Klein und frei: Bei unabhängigen Verlagen zu Gast – Teil 2/2

Wo es heute häufig um optimiertes Marketing und Auflagen in Millionenhöhe geht, gibt es sie öfter als man denkt: Die ein-zwei-drei-Mann oder –Frau-Verlage, die ihre Bücher selbst machen. Von Hand und von Anfang bis Ende. Mit viel Liebe und noch mehr Herzblut. Auf der Leipziger Buchmesse organisierte Barbara Miklaw vom Mirabilis Verlag bei Meißen einen kleinen Bloggerrundgang bei einigen ihrer Kollegen, die sich viel Zeit nahmen, von ihrer Arbeit zu berichten.
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Klein und frei: Bei unabhängigen Verlagen zu Gast – Teil 1/2

Wo es heute häufig um optimiertes Marketing und Auflagen in Millionenhöhe geht, gibt es sie öfter als man denkt: Die ein-zwei-drei-Mann oder –Frau-Verlage, die ihre Bücher selbst machen. Von Hand und von Anfang bis Ende. Mit viel Liebe und noch mehr Herzblut. Auf der Leipziger Buchmesse organisierte Barbara Miklaw vom Mirabilis Verlag bei Meißen einen kleinen Bloggerrundgang bei einigen ihrer Kollegen, die sich viel Zeit nahmen, von ihrer Arbeit zu berichten.

Wer sich mit unabhängigen Verlagen beschäftigt, stößt zuerst auf die Kurt-Wolff-Stiftung, die sich seit 2000 die Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene in Deutschland zur Aufgabe gemacht hat. Was als „klein“ und „unabhängig“ gilt, wird anhand von Größe, Einkommen und einiger weiterer Kriterien festgemacht. Vier Publikationen im Jahr müssen es dann schon sein. Weil das aber kein Pappenstiel ist, bin ich auf der Leipziger Buchmesse auch auf Verlage gestoßen, die (noch) nicht bei der Stiftung gelistet werden. Gerade hier lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen, denn es gibt wahre Schätze zu entdecken: Weiterlesen

Antanas Škėma: Das weiße Leintuch (1958/2017)

 

Skema- LeintuchDie Sehnsucht nach Litauen vergeht nie. In den geschäftigen Straßen von New York trifft man seine Landsleute; die Literatur – sie lebt im Exil fort. Fernab der sowjetischen Herrschaft schreibt manch einer mit litauischem Nationalpathos, ein anderer pflegt durch zahlreiche Anspielungen Geschichte und Kultur des Landes. Zu letzteren gehört der bereits 1961 verstorbene Dichter Antanas Škėma. Im US-amerikanischen Exil verfasste er mit „Das weiße Leintuch“ sein – zumindest außerhalb Litauens – bekanntestes Werk.

Škėmas Protagonist, der litauische Schriftsteller Antanas Garšva, lebt im New Yorker Exil. Von den Sowjets gefoltert, floh er über Deutschland in die USA, wo er nun als Liftboy arbeitet. Er raucht, trinkt und verliert sich in Affären, von denen er sich mal mehr, mal weniger verspricht. Lebensbedrohlich krank, schiebt er das klärende Gespräch mit dem Arzt vor sich her; gemeinsam mit seiner Geliebten will er leben, dabei schreiben und auch endlich wieder dichten.

Die Parallelen zum Leben des Autors stechen sofort ins Auge und auch sein Dichtertum merkt man der Erzählweise an: Seitenlange Assoziationsketten, die sich Bildern aus der baltischen, römischen oder griechischen Mythologie bedienen; dann historische und politische Andeutungen, die ohne die hilfreichen Anmerkungen des Verlages gar nicht zu verstehen wären. Orte, Plätze, Zeiten – alles verschwimmt und schon bald fühlt man sich ebenso gehetzt wie der Protagonist des Romans. Das schien auch der Autor gesehen zu haben, denn fast lacht man erleichtert auf, als er eine andere Figur das Werk seines Protagonisten kritisieren lässt: „Du jonglierst nur mit Bildern. Ohne Sinn.“ (S. 203)
Dann lässt Škėma Antanas Garšva etwas Luft holen; in fein formulierten Rückblicken entblättert er nach und nach die litauische Geschichte. Vom Krieg gegen Polen, der Unzugänglichkeit der Hauptstadt Vilnius, der deutschen und sowjetischen Besatzung, dem Widerstand, von Flucht und Vertreibung erzählt Škėma und geht dabei nicht über den Horizont seines Protagonisten hinaus. Diese Rückblicke sind viel lesbarer, verständlicher. Sind mehr Prosa als Lyrik.

