Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

K800_Kundera„Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ – oft gehört und jetzt endlich einmal gelesen.

Kundera schreibt die Geschichte der Liebenden in Prag und in ihrem – nicht immer selbst gewählten – Exil. Zuerst die Geschichte von Tomas und Teresa. Tomas der Chirurg und Teresa, die Kellnerin vom Land, die ihn verzaubert, unverhofft in seine Prager Wohnung einzieht und sich die Stadt als Fotografin zueigen macht. Die weiß, dass sie sich mit einem unverbesserlichen Schwerenöter eingelassen hat, oft loskommen will, immer bleibt. Und Tomas, der weiß, dass er Teresa verletzt, aber auch die Künstlerin Sabina liebt. Dann die freie und unabhängige Sabina, die an ihrer Kindheit trägt und eine Affäre mit einem Hochschullehrer unterhält, der, unglücklich in seiner Ehe und Familie, sein Leben ändern, aufregender machen will. Dann Teresa, die raus aufs Land will, ein einfaches Leben auf dem Hof, ihren Hund im Schlepptau. Und Tomas, der ihr folgt, ein Paar, das aneinander hängt.

Milan Kundera erzählt die Geschichte der Menschen in Tschechien. Durch Tomas und Sabina im Exil, durch Teresa, die auch das Landleben kennt. Er beleuchtet die Gefühlswelt der Liebenden, die glücklich sein könnten, sich aber selbst im Wege stehen, sich einander das Leben schwer machen, die wirklich schwierigen Situationen – das neue Leben im Exil, die politische Verfolgung – meistern und sich dann aneinander aufreiben. All dies in einer wunderschönen Sprache, die einen als Leser gerade nicht fragen lässt, wann die Geschichte denn endlich vorangetrieben wird, warum all diese zeitlichen Brüche sein müssen. Einfühlsam sowohl aus männlicher als auch aus weiblicher Sicht, ohne die Protagonisten zu klischeehaft zu zeichnen  – der Arzt, die Künstlerin, das Mädchen vom Lande – sie alle gibt es in diesem Roman, sie alle interagieren auf eine Weise, die diese Rollen deutlich hervortreten lässt und doch sind sie vielