihre Vorgängerin. Natürlich stand das Kriegsland Syrien im Mittelpunkt, hier gab es viele Vorträge und Lesungen mit syrischen Autoren. Auch ich freue mich schon auf Niroz Maleks Der Spaziergänger von Aleppo, das geduldig auf meinem Schreibtisch wartet. Daneben waren 20170324_094031aber auch viele weitere Konfliktherde Thema: Das Gesprächsforum Café Europa bot im
Halbstunden- und Stundentakt eine interessante Veranstaltung nach der anderen. Ich habe mir mit Interesse die Podiumsdiskussion von Kateryna Mishchenko, Aleksander Skidan und Serhij Zhadan angehört, die mithilfe von Dolmetschern über die schwierige Situation für Künstler in der Ukraine und in Russland sprachen. Der Konflikt ist in den Medien in den Hintergrund gerückt, gerade so als habe man sich schon mit den geschaffenen Tatsachen abgefunden; das genau dies von russischer Seite aus forciert zu werden scheint, darüber sprach der Schriftsteller Aleksander Skidan ausführlich. Da weitgehend Einigkeit darüber herrschte, dass in beiden Staaten die Zivilgesellschaft gestärkt werden muss, war das Gespräch weniger Diskussion als vielmehr informativer Vortrag von unmittelbar Betroffenen. Im Publikum fanden sich überwiegend Zuhörer im Seniorenalter oder aber in den Zwanzigern. Gerade so, als sei Europa eine Sache dieser beiden Altersgruppen. Diese Momentbeobachtung war aber gewiss nicht repräsentativ für alle Veranstaltungen im Café Europa.

Litauen und die Welt
Besonders spannend sind die Länderstände, mit Literatur in der Landessprache im Gepäck. Der koreanische Musikpavillon war ein Ruhepol im hektischen Messetreiben; Norwegen, Finnland, Schweden und Island schlossen sich gleich zusammen und präsentierten im Nordischen Forum ihre Literatur. Besonders gefreut hat mich, dass das Schwerpunktland Litauen so gut anzukommen schien. Mit einem besonders großen Stand 20170324_1544051.jpgin der Hallenmitte präsent, erkannte ich dort all die Werke wieder, zu denen hier zuvor gelesen und geschrieben worden war. Als mir dann die Broschüre zu litauischer Literaturgeschichte ins Auge fiel, konnte ich mir ein Lachen nicht verkneifen: Erst zwei Wochen zuvor hatte ich die Tiefen des Internets zu genau diesem Thema durchkämmt und mich über jedes Fitzelchen Information gefreut. Jetzt hatte ich Informationen; so schnell, so kompakt.

Danach verschlug es mich ins (auch auf der Messe) nahe gelegene Lettland, das mit einem ungleich kleineren Stand u. a. wunderschön illustrierte Kinderbücher bot. Schwierig sei es, lettische Bücher bei deutschen Verlagen unterzubringen; bei britischen fiel es jetzt leichter. Kein Wunder, denn die Londoner Buchmesse macht im nächsten Jahr die Literatur der baltischen Staaten zum Mittelpunkt. Hier sei unbedingt auch auf die baltic sea library, eine wachsende online-Textsammlung aus dem Ostseeraum, hingewiesen.

Ein wenig enttäuscht war ich vom ungarischen Stand, der zwar eine kunstvolle und kreative Einführung in die Bedeutung des Leerraumes zwischen den Worten bot. Ich hätte trotzdem lieber ungarische Bücher gesehen.
Einen näheren Blick sollte man in nächster Zeit unbedingt nach Georgien werfen: Die Vorträge zu georgischer Dichtung im Allgemeinen und zur Stadt Tiflis im Besonderen machen Lust auf den dicken Katalog georgischer Neuerscheinungen im deutsch- und englischsprachigen Raum.