Es heißt, Das weiße Leintuch habe auch heute noch großen Einfluss auf die litauische Literatur. Das ist ohne Weiteres vorstellbar, denn hier wird thematisch so viel angerissen; eine Quelle, aus der jüngere Autoren jahrzehntelang schöpfen können. Dazu legt Antanas Škėma hier auf mehr als 250 Seiten seinen facettenreichen Stil nieder. Da lässt sich abschauen, kopieren, vielleicht auch kritisieren und ausbauen. Und für den Leser, der mit hilfreichen Anmerkungen und Biografien im Anhang erstmals in die litauische Literatur eintaucht, eröffnet sich eine ganz neue Welt, die geprägt ist von Ost und West, so europäisch und dabei doch so fremd.

Antanas Škėma, Das weiße Leintuch (OT: Balta drobulė, 1958, aus dem Litauischen von Claudia Sinnig), Guggolz 2017, 255 S., 21€, ISBN 978-3-945370-10-0.

 

Deborah Feldman: Unorthodox (2016)

feldman_unorthodoxDeborah steigt aus. Aus den engen, dicken Strumpfhosen. Aus der Rolle als umher huschende Ehefrau und Mutter einer möglichst zahlreichen Kinderschar. Aus ihrer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde im heutigen Williamsburg, Brooklyn, New York.

Die 1986 geborene Autorin erzählt in diesem autobiografischen Werk von ihrer Kindheit und Jugend einer der weltweit größten chassidischen Gemeinden. Die häufig auch als Sekte bezeichnete Gemeinschaft der Satmarer Juden, eine Gruppe von über 100.000 Personen, hält den Holocaust für eine Strafe Gottes und lehnt den Staat Israel rigoros ab. Kinderreichtum und ein bescheidenes, an Armut grenzendes Leben sind ein Muss, ebenso ein (auch gewaltsames) Eintreten für die eigene Überzeugung. Die Kinder besuchen private religiöse Schulen. Jungen und Mädchen getrennt; weltliche Fächer wie etwa Englisch sind zweitrangig – in Williamsburg wird Jiddisch gesprochen. Die Gemeinde bringt Jungen hervor, so fromm, dass sie nicht mit ihrer eigenen Großmutter sprechen, weil sie eine Frau ist. Weiterlesen

#Indiebookday 2016

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Auf der Leipziger Buchmesse habe ich in diesem Jahr viele kleine unabhängige Verlage kennengelernt und war überrascht und erfreut zu sehen, dass diese ein großes Netzwerk aufgebaut haben, um sich gegenseitig zu unterstützen. So wird seit 2009 einmal jährlich das beste Buch aus einem unabhängigen Verlag gekürt, das Publikum kann dabei für die Bücher der Hotlist abstimmen. Am Buchmesse-Freitag fand UV – Die Lesung der unabhängigen Verlage: Lies lieber unabhängig! statt und als eine der nächsten Veranstaltungen steht im April der noch junge Zwickauer Literaturfrühling an.

Der Indiebookday ist eine Initiative des mairisch-Verlags, um auf die vielen tollen Neuerscheinungen der unabhängigen Verlage hinzuweisen, die sich (noch) keine groß angelegten Werbeaktionen für ihre Bücher leisten können oder wollen. Zu diesem Zweck veröffentlicht man ein Foto vom zuletzt gekauften Buch eines kleinen Verlages. In meinem Fall habe ich das Buch geschenkt bekommen, aber ich denke, das kann man in diesem Fall auch durchgehen lassen. Frohe Ostern allerseits!

 

F. Arnold - Die Ferne

Florian Arnold, Die Ferne, Mirabilis Verlag 2016, 264 S., 16,90€.