George R. R. Martin: Planetenwanderer

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George R. R. Martin ist seit der Verfilmung seiner Geschichte A Song of Ice and Fire wirklich kein Geheimtipp mehr. Nicht so bekannt sind allerdings seine Science-Fiction-Geschichten, die er lange vor seinem Epos verfasste. Diese Geschichten werden jetzt nach und nach auch auf Deutsch verlegt. Während mir seine Kurzgeschichten bisher nicht zugesagt haben, hat er mit dem Roman Planetenwanderer einen Volltreffer gelandet. Weiterlesen

Andy Weir: Der Marsianer

Der MarsianerMark Watneys Logbuch, Sol 6:
„Ich bin so was von im Arsch.“

In nicht allzu ferner Zukunft sind bereits drei bemannte Marsmissionen erfolgreich abgeschlossen worden. Mark Watneys ist die vierte und deshalb nicht mehr allzu spektakuläre. Doch das macht sie schnell wett: Ein Sandsturm überrascht die Crew; die Mission muss so schnell wie möglich abgebrochen werden. Auf dem Weg zurück zum Schiff wird Watney verletzt und bleibt zurück; seine Crew hält ihn für tot. Doch er überlebt und findet sich auf dem Mars wieder – und zwar ganz allein. In der aufgebauten Wohnkuppel versorgt er seine Wunden und schmiedet Pläne fürs Überleben. Sein Wasser reicht nicht, sein Proviant auch nicht und die nächste Marsmission soll erst in ein paar Jahren eintreffen. Kontakt mit der Erde hat er keinen. Doch der Botaniker und Ingenieur gibt nicht auf, rationiert seinen Proviant und beginnt unter aberwitzigen Bedingungen mit dem Kartoffelanbau. Er  funktioniert seine Ausrüstung um und setzt alles daran, wieder Kontakt mit der NASA auf der Erde aufzunehmen. Als man dort erfährt, dass Watney überlebt hat, setzt die NASA alles daran, ihn zurückzuholen.

In „Der Marsianer“ teilt sich Watney dem Leser durch das fast täglich geführte Logbuch mit. Er schildert seinen Überlebenskampf als Aneinanderreihung von Anekdoten in einem Ton, der den Leser zum Lachen bringt. So sind die vielen technischen Einzelheiten und chemischen Zusammenhänge alles andere als langweilig zu lesen.
Andy Weir nimmt fast ausschließlich Bezug auf bereits bestehende Technik und schildert die Lebensbedingungen auf dem Mars so, wie sie zum heutigen Zeitpunkt erforscht sind (fließendes Wasser hat Watney allerdings nicht entdeckt). Deshalb darf man sich auch von der Einordnung als „Science Fiction“-Roman nicht irritieren lassen. Hier wird definitiv nicht die ferne Zukunft geschildert, sondern vielmehr eine Mission wie sie nach NASA-Angaben in zwanzig Jahren tatsächlich stattfinden könnte.
Leider verliert der Autor kaum ein Wort über den Gefühlszustand seines Protagonisten. Der Mann verbringt immerhin den fast den gesamten Roman in völliger Isolation als einziger Mensch auf dem Planeten. Da wirkt der Hinweis der NASA-Psychologin, dass es sich bei Watney um eine Frohnatur handle, ziemlich dürftig und man könnte sich vorstellen, dass er doch die eine oder andere dunkle Stunde hatte. Hier wäre noch Potential gewesen, die Geschichte ein wenig aus psychologischer Sicht zu betrachten.

Falls sich die Möglichkeit bietet, sollte man den Roman unbedingt auf Englisch lesen. In der deutschen Version zünden einige Witze einfach nicht (der „Arbeitsfluss“ hat einfach nicht den gleichen Flow!). Man merkt übrigens schon beim Lesen, dass sich der Roman gut für einen Film eignen würde. Zwar kommen einige der Nebenfiguren etwas plakativ daher, aber ihre Dialoge sind spritzig und – mal ehrlich –ein Mann allein auf dem Mars: das hat Potential für große Bilder.

Andy Weir, Der Marsianer (OT: The Martian), Heyne 2015, 509 S., 14,99 €.

Daniel H. Wilson: Robocalypse

In seinem SciFi-Roman „Robocalypse“ schildert Daniel H. Wilson die düstere Zukunft einer von außer Kontrolle geratenen Supercomputern bedrohten Menschheit. Roboterkrieg und internationale Aufstände der noch verbliebenen Menschen inklusive.
Wilsons Roman gleicht einer auf den ersten Blick relativ nüchternen Kriegsberichterstattung, welche die Protagonisten im Rückblick auf die Ereignisse liefern. Schauplätze sind dabei nicht nur nordamerikanische Eiswüsten und Ureinwohnerreservate, sondern auch die Londoner Innenstadt, sowie das hochtechnisierte Japan.

Der Roman erscheint schon auf den ersten Blick solide und planvoll geschrieben. Gespickt mit technischen Daten und detailreich ausgearbeiteten Szenarien einer Dystopie bestätigt sich dieser Eindruck rasch. Die vielen Schauplatzwechsel sind nie verwirrend, sondern stärken durch den parallelen Hergang noch die Klimax der sich anbahnenden Katastrophe.
Gerade in das erste Kapitel findet sich der Leser doch relativ schwer herein; die technischen Fantasiebegriffe werden leider nicht immer erklärt, wobei nach einiger Zeit doch eine gewisse Gewöhnung einsetzt, sodass sie beim weiteren Lesen nicht sehr stören.
Die Figuren sind leider schon allzu bekannte Stereotype: Der alte, findige Mann; der asoziale, dafür aber hochbegabte Jugendliche; der moralische Androide – und schließlich der Held der Geschichte, der im Laufe der Handlung aus dem Schatten seines Bruder tritt und selbst zum Held wird.

Fazit: Die Stärke von Wilsons „Robocalypse“ liegt auf der detailgetreuen Nachzeichnung der Techno-Katastrophe und dem Ausmalen der Dystopie; Tiefe konnte er seinen (menschlichen) Figuren leider nicht verleihen.

Daniel H. Wilson „Robocalypse“, Droemer 2011, 462S., 16,99€