Michael Hochgeschwender: Die Amerikanische Revolution

HochgeschwenderWie wurden die USA was sie heute sind? Gerade in diesen Nachwahlwochen blickt die Welt auf die USA – wie sie es seit ihrer Gründung getan hat. Doch wer sind „die Amerikaner“; was bewegte sie zur Unabhängigkeit? Michael Hochgeschwender liefert auf knapp 450 Seiten eine umfassende, fundierte und sehr lesbare Antwort für die Gründungszeit der Vereinigten Staaten.

Der Münchener Professor für Nordamerikanische Kulturgeschichte konzentriert sich auf die Jahre 1763-1815 und zeichnet minutiös die Ereignisse nach, die zur Unabhängigkeit der ehemals britischen Kolonien führten. Die bekannte Tea-Party nimmt dabei nicht mehr Raum ein, als viele andere, ebenso wichtige Ereignisse. Hochgeschwender knüpft an amerikanische Geschichtsforschung an und zeigt, wo möglich, Kontinuitäten bis in die heutige Zeit auf. Seine Darstellung endet nicht mit der Unabhängigkeit der USA, vielmehr beschreibt er auch die ersten schwierigen Jahrzehnte nach der Revolution und zeigt dabei auf, dass es das eine amerikanische Interesse nie gegeben hat, dass Religion, Grundbesitz, Familienzugehörigkeiten und Verbindungen nach Großbritannien lange Zeit eine große Rolle spielten.

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VII. Anselm oder Der bewiesene Gott

Dem Theologen und Philosophen Anselm von Canterbury (auch von Aosta, nach seinem Geburtsort oder von Bec, nach dem Ort seines Wirkungsbeginns), ca. 1033–1109 n. Chr., widmet Wilhelm Weischedel nur einen kurzen Abschnitt. Dies verwundert, denn häufig ist zu lesen, dass Anselms Argumente zu den meist zitierten in der Philosophie gehören und sich u. a. Thomas von Aquin, Descartes und Kant an ihnen abgearbeitet haben. Er gilt als „Vater der Scholastik“, jener im Mittelalter häufig verwendeten Beweismethode, die wissenschaftliche – meist theologische – Fragen durch theoretische Erwägungen, ein Für und Wider der Argumente und deren Überprüfung, klären will.

NPG D23949; St Anselm after Unknown artist

Bildnis Anselms aus dem späten 16. Jhdt., unbekannter Künstler

Nachdem Anselm als Adelssohn gegen den Willen seiner Familie in ein Kloster eingetreten war, stieg er in dessen Hierarchie schnell auf. Die Weihe zum Bischof von Canterbury erhielt er dann, wie überliefert ist, wohl letztlich gegen seinen Willen, auch, so mutmaßt Weischedel, um von den politischen Querelen jener Zeit verschont zu werden. Es tobte nämlich gerade der Investiturstreit, der Streit um die Frage, ob weltliche Herrscher berechtigt seien, geistliche Ämter in ihrem Sinne zu besetzen.

Anselm von Canterbury ist besonders bekannt für seinen Gottesbeweis, in welchem er der Vernunft, anders noch als sein geistiger Vorgänger Augustinus, einen hohen Stellenwert einräumt. Der Erzbischof leitet eine Wechselbeziehung von Glaube und Vernunft her, indem er sagt, keine von beiden genüge für sich allein, um die Wahrheit zu erkennen. Er argumentiert, dass tiefe Einsicht nur aus dem Glauben heraus erwachsen könne („Ich glaube, damit ich einsehe“), weil der Glaube als Liebe zu gut dazu führe, Gott erkennen zu wollen. Da Gott sowohl als Schöpfer der Vernunft wie auch des Glaubens ist, gebe es keinen Widerspruch zwischen den beiden. Folglich könne man auch auf die Vernunft vertrauen, um Gott erkennen zu wollen.

Sein vernünftiger Gottesbeweis sieht so aus: Gott muss als das absolut Größte verstanden werden. Wenn wir uns also Gott vorstellen, dann muss es Gott auch geben, da größer als die reine Vorstellung nur die Vorstellung und das Sein ist.