Schlurfende Schritte und starrer Messeblick: Es ist wohl schon nach vier
Am Samstagmorgen hatte ich das Glück, über die zeitgleich zur Buchmesse stattfindende Manga-Comic-Con flitzen zu können. Es war wie ein Eintauchen in eine Parallelwelt, in der alles bunt, süß und mit Rüschen besetzt zu sein scheint (wenn man die lebensgroßen Figuren der Alien-Filme außer Acht lässt). Für die Cosplayer ist die Messe definitiv ein Highlight im Jahresplan und es waren viele echte Hingucker-Kostüme dabei, mit denen auch mein exzentrischstes Messeoutfit (rote Schuhe) nicht mithalten konnte. Doch auch dieser bunte Teil des Publikums war froh, draußen in der Nachmittagssonne die müden Füße ausruhen zu können.

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Der Fantasy-Autor Matthias Teut hatte das Unglück, am späten Samstagnachmittag in mir zwar eine interessierte potentielle Leserin, dafür aber nach drei Messetagen eine auch hundemüde sich dahin schleppende Messebesucherin vor sich zu haben. Seine High-Fantasy-Welt Erellgorh klang gut ausgearbeitet, die Geschichte spannend, die kolorierten Bilder waren wunderschön – und zudem ist der Autor noch für den Deutschen Phantastik Preis 2017 nominiert. Trotzdem wurde ich beim Gedanken, seine beiden Bücher durch die Hallen tragen zu müssen gleich noch müder. Ich versprach, beim Phantastik-Preis online für ihn abzustimmen und beschloss, den Samstag in eine Ecke des Café Puschkin gekuschelt bei einer Lesung von Arno Dahmers Erzählungen Manchmal eine Stunde, da bist Du ausklingen zu lassen. Eine gute Entscheidung.

Bookster & Blogger, Marketing & Social Media
Ein neues In-Wort geisterte über die Buchmesse: Bookster. Nach meinem Verständnis jemand, der hobbymäßig irgendwas mit Büchern macht…? Korrigiert mich. Von den organisierten Bookster-Blogger-Veranstaltungen der großen Verlage habe ich keine mitgenommen; dafür habe ich zwei Messevorträgen gelauscht. Der erste beschäftigte sich mit Social Media-Nutzung und Literaturbloggern aus Autorensicht: „Schreibt den Bloggern doch einfach eine E-Mail und bittet sie, euer Buch zu besprechen.“ Guter Tipp, ich war erstaunt, dass viele Neuautoren mit dem Begriff „Literaturblogger“ gar nicht viel anfangen konnten. Da merkt man erst, wie sehr man in seiner eigenen Bloggerblase lebt.
Die zweite Veranstaltung war eine gut besuchte Gesprächsrunde zum Thema Urheberschutz/Bildrecht beim Bloggen. Hier zeigte sich auch das wahre Gesicht des Literaturbloggers (zumindest von hinten, wo ich stand): Dreiviertel der Zuhörer waren weiblich, brünett und zwischen 15 und 40 Jahren alt. Hm.
Hier merkte ich auch, wie winzig klein mein Blog im Gegensatz zu anderen ist, die sich mit Werbeterminen großer Verlage und Massen an unfreiwillig zugesandten Rezensionsexemplaren rumschlagen und selbst schon mit QR-Code-Shirts die Werbetrommel für ihren Blog rühren. Puh.

Als die Füße sich dann am Sonntagabend auf dem Balkon gen Abendsonne streckten und ich zum ersten Mal seit Tagen entspannt ein Buch las, wusste ich: Die Leipziger Buchmesse ist gigantisch, phänomenal und toll – aber gut, dass sie nur einmal im Jahr stattfindet.

Buchmesse-FOMO

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Morgen geht’s los zur Leipziger Buchmesse und nach Tagen des Programmwälzens schlägt die Fear of Missing Out (FOMO!) zu. So viele Veranstaltungen, so viele interessante Lesungen! Ein paar habe ich mir rausgesucht; besonders gespannt bin ich auf das Schwerpunktland Litauen, aber auch auf die Länder-Stände – hier gibt es garantiert Unbekanntes zu entdecken.

Viel Politisches ist auch in diesem Jahr dabei: Da geht es um den Zusammenhalt in Europa, Feminismus, um Populismus und Terrorismus. Spannend. Nachdem das im letzten Jahr so ausgezeichnet funktioniert hat, wird auch morgen bestimmt genug Zeit sein, um sich einfach treiben zu lassen. Das hilft am besten gegen FOMO. Allen Besuchern unter euch viel Spaß – vielleicht sieht man sich ja!

