Benjamin Lacombe, Éliette Abécassis: Der Schatten des Golem

Seit einer Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin fasziniert mich die Golem-Legende. Im 16. Jahrhundert (im Buch später) soll Rabbi Löw in Prag einen mächtigen Lehmmenschen erschaffen haben, um die jüdische Gemeinschaft vor den allgegenwärtigen Angriffen zu schützen. Der Golem tat seinen Dienst, doch konnte ihn der Rabbi schon bald nicht mehr kontrollieren.

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„Der Schatten des Golem“ ist auf jüngere Leser zugeschnitten und erzählt die Legende eines Mädchens, das Zeugin der Golem-Erschaffung wird und sich daraufhin mit dem Rabbi und seiner Frau anfreundet. Auch, wenn diese Seite der Geschichte sehr (sehr, sehr) romantisiert daherkommt, verschweigt dieses Kinderbuch nicht, dass es erst wegen der vielen Ausschreitungen gegen die jüdische Gemeinschaft nötig wurde, den Golem zu erschaffen.

Ich habe das Buch im Rahmen des Gratis-Comic-Tags im Mai gekauft. Es war mein erster bewusster Besuch in einem Comicladen. Dort wurde ich schnell aufgeklärt, dass „Der Schatten des Golem“ kein Graphic Novel sei – was ich zuerst aufgrund der vielen Bilder gedacht hätte –, sondern einfach eine illustrierte Geschichte.

Die Illustrationen sind wunderschön, doch die kindgerecht aufbereitete Geschichte war für mich so gar nichts. Ein nettes Lesen zwischendurch, bestimmt auch zum Vorlesen geeignet, aber ich empfand die Geschichte stark vereinfacht und romantisiert. Die Illustrationen sind wirklich schön, aber auch hier habe ich schnell gemerkt, dass das eher eine nette Zugabe ist, es mir hierauf aber nicht ankommt. Warum ich mit Comics, Mangas und Graphic Novels nicht warm wurde, erzähle ich im nächsten Beitrag.

Kennt ihr die Golem-Legende? Habt ihr vielleicht noch andere Lektüre-Tipps zum Thema?

Benjamin Lacombe, Éliette Abécassis; Der Schatten des Golem ; 184 Seiten mit 10 schwarz-weiß-Abbildungen und 40 farbigen Abbildungen; Übersetzt von Anja Kootz; 25€; ISBN 978-3-95728-046-6.

Peter H. Wilson: Der Dreißigjährige Krieg. Eine europäische Tragödie

Schon 2009 veröffentlichte der britische Historiker Peter H. Wilson seine Forschungen zum Dreißigjährigen Krieg. Ende des letzten Jahres erschien das Werk unter dem Titel „Der Dreißigjährige Krieg. Eine europäische Tragödie“ auch auf Deutsch. Das allgemein wieder aufgeflammte Interesse an diesem großen, lang andauernden Konflikt kommt nicht von ungefähr, denn er begann 1618 und jährt sich damit 2018 zum 400. Mal. Wilsons Monumentalwerk macht den Konflikt greifbar.

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Joseph Roth: Radetzkymarsch (1932)

Das erste richtige Scheitern auf der Klassiker-Mission. Mit Joseph Roths Epos wurde ich auch im dritten Anlauf nicht warm. Der Plan: ein paar Jahre ins Land ziehen lassen und dann, wenn einmal so viel Zeit und Muße ist, einen neuen Versuch wagen.

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Die Geschichte vom Niedergang der k. und k. Monarchie war in der Hörbuchfassung durchaus stimmungsvoll und interessante Einblicke in Militär und Gesellschaft jener Zeit gab es zuhauf. Dennoch überwogen selbst beim Hören (und da spielte man schon mit dem weichen Österreichisch der Sprecher und einigen Soundeffekten) deutlich die Längen und ich konnte mich auch nach mehreren Anläufen nicht aufraffen, die Geschichte bis zum Ende zu verfolgen. Etwa bis zur Hälfte bin ich gelangt, hier schon hatte ich den Eindruck, dass – zumindest in der gesprochenen Version – das Patriarchat ein wenig überzeichnet ist und dadurch unfreiwillige Komik entsteht. Als unfreiwillig komisch empfand ich auch den Sohn des Helden der Schlacht von Solferino in älteren Jahren, der seine Inflexibilität in ungeahnte Höhen treibt (die Post lag nicht wie seit Jahren üblich neben dem Frühstückstablett, also rührt nichts an) und an nach außen gestellter Emotionslosigkeit wohl nur noch durch britische Adelsgeschichten übertroffen wird. Die durchklingende Melancholie der Zeit soll nicht unerwähnt bleiben. Sie ist die Grundstimmung dieser Geschichte.