Dieser Gedankengang wird in den folgenden Jahrhunderten häufig aufgenommen, abgelehnt, vor allem aber diskutiert. Auch ein Mönch äußerte Kritik an Anselms Beweisführung, wie Weischedel erzählt: Wenn man auf diese Art Gott beweisen könne, dann müsste ja auch eine perfekte Insel, die man sich vorstellt in der Wirklichkeit existieren, denn auch sie sei ja nur vollkommen, wenn sie tatsächlich existiere. Überliefert ist eine anschließende Klosterhaft jenes Mönches.

Quelle: Wilhelm Weischedel, Die philosophische Hintertreppe, 30. Auflage, München 2000, S. 86–89.

VIII. Augustinus oder Die Dienlichkeit der Sünde

Mit Augustinus von Hippo (354–430 n. Chr.) beginnt Weischedel seine Betrachtungen über christliche Philosophen. Augustinus spielt dabei eine besondere Rolle, denn durch seine Ansichten und sein Denken wird der Unterschied zu seinen antiken griechischen und römischen Vorgängern besonders deutlich.

In seiner Jugend sei Augustinus ein ziemlicher Herumtreiber gewesen, so Weischedel. Seine vielen Liebschaften und seinen großen Ehrgeiz, sich in der Rhetorik-Ausbildung ganz besonders hervorzutun, bereut Augustinus jedoch kurz nachdem er sich im Alter von 33 Jahren taufen lässt. Fortan zieht sich der weltgewandte Mann zurück und gründet ein Laienkloster. Später wird er Bischof von Hippo, einer antiken Küstenstadt im heutigen Algerien.

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Deborah Feldman: Unorthodox (2016)

feldman_unorthodoxDeborah steigt aus. Aus den engen, dicken Strumpfhosen. Aus der Rolle als umher huschenden Ehefrau und Mutter einer möglichst zahlreichen Kinderschar. Aus ihrer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde im heutigen Williamsburg, Brooklyn, New York.

Die 1986 geborene Autorin erzählt in diesem autobiografischen Werk von ihrer Kindheit und Jugend einer der weltweit größten chassidischen Gemeinden. Die häufig auch als Sekte bezeichnete Gemeinschaft der Satmarer Juden, eine Gruppe von über 100.000 Personen, hält den Holocaust für eine Strafe Gottes und lehnt den Staat Israel rigoros ab. Kinderreichtum und ein bescheidenes, an Armut grenzendes Leben sind ein Muss, ebenso ein (auch gewaltsames) Eintreten für die eigene Überzeugung. Die Kinder besuchen private religiöse Schulen. Jungen und Mädchen getrennt; weltliche Fächer wie etwa Englisch sind zweitrangig, in Williamsburg wird Jiddisch gesprochen. Die Gemeinde bringt Jungen hervor, so fromm, dass sie nicht mit ihrer eigenen Großmutter sprechen, weil sie eine Frau ist. Weiterlesen

Kiran Nagarkar: Gottes kleiner Krieger

Krieger

Nicht in Staaten, nicht in Religionen –­ in diesem Buch wohnt der Extremismus im Menschen.

Die Geschichte von „Gottes kleinem Krieger“ nimmt seinen Anfang in der indischen Oberschicht. Die Kindheit von Zia Khan wandelt sich rapide, als der Vater unverschuldet sein Vermögen verliert und die Familie ungewollt in das hektische Leben einer indischen Großstadt eintauchen muss. Von seiner Tante, einer gläubigen Muslima, lernt Zia, hingebungsvoll zu Gott zu beten. Dabei schreckt er auch vor Selbstgeißelung nach schiitischem Ritus nicht zurück. Schnell stellt sich heraus, dass Zia über eine ungewöhnliche Begabung im Umgang mit Zahlen verfügt. Eine Freundin der Familie aus England hält schützend ihre Hand über ihn, sodass er nach einem indischen Elite-Internat ein Studium in Cambridge beginnen kann. Doch während er das Studium mit links erledigt, hadert er immer wieder mit sich und seinem Glauben, bis er sich schließlich in die Idee verrennt, dass Gott ihn den Autor Salman Rushdie töten lassen will.

