Deutschland als Mittelpunkt litauischer Literatur? Die Zeit von 1945 bis 1949.

„Es heißt, dass von den insgesamt etwa 100.000 aus ihrer Heimat geflohenen Litauern etwa 58.000 Personen in DP [Displaced Persons] Camps auf deutschem Boden gelebt haben. Unter ihnen befand sich der größte Teil der politischen und kulturellen Elite des Landes, die den Krieg überlebt hatten und den sowjetischen Massendeportation entgangen waren. Da ab 1944 in Litauen selbst eine grausame stalinistische Sowjetisierung im Gange war, kann gesagt werden, dass etwa von 1945 bis 1949 Westdeutschland Standort und Schauplatz der litauischen Kultur (und also auch der litauischen Literatur) gewesen ist.“[1]

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Literaturzeitschrift: Wortschau

Zum ersten Mal die Vorstellung einer Literaturzeitschrift. Eine Zeitschrift nicht über, sondern mit  Literatur. Diese gehen im allgemeinen Getöse um Neuerscheinungen und Long-/Short-/Bestseller-Listen ziemlich unter. Dabei finden sich gerade hier feine unaufgeregte Texte, die sich nicht am Mainstreamgeschmack messen lassen müssen.

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Bürkle/Erdmann: der tulipan entblättert sich und amor schleicht ins land

97839816674241Dieses kleine Büchlein mit Gedichten hat im November der Independent-Verlag Mirabilis auf den Markt gebracht. Die Gedichte sind in der traditionell japanischen Haiku-Form (fünf–sieben–fünf Silben) verfasst und führen den Leser durch die Jahreszeiten, wobei das Buch jahreszeitlich passend mit dem Winter beginnt. Manche der Haiku erinnern an geschriebene Bilder; man sieht das in drei Zeilen und damit aufs Kleinstmögliche Beschriebene vor sich und atmet die Gerüche von Glühwein, Wald und Schnee. Die Gedichte werden von aparten Illustrationen Florian Arnolds begleitet, die sich unaufdringlich neben die geschriebenen Dreizeiler stellen.

Das Büchlein brachte die Erkenntnis, dass es auch in Deutschland Haiku-Liebhaber gibt, die sich zwar meist über das Internet organisieren (ausführliche Informationen zum Haiku finden sich auf den Seiten der deutschen Haiku-Gesellschaft; die Autorin Janette Bürkle betreibt selbst ein Blog und veröffentlichte bislang dort ihre Werke), nun aber liebevoll gestaltet auf Papier gebracht wurden. Eine Empfehlung besonders für Japan-Begeisterte, die sich mit dieser präzisen und besonderen Form der Dichtung beschäftigen möchten.

Das Bemerkenswerte ist, dass man sich nach dem Lesen der Gedichte dabei ertappt, selbst in Haiku zu denken. Oder es zumindest versucht. Hier mein eigener Schandfleck auf der Schönheit der Haiku-Literatur:

reulose freude
an den kurzen gedichten
weihnachtliches licht

Janette Bürkle; Petra C. Erdmann, „der tulipan entblättert sich und amor schleicht ins land  – Haiku“, Mirabilis Verlag 2015, ISBN 978-3-9816674-2-4, 52 Seiten, 14 Illustrationen, 12,90€.