Deutschland als Mittelpunkt litauischer Literatur? Die Zeit von 1945 bis 1949.

„Es heißt, dass von den insgesamt etwa 100.000 aus ihrer Heimat geflohenen Litauern etwa 58.000 Personen in DP [Displaced Persons] Camps auf deutschem Boden gelebt haben. Unter ihnen befand sich der größte Teil der politischen und kulturellen Elite des Landes, die den Krieg überlebt hatten und den sowjetischen Massendeportation entgangen waren. Da ab 1944 in Litauen selbst eine grausame stalinistische Sowjetisierung im Gange war, kann gesagt werden, dass etwa von 1945 bis 1949 Westdeutschland Standort und Schauplatz der litauischen Kultur (und also auch der litauischen Literatur) gewesen ist.“[1]

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Antanas Škėma: Das weiße Leintuch (1958/2017)

 

Skema- LeintuchDie Sehnsucht nach Litauen vergeht nie. In den geschäftigen Straßen von New York trifft man seine Landsleute; die Literatur – sie lebt im Exil fort. Fernab der sowjetischen Herrschaft schreibt manch einer mit litauischem Nationalpathos, ein anderer pflegt durch zahlreiche Anspielungen Geschichte und Kultur des Landes. Zu letzteren gehört der bereits 1961 verstorbene Dichter Antanas Škėma. Im US-amerikanischen Exil verfasste er mit „Das weiße Leintuch“ sein – zumindest außerhalb Litauens – bekanntestes Werk.

Škėmas Protagonist, der litauische Schriftsteller Antanas Garšva, lebt im New Yorker Exil. Von den Sowjets gefoltert, floh er über Deutschland in die USA, wo er nun als Liftboy arbeitet. Er raucht, trinkt und verliert sich in Affären, von denen er sich mal mehr, mal weniger verspricht. Lebensbedrohlich krank, schiebt er das klärende Gespräch mit dem Arzt vor sich her; gemeinsam mit seiner Geliebten will er leben, dabei schreiben und auch endlich wieder dichten.

Die Parallelen zum Leben des Autors stechen sofort ins Auge und auch sein Dichtertum merkt man der Erzählweise an: Seitenlange Assoziationsketten, die sich Bildern aus der baltischen, römischen oder griechischen Mythologie bedienen; dann historische und politische Andeutungen, die ohne die hilfreichen Anmerkungen des Verlages gar nicht zu verstehen wären. Orte, Plätze, Zeiten – alles verschwimmt und schon bald fühlt man sich ebenso gehetzt wie der Protagonist des Romans. Das schien auch der Autor gesehen zu haben, denn fast lacht man erleichtert auf, als er eine andere Figur das Werk seines Protagonisten kritisieren lässt: „Du jonglierst nur mit Bildern. Ohne Sinn.“ (S. 203)
Dann lässt Škėma Antanas Garšva etwas Luft holen; in fein formulierten Rückblicken entblättert er nach und nach die litauische Geschichte. Vom Krieg gegen Polen, der Unzugänglichkeit der Hauptstadt Vilnius, der deutschen und sowjetischen Besatzung, dem Widerstand, von Flucht und Vertreibung erzählt Škėma und geht dabei nicht über den Horizont seines Protagonisten hinaus. Diese Rückblicke sind viel lesbarer, verständlicher. Sind mehr Prosa als Lyrik.

Es heißt, Das weiße Leintuch habe auch heute noch großen Einfluss auf die litauische Literatur. Das ist ohne Weiteres vorstellbar, denn hier wird thematisch so viel angerissen; eine Quelle, aus der jüngere Autoren jahrzehntelang schöpfen können. Dazu legt Antanas Škėma hier auf mehr als 250 Seiten seinen facettenreichen Stil nieder. Da lässt sich abschauen, kopieren, vielleicht auch kritisieren und ausbauen. Und für den Leser, der mit hilfreichen Anmerkungen und Biografien im Anhang erstmals in die litauische Literatur eintaucht, eröffnet sich eine ganz neue Welt, die geprägt ist von Ost und West, so europäisch und dabei doch so fremd.