Zia flieht nach Kashmir, wo er eine Gruppe Dschihadisten im Kampf gegen die indische Armee führt. Doch hier nimmt sein Leben eine Wende. Überzeugt, gesündigt zu haben und im Glauben, eigentlich katholisch getauft worden zu sein, setzt er sein Leben als Mönch in den USA fort. Unter neuem Namen kämpft er gegen die Abtreibungsgesetze, koordiniert Protestaktionen und schreckt auch hier vor Mord nicht zurück. Er gründet Waisenhäuser und baut eine gesellschaftliche Parallelstruktur auf. Das Geld dafür beschafft er als Börsenspekulant und Waffenhändler. Schließlich gerät er unter den Einfluss eines indischen Tantrikers, wechselt erneut seinen Namen  und kann doch nicht länger vor seiner Vergangenheit fliehen.

Was sich wie eine abenteuerliche Aneinanderreihung abstruser Ereignisse liest, wird in „Gottes kleiner Krieger“ zu einer runden Geschichte verflochten.  Kiran Nagarkar versucht in Romanform nachzuzeichnen, wie Fanatismus entsteht und zeigt dabei auf, dass er im Menschen selbst und nicht etwa in einer Religion begründet liegt. Sein Protagonist ist in allem, was er tut extrem, egal, ob es um sexuelle Exzesse in seiner Jugendzeit, das Lernen an der Universität, das Versinken in einer Depression oder eine andere Wendung in seinem Leben geht. Nur sein Bruder Amanat hält trotz aller Widerstände Briefkontakt zu Zia, zeigt ihm seine Schwächen auf und vergleicht sein Leben, in dem bei Weitem nicht alles nach Plan läuft, mit dem seines Bruders. Doch alle, die Umgang mit Zia pflegen, werden unweigerlich in den Strudel der Gewalt, den er immer wieder aufs Neue in Gang setzt, hineingezogen. Mit seiner überheblichen Selbstgerechtigkeit verprellt er die Menschen, die ihm wohlgesonnen sind und lässt sie, wie seine Verlobte, in Verzweiflung zurück.

Nagarkars Roman ist besonders wegen seiner nicht abflauenden Aktualität interessant. Aufgrund der abenteuerlichen Wendungen im Leben des Protagonisten fühlt man sich häufig an eine Parabel auf den Fanatismus erinnert. Aber trotz der abwechslungsreichen Geschichte hat der Roman seine Längen: Die ausschweifenden Briefe Amanats an seinen Bruder passen zwar gut zur Beschreibung von dessen Figur, nehmen dem Roman aber viel von seiner Schnelligkeit und machen ihn langatmig. Außerdem schafft der Autor eine verschwindend geringe Zahl sympathischer Figuren, was die Identifikation mit den Charakteren erschwert. „Gottes kleiner Krieger“ ist daher eine Empfehlung für alle, die sich vor Länge nicht fürchten und vor ernstem Hintergrund in verschiedene Welten eintauchen wollen.

Kiran Nagarkar, Gottes kleiner Krieger (OT: God’s little soldier), A 1 Verlag 2006, 696 S.

2) Das Erste Buch Mose (Genesis): Kapitel 4-7

Das erste Buch Mose (Genesis)
Die Urgeschichte von Welt und Mensch (Kap. 1-11)

Der Bruder erhebt sich gegen den Bruder
Eva gebärt zwei Söhne: Kain, welcher ein Bauer, und Abel, welcher ein Hirt wird. Die Brüder opfern Gott und Gott gefällt Abels Gabe besser, worüber Kain so zornig ist, dass er seinen Bruder hinaus auf die Felder führt, wo er ihn erschlägt. Als Gott von seiner Tat erfährt, vertreibt er Kain vom fruchtbaren Ackerland; er zieht nach Osten von Eden ins Land Nod. Doch er steht noch unter Gottes Schutz. Sollte ihn jemand ermorden, so wird diese Tat sieben Tote in der Familie des Mörders fordern.

