III. Sokrates oder Das Ärgernis des Fragens

Ganz im Gegensatz zu der herausragenden Bedeutung, die Sokrates auch heute noch hat, ist Weischedels Kapitel sehr knapp gehalten- was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass Sokrates keine Theorie ausgearbeitet, oder schriftliche Aufzeichnungen hinterlassen hat. So haben ihm hauptsächlich seine glühenden Anhänger auf das Podest eines Philosophen von Weltrang gehoben.

Der Philosoph
Zu Beginn dieses Kapitels charakterisiert Weischedel den bekannten Philosophen über seine –fast ebenso bekannte- Frau Xanthippe, die ihn durch ihre unangenehme Art erst hinaus auf die Straße und damit ins philosophische Gespräch gebracht und so bedeutenden Anteil an seiner heutigen Größe habe. Sie soll sich über die Bedürfnislosigkeit ihres Mannes geärgert haben, der, barfuß durch die Straßen laufend, das Gespräch mit reichen Aristokraten ebenso wie mit Eseltreibern suchte.
Sokrates wurde  469 v.Chr. in Athen geboren und starb ebenda 399 v.Chr. durch den Schierlingsbecher. Als Soldat nahm er an diversen Feldzügen teil, als Philosoph versammelte er eine Schar und Schülern um sich, zu der auch Alkibiades und Platon gehörten.

Die Theorie
Da Sokrates keinerlei Schriften hinterließ, stützt man sich auf Aufzeichnungen seiner Schüler, die „sokratische Dialoge“ verfassten. Daher kann man in Sokrates´ Fall weniger von „Theorie“ als vielmehr von „Technik“ sprechen.

Sokrates führte den Menschen durch  geschicktes Fragen ihre eigene Unwissenheit vor Augen; glaubten sie etwas von Geld, Staat oder Frömmigkeit zu verstehen, so stieß er sie mit dem Kopf darauf, dass ihnen echtes Verständnis abgehe und brachte sie wie von selbst dazu, über ihr bisheriges Leben vor sich selbst Rechenschaft abzulegen.
Sein Ziel war es, die Menschen durch seine Fragen zum Nachdenken zu bewegen- darüber, wie sie sich verhalten müssten, um „wahrhaft“ Mensch zu sein. Er erkannte als einer der ersten die bevorstehende Krise des Staates und der griechischen Gesellschaft und hatte, trotz seines ungewöhnlichen Lebenswandels, leidenschaftliche Schüler, wie zum Beispiel Alkibiades, der zusammenfasste, dass ihn an seinem Lehrer gerade die Schonungslosigkeit, mit der er Menschen auf ihr Unwissen stoße, fasziniere.
Dabei gesteht Sokrates ausdrücklich, dass er selbst keinerlei Antworten auf die Fragen nach Wahrheit und rechtschaffenem Handeln habe und dass sein einziger Vorsprung vor seinem Gesprächspartner eben sei, dass er sich diese Unwissenheit bewusst gemacht habe. So kommt man auch zu der paraphrasierten Aussage Sokrates´:

„Ich weiß, dass ich nichts weiß.“

Die Athener hingegen sahen den spazierenden Philosophen kritisch, denn sie ließen sich nicht gern ihr eigene Unwissenheit vor Augen führen- zumal von einem, der zugab, selbst keine Antworten zu haben. Indem er Sichergeglaubtes infrage stellt, gefährde er die sowieso schon gefährdete Religion, sowie das Staatswesen. Dass er auch noch eine Schar von jugendlichen Anhängern um sich sammelt, machte die Sache nicht besser. Er wird schließlich der Gottlosigkeit und Verführung der Jugend angeklagt.
Als sein Prozess ansteht, entschuldigt sich Sokrates nicht etwa und bittet um Gnade, sondern fordert Dankbarkeit für seinen Dienst an der Stadt Athen und gibt an, im Namen Apollons zu handeln. Er wird schließlich zum Tode verurteilt und die Gewissheit, das Richtige zu tun, lässt ihn sein Urteil annehmen.
Diese Gewissheit sei die wahre Entdeckung Sokrates´, meint Weischedel: Die Entdeckung, dass sich der Mensch im Grunde seines Herzens dazu verpflichtet fühle, Richtiges zu tun.

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