Obwohl ich durchaus Interesse an den historischen Umständen des Niedergangs der österreichisch-ungarischen Monarchie habe und das Zusammenspiel von Militär und Gesellschaft famos gelingt, konnte mich die Darstellung Roths nicht bei der Stange halten. Vielleicht später noch einmal.

 

[Leserunde] #Ecolesen: Abschluss und Fazit

Beitrag 5
In welchem die Leserunde zum Abschluss gebracht, Resümee gezogen und „Der Name der Rose“ endgültig zugeschlagen wird.

Mit „Der Name der Rose“ hat auf dem Wissenstagebuch-Blog die erste Leserunde überhaupt stattgefunden. Und wisst ihr was? Ich würde es wieder tun! Der Austausch hier und auf Twitter und das Lesen eurer eigenen Blogbeiträge hat den Roman für mich zu einem größeren Vergnügen gemacht.

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[Leserunde] #Ecolesen: „Ketzer“-Gruppen im Überblick

Beitrag 4
In welchem nicht der inhaltliche Fortgang der Geschichte geschildert, sondern eine Übersicht der namentlich bekannten sogenannten Ketzergruppierungen dargeboten wird.

In Umberto Ecos „Der Name der Rose“ tauchen immer wieder verschiedene Ketzergruppierungen auf. Ein Thema, das den jungen Novizen Adson fasziniert und das die älteren Mönche ihm nur schwer auseinanderzusetzen wissen. Einige Gruppen spielen im weiteren Verlauf eine größere Rolle; oft betreibt Eco nur Namedropping. Hier habe ich versucht, die wichtigsten Informationen zu den einzelnen im Teil „Dritter Tag – Nona“ genannten Gruppen zusammenzutragen. Vieles fand ich in der Online-Enzyklopädie, einiges auf anderen Webseiten. Weiterführende Informationen in den Kommentaren sind wie immer willkommen!

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Ibram X. Kendi: Gebrandmarkt (2017)

Letztes Jahr habe ich Hochgeschwenders „Geschichte der Amerikanischen Revolution“ gelesen. Das Buch hat mir gut gefallen, ich fand es informativ. Doch es erzählt ausschließlich die Geschichte des weißen Amerikas. Zwar gibt es ab und an Einschübe über die Kriege gegen Ureinwohner, doch ein Thema findet keinerlei Beachtung: Die Sklaverei, die durch die Europäer in Nordamerika Einzug hielt. Rassismus wird nicht thematisiert. Deshalb reizt es mich umso mehr, Ibram Kendis Sachbuch vorzustellen: Allein unter dem Gesichtspunkt „Rassismus“ erzählt er die Geschichte der Vereinigten Staaten vom Einlaufen der ersten Sklavenschiffe bis zur Wahl Obamas. Ein neuer, stark akzentuierter und hochdetaillierter Blick auf die amerikanische Geschichte.

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Arion Golmakani: Beraubte Wut (2015)

Golmakani_Beraubte WutArion Golmakani wurde Ende der 50er Jahre im Iran geboren und erzählt heute, nach vielen Jahrzehnten seine erschütternde Kindheitsgeschichte. Er berichtet von Hunger, Kälte und davon, wie er trotz zweier Eltern wie ein Waisenkind aufwuchs. Die Geschichte gibt einen spannenden Einblick in die iranische Gesellschaft der 60er und frühen 70er Jahre.

Arion, eigentlich auf den Namen Alireza getauft, kommt bei einer Mutter zur Welt, die als 13-jähriges Dorfkind verheiratet wurde. Als sein Vater sich kurz nach seiner Geburt scheiden lässt und sich weigert, für seinen Unterhalt aufzukommen, weiß seine Mutter weder ein noch aus. Ohne Schulbildung, noch dazu in der streng konservativen Stadt Mashad gestrandet, kann sie keiner Arbeit nachgehen. Als ihr einziger Ausweg, eine neue Heirat, auftaucht und sie schnell wieder schwanger wird, ist für Alireza kein Platz mehr. Er tingelt von Pflegefamilie zu Pflegefamilie, hofft auf die Unterstützung von Verwandten und leidet trotz Hilfe doch oft Hunger und Kälte. Doch mit Hartnäckigkeit und dem unbedingten Streben nach Bildung schafft er es, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich aus den Fängen der Armut zu befreien.

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