Kulturentwicklung und menschliche Überheblichkeit
Kains Frau bringt Henoch zur Welt und Kain gründet eine Stadt mit diesem Namen.
Wo kommt plötzlich Kains Frau her? Bis zu diesem Zeitpunkt werden nur Eva, Adam und ihre beiden Söhne erwähnt.
Nach einigen Generationen finden sich unter Kains Nachkommen auch Musiker und Schmiede und Kains Urururenkel Lamech schwört seinen beiden Frauen, dass für einen Mord an ihm 77 Menschen sterben müssen- ähnlich, wie einst Gott Kain seinen Schutz gewährte.

Ersatz für Abel
Eva bringt noch einen Sohn,  Set, zur Welt und die Menschen beginnen, zu Gott zu beten.

Die Nachkommen Adams durch Set
Adam zeugte Set im Alter von 130 Jahren. Danach zeugte er noch viele weitere Kinder, bis er im Alter von 930 Jahren starb. Es folgt eine Liste der Nachkommen Adams, wobei stets das Alter des Mannes bei der Zeugung und zum Zeitpunkt seines Todes angegeben ist.
Noach wird in der neunten Generation nach Adam geboren und zeugt im Alter von 500 Jahren drei Kinder.

Gott entschließt sich zum Eingreifen
Die Menschen breiten sich über die Erde aus und die „Gottessöhne“ (Wesen aus dem Umkreis Gottes) zeugen mit Menschenfrauen Kinder (welche sich heute als „Nephilim“ in der Mythologie finden). Auch das Geschlecht der Riesen soll aus dieser Verbindung hervorgegangen sein.
Gott sieht, dass die Menschen „schwach und anfällig für das Böse“ sind und begrenzt ihre Lebenszeit auf 120 Jahre. Er hält es für einen Fehler, die Menschen erschaffen zu haben und will sie zusammen mit den Tieren ausrotten.

Gott gibt Noach den Befehl zum Bau der Arche
Noach war im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen ein redlicher und gottesfürchtiger Mann. Er hatte drei Söhne: Sem, Ham und Jafet. Da Gott mit den verdorbenen Menschen abschließen will, gibt er Noach den Befehl, ein großes Schiff, eine Arche, zu bauen. Sie soll dreistöckig, 150m lang, 25m breit und 15m hoch sein. Sie soll von einem Dach überspannt werden und viele Zimmer haben. Gott schließt einen Bund mit Noach, dass er bei der Flut, die Mensch und Tier vernichten wird, gerettet werden soll. Er soll die Arche mit seiner Frau, seinen Söhnen und Schwiegertöchtern bewohnen und jeweils ein Männchen und ein Weibchen jeder Tierart an Bord bringen. Außerdem soll er Futter für die Tiere und Essen für seine Familie lagern.

1) Das Erste Buch Mose (Genesis): Kapitel 1-3

Wie vor Ewigkeiten angekündigt, habe ich mir ein paar Notizen während des Lesens der Bibel gemacht und nun in die Form einer Zusammenfassung gebracht. Bis auf ein paar kurze Anmerkungen werde ich hauptsächlich den Inhalt wiedergeben, obwohl mir schon jetzt Dinge aufgefallen sind, die eigentlich einiger Nachforschung bedürfen. Da das Lesen mit dem Stift in der Hand aber sowieso schon sehr mühselig ist, stelle ich die tiefergehende Beschäftigung mit Hintergründen hinten an.