Antanas Škėma, Das weiße Leintuch (OT: Balta drobulė, 1958, aus dem Litauischen von Claudia Sinnig), Guggolz 2017, 255 S., 21€, ISBN 978-3-945370-10-0.

 

Leipzig liest Litauisch

Bald ist es wieder so weit – Ende des Monats steht die Leipziger Buchmesse vor der Tür. Schwerpunktland wird in diesem Jahr Litauen sein. Obwohl gar nicht so weit entfernt, ist Litauen ein weißer Fleck auf meiner Leselandkarte. Dabei hat das Land literarisch einiges zu bieten und wird in diesem Jahr von gleich mehreren Verlagen entdeckt. So werden nicht nur Neuerscheinungen verlegt, sondern auch ältere Bücher, die die litauische Literatur bis heute beeinflussen. Antanas Škėmas Das weiße Leintuch gehört zum Beispiel dazu: In den 1950er Jahren geschrieben, wird es in diesem Jahr zum ersten Mal auf Deutsch verlegt. Wie schön, dass die Gast- und Schwerpunktland-Aktionen der Buchmessen für die Verlage einen Anreiz bieten, sich mit bislang unbekannter Literatur zu beschäftigen und sie dem deutschen Markt zugänglich zu machen – in diesem Jahr ein Glück für uns Leser, deren Litauischkenntnisse mehr als bescheiden sind.
Besonders gespannt bin ich auf diese Neuerscheinungen:

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Ulrich Rosengarten : Litauen. Ein europäischer Staat zwischen Ost und West ♦♦♦ Undinė Radzevičiūtė: Fische und Drachen  ♦♦♦ Jurgis Kunčinas: Tula ♦♦♦ Grigorijus Kanovičius: Die Freuden des Teufels ♦♦♦ Kęstutis Navakas: Die gelassene Katze ♦♦♦ Tomas Venclova: Der magnetische Norden ♦♦♦ Ruta Sepetys: Salz für die See ♦♦♦ Irena Ülkekul (Übersetzung): Ein glücklicher Mensch. Märchen aus Litauen ♦♦♦ Antanas Škėma: Das weiße Leintuch

Wer ein wenig weiterstöbern möchte: Einen Blog, der sich ganz der baltischen Literatur verschrieben hat, gibt es hier.

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Leipziger Buchmesse #2

So viele Eindrücke. So viele Menschen. So viele Bücher!
Schon am Donnerstag waren die fünf Hallen der Leipziger Messe gut besucht. Nachdem ich mir einen ersten Überblick verschafft hatte – einfach drauflos, den Messeplan für Orientierungsnotfälle in der Tasche – konnte es losgehen.

Haupteingang Messe Leipzig

Halle 1: Mangas und Comics

Schon am Donnerstag war Halle 1 am besten besucht; zu dem wohl geringsten Altersdurchschnitt kam die höchste Dichte an kostümierten Besuchern. Zwischen Haaren in allen Regenbogenfarben gibt es hier Konzerte und Ninja-Vorführungen, einen Stand zum Erlernen des Go-Spiels, Bogenschießen, Teegarten und eine Menge Comics, aber noch mehr Mangas und Merchandise. Ich selEins der vielen originellen Kostüme in Halle 1 - Katzenohren tauchten häufiger aufbst war auf der Suche nach Altauflagen, musste aber schnell feststellen, dass fast ausschließlich neue Ware angeboten wurde. Wer ebenso auf der Suche ist, könnte aber im Laufe des Wochenendes an dem Bring&Buy-Stand Glück haben. Das größte Spektakel der Buchmesse findet man hier auf jeden Fall.

Halle 2, 3 und 4: Große Verlage und Zeitschriften

Halle 2 beherbergt viel Kinder- und Jugendliteratur, einen Theaterbus, Schulbücher und Material für den Schüler- und Lehreralltag. Außerdem gibt es hier ein Familiencafé und die sogenannten Lesebuden – gute Möglichkeiten sich mal kurz auszuruhen.

Halle 3 ist bunt gemischt: Das „Forum Religion“ nimmt hier einen großen Platz ein; es finden sich Hörbuchstände und viele Stände zu Kunstbüchern. Wer sich über Sach- und Reisebücher informieren will, ist hier auch richtig.

In der vierten Halle wurde die Messebuchhandlung ausgebaut. Man kann aber auch direkt an den Ständen einen der mobilen Verkäufer heranwinken und das Buch gleich vor Ort einpacken. Die großen deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften sind auch vor allem in Halle 3 und 4 angesiedelt. Hier gibt es auch ein multimediales Angebot verschiedener öffentlich-rechtlicher Fernsehsender – wenn Platz ist, optimal, um die Füße zu entlasten und ein paar bewegte Bilder zu sehen.

Literatur aus aller Welt

Halle 4 hat einen großen Bereich internationaler Literatur und wer wie ich keine Ahnung hatte, welche Bücher gerade so in Lettland und Litauen erscheinen (überraschend viele und wunderschön illustrierte Kinderbücher!), kann sich hier informieren lassen. Die deutschsprachigen Länder haben tendenziell größere Stände, aber auch die sonstigen europäischen und außereuropäischen Staaten bieten übersetzte Literatur an. So gibt es am sehr puristischen saudi-arabischen Stand deutsch-arabische Kinderbücher, bei den Ungarn viele deutsche Übersetzungen, dafür am tschechischen Stand fast ausschließlich tschechischsprachige Literatur und am US-amerikanischen Stand einen lebensgroßen Obama-Aufsteller und Reiseprospekte. Es ist spannend zu sehen, wie unterschiedlich die verschiedenen Staaten ihre Ausstellungsflächen nutzen.

Der Stand des türkischen Kulturzentrums Berlin

Vom Schreiben und Lesen durch die Jahrhunderte

In Halle 4 hatte ich auch ein interessantes Gespräch mit dem Historiker Hanno Blohm von Bund für deutsche Schrift und Sprache e.V. Der Verein setzt sich für die Erhaltung verschiedener deutscher Schriftarten als Kulturgut ein und bietet Unterstützung beim Schreiben- und Lesenlernen an. Herr Blohm spricht mit so großer Begeisterung über die alten Schriften und die Wichtigkeit, mit der Hand zu schreiben, dass man binnen weniger Minuten beginnt, seine Begeisterung zu teilen. Während wir synchron den Kopf darüber schüttelten, dass der Verein 1941 in NS-Deutschland verboten worden war, weil er „Judenschrift“ propagiere, bekam ich mit, wie viele Leute an den Stand traten und sofort persönliche Geschichten erzählten: Da ging es um unleserliche Briefe der Großeltern oder erste missglückte Schreibversuche. Wer sich für Geschichte und Handschrift begeistern kann, sollte hier unbedingt vorbeischauen.

Halle 5: Unabhängige Verlage und Autorenarena

In Halle 5 war die große „Autorenarena“ der Leipziger Volkszeitung aufgebaut, hier gibt es mindestens im Stundentakt Interviews mit teils prominenten AutorInnen.  Ansonsten versammeln sich in Halle 5 vor allem die kleinen unabhängigen Verlage, deren Bücher häufig nicht in den großen Buchhandelsketten zu bekommen sind. Einige sehr junge Verlage erschienen gar mit nur einer einzigen Publikation. Das war aber eher die Ausnahme; hier hat man aber immer wieder die tolle Gelegenheit, den Verleger oder die Verlegerin selbst am Stand zu treffen und sich über die Verlagsprogramme, die häufig gerade erst im Werden sind, informieren zu lassen. Ab und zu trifft man auch einen der Autoren, der am Stand mithilft und dabei gleich Rede und Antwort zum eigenen Buch steht. Ich traf dabei auf einen Lyriker, der den ausliegenden Musical-Text einer Kollegin lobte. Viel verstanden habe ich nicht, aber es ging um Toastbrot.

Arabische Schriftstellerinnen im Fokus

Der Alawi-Verlag aus KölnZeit für ein Gespräch mit mir nahm sich Herr Abdul Rahman Alawi vom Alawi-Verlag aus Köln. Nachdem der Stand mit einem Banner für arabische Literatur warb, erfuhr ich schnell, dass sich Herr Alawi auf bisher nicht in Fremdsprachen übersetzte arabischsprachige Schriftstellerinnen spezialisiert hat. Eine Nische zugegebenermaßen, aber so interessant, dass ich in einem späteren Beitrag mehr von dem Gespräch erzählen möchte.

Literaturzeitschriften als rare Aussteller

Literaturzeitschriften waren überraschend selten vertreten. Eine, auf die ich aufmerksam geworden bin, ist die „Wortschau“, die verschiedene Textgattungen veröffentlicht und in Zusammenarbeit mit den Illustrationen verschiedener Künstler dreimal jährlich erscheint. Zum Gespräch mit einem der Herausgeber, Wolfgang Allinger, gibt’s demnächst mehr.

Just-in-Time-Erscheinung

Besuch der sächsischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva-Maria Stange, beim Mirabilis VerlagAm Stand des Mirabilis-Verlags traf ich den Autor und Illustrator Florian Arnold, dessen erste Novelle „Ein ungeheuerlicher Satz“ letztes Jahr gleich auf die Hotlist der unabhängigen Verlage hüpfte und damit als eines der dreißig besten Bücher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nominiert wurde. Sein neuer, diesmal fantastischer Roman „Die Ferne“ schaffte es gerade am Wochenende vor der Buchmesse aus dem Druck: Der Autor wirkte entspannt – hat ja schließlich noch alles geklappt.

Preis der Leipziger Buchmesse

Die glücklichen Gewinner zweier Buchpreise

Wer denkt, bei den kleinen Verlagen sei weniger los, der irrt. Spätestens als der Verlag Schöffling & Co gleich zwei Buchpreise abräumte (Guntram Vesper für „Frohburg“ und Brigitte Döbert für ihre Übersetzung aus dem Serbischen), gab es einen riesigen Menschenauflauf vor dem kleinen Stand – und eine Menge Sekt.

Fazit

Nach zwei Tagen endete die Buchmesse für mich am Freitagabend und ich muss gestehen: ich bin jetzt noch k.o. Mit fünf riesigen Hallen ist die Messe ein großes Spektakel und auch, wenn man hin und wieder kleine Ruheinseln findet, so ist man doch hauptsächlich auf Achse: für die vielen Gespräche, die Vorträge zu verschiedensten Bücherthemen (übrigens auch zum Thema Studium und Karriere im Verlagswesen) und nicht zuletzt als begeisterter Leser, der sich neu eindecken muss. Wer die Möglichkeit hat, noch hinzufahren, nichts wie los – es lohnt sich!

Auch an der Innenstadt geht die Messe nicht spurlos vorbei

Leipziger Buchmesse #1

Bevor morgen mit dem Fachbesuchertag die Leipziger Buchmesse so richtig eingeläutet wird, wurde heute erstmal die Stadt erkundet. Ich bin zum ersten Mal länger in Leipzig und hatte so Gelegenheit, auch mal entspannt durch die wirklich schöne (und saubere! – das fällt sofort auf, wenn man gerade aus Berlin kommt) Innenstadt zu bummeln. Morgen um zehn beginnt dann das Programm, besonders freue ich mich darauf – unter hoffentlich nicht allzu großem Andrang – das Messegelände zu besichtigen und einen ersten Überblick zu bekommen. Von der Lounge habe ich auf jeden Fall schon viel Gutes gehört ;-).

Hier Bilder vom heutigen Stadtspaziergang:

Auerbachs Keller - eine Werbung durch Goethe persönlich kann wohl nichts toppen

Auerbachs Keller – eine Werbung durch Goethe persönlich kann wohl nichts toppen

Auerbachs Keller - hier eines der Schilder am Eingang

Auerbachs Keller – hier eines der Schilder am Eingang

Das Neue Rathaus

Das Neue Rathaus

 

Der Teufel, wie er die Studenten verzaubert

Der Teufel, wie er die Studenten verzaubert

Die Stadtbibliothek - einer der vielen Veranstaltungsorte der Buchmesse

Die Stadtbibliothek – einer der vielen Veranstaltungsorte der Buchmesse