Das erste Buch Mose (Genesis)

Die Urgeschichte von Welt und Mensch (Kap. 1-11)

Die Erschaffung der Welt

Gott erschafft die Welt in ihrer Gesamtheit in sieben Tagen:
1. Tag und Nacht
2. Himmel/ Gewölbe
3. Sammlung des Wassers: Erde und Meer, Pflanzen der Erde
4. Lichter, um Tage und Feste bestimmen zu können; Sterne
(In meiner Ausgabe wird diese Schöpfung mit „Lichter“ übersetzt, da Sonne und Mond bei einigen Nachbarvölkern Israels als Götter angesehen wurden. Die Bezeichnungen werden also vermieden, um zu verdeutlichen, dass es sich bei Sonne und Mond nicht um Schicksalsmächte handelt.)
5. Wassertiere, auch Seeungeheuer; Vögel, geflügelte Tiere. Gott verheißt ihnen, sich zu vermehren.
6. Vieh, wilde Tiere, Kriechtiere
Gott erschafft den Menschen als sein Abbild, um über die Lebewesen zu bestimmen; er vertraut sie
seiner Fürsorge an. Die Nahrung des Menschen sollen Samen und Früchte sein, die der Tiere Gras
und Blätter.
7. Das Werk ist vollendet; Gott ruht.

Der Mensch im Garten Eden

Die Steppe ist zunächst gras- und buschlos, da Gott es bisher noch nicht hat regnen lassen. Er formt den Menschen aus Staub (ein Hinweis auf seine Vergänglichkeit) und bläst ihm den Lebensatem in die Nase. Der Name des ersten Menschen ist Adam.
-> Im Hebräischen hängen Mensch („adam“) und Erde („adama“) sprachlich zusammen
Im Osten legt Gott den Garten Eden mit allen Arten von Bäumen an und bringt den Menschen dorthin. In der Mitte des Gartens stehen zwei besondere Bäume: der Baum des Lebens, der Unsterblichkeit gibt und der Baum der Erkenntnis, welcher das Wissen gibt, was für den Menschen gut und schlecht ist. Der Mensch soll den Garten pflegen und schützen; er darf von allen Bäumen essen, außer jenen in der Mitte des Gartens, da er sonst sterben müsse.

Hier ein Bild, wie ich mir den Aufbau des Gartens nach der gegebenen Beschreibung vorgestellt habe. Der Quelle in Eden entspringen vier Flüsse.


Die Erschaffung der Frau

In diesem Teil wird gesagt, dass Gott Tiere und Vögel formt, nachdem er den Menschen erschaffen hat. Dieser darf sie benennen. Doch Gott sieht, dass der Mensch kein Wesen hat, das ihm helfen kann und zu ihm passt. Er versetzt ihn in Schlaf und formt die Frau aus einer seiner Rippen. Der Mensch freut sich, als er sie sieht, denn er erkennt sie als seinesgleichen.

Die Menschen müssen den Garten Eden verlassen

Die Schlange verführt Eva, die Frau, von den Früchten des Baums der Erkenntnis zu essen. Sie isst und gibt dem Mann die Frucht. Da erkennen beide, dass sie nackt sind und formen sich Bedeckungen aus Blättern. Gott erfährt von dem Vorkommnis und verdammt die Schlange, die ihr Leben fortan im Staub verbringen muss. Er bestraft die Frau, indem sie ihre Kinder unter Schmerzen gebären muss und den Mann, indem er sich mühsam und mit harter Arbeit ernähren muss, bis er stirbt.
Durch die Erkenntnis sind die Menschen Gott so ähnlich geworden, dass dieser sie nicht vom Baum des Lebens, welcher Unsterblichkeit bringt, essen lässt. Er vertreibt die Menschen aus Eden und lässt den Baum fortan von Cherubim mit Flammenschwertern bewachen.

Melda Akbaș: So wie ich will. Mein Leben zwischen Moschee und Minirock

akbas-so-wie-ich-willIn ihrer Autobiografie erzählt die achtzehnjährige Berlinerin Melda von den Sorgen und Nöten des Erwachsenwerdens. Doch das allein ist nicht genug, denn darüber gibt es wohl unzählige Bücher. Melda muss den Spagat zwischen der türkischen Kultur ihrer Familie und der deutschen ihrer Schule und Freunde schaffen, und sich dabei selbst positionieren. Das fällt nicht leicht, denn nicht immer kann und will sie den teils konservativen Erwartungen und Wünschen ihrer Eltern gerecht werden, will sich frei bewegen dürfen und Kleidung tragen, die ihr gefällt. Anfangs geht es um solche „Alltäglichkeiten“, doch jedes Zugeständnis ist ein kleiner Sieg für Melda, die, und das wird in ihrem sehr offenen Bericht deutlich, unter dem beiderseitigen Druck leidet, zeitweise sogar erkrankt. Doch die Achtzehnjährige steckt voller Tatendrang, will sich neben Partys und Treffen mit Freunden auch für ihre Schule engagieren. Bei einem Praktikum dann erhält sie unverhofft die Möglichkeit, ein mittlerweile ausgezeichnetes Projekt namens „l.o.s.- let´s organize somethin´!“ auf die Beine zu stellen, um sich mit anderen Jugendlichen mit Migrationshintergrund auszutauschen und ihnen Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, von denen sie vielleicht nichts ahnen.
Melda Akbaș reflektiert verschiedene Situationen der letzten zwei Jahre, berichtet liebevoll von ihrer weit verzweigten Familie und schreibt mit einem Augenzwinkern vom ganz normalen Alltagswahnsinn. Daneben gibt es aber auch leisere Töne, die dem Leser, der vielleicht in nur einer Kultur großgeworden ist, zeigt, wie lohnenswert, aber anstrengend es sein kann, zwischen den Rollen zu wechseln, oder harsche Kritik in Kauf zu nehmen, wenn der Wechsel mal nicht gelingt.

Fazit: Erwartet man Schimpftiraden, oder den Bericht eines leidenden jungen Mädchens ist man mit „So wie ich will“ definitiv falsch beraten. Denn obwohl Akbaș nicht mit Kritik am deutsch-türkischen Umgang spart, erhebt sie die Angelegenheit doch nicht zum Politikum, sondern erzählt Episoden aus ihrem persönlichen Umfeld, die zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken anregen. So wirbt sie für Toleranz, einfach dadurch, dass sie selbst die ethnische Herkunft eines Menschen nicht zu dessen markantestem Wesenszug erhebt. An einigen Stellen erstaunt Meldas Offenheit; sie tut ihre Ansichten unverblümt und geradeheraus kund, spart aber nicht mit Begründungen und macht sie dem Leser so nachvollziehbar. Der Stil des Berichts ist an einigen Stellen sehr wacklig, dadurch insgesamt aber authentisch und erfrischend.
„So wie ich will“ hat keinen solchen Entsetzensschrei ausgelöst, wie andere Bücher des Genres; der Leser wird kaum erschrocken die Luft anhalten, doch garantiert einen kleinen Einblick in ein Leben zwischen den Kulturen erhalten, denn um Effekthascherei geht es hier nicht. Die junge Melda Akbaș zeigt in ihrem autobiografischen Bericht eines ganz klar: dass es nicht entweder- oder, sondern sowohl-als-auch heißt.

Bibel unter literarischen Gesichtspunkten

Für das kommende Jahr möchte ich mir eine Aufgabe stellen, an der ich dank mangelnder Disziplin schon einige Male gescheitert bin:  Die Bibel einmal komplett durchzulesen.

Das soll nicht irgendwie geschehen, sondern möglichst geordnet. Deshalb habe ich mir einen Leseplan herausgesucht, der einen in chronologischer Reihenfolge durch die verschiedenen Bücher führt. Inwieweit dieser Plan stimmig ist, wird sich dann zeigen. Ebenso, ob ich durchhalte oder (wieder mal) aufgebe.

Die Intention dahinter ist, diese Sammlung von Geschichten, die für viele Menschen eine große Bedeutung hat, mit möglichst unvoreingenommer Haltung kennen zu lernen, Katechismus und Auslegung einfach mal beiseite zu schieben und abseits des gemeinhin Bekannten neue und interessante Geschichten zu entdecken. Lesen werde ich die ,,Gute Nachricht Bibel“ , eine gemeinsame Fassung deutschsprachiger Bibelwerke, die eine handliche Ausgabe darstellt.

Ob es klappt? Da bin ich sehr gespannt. Derweil werde ich auch mal recherchieren, ob es entsprechende Lesepläne vielleicht auch für den Koran oder die Gita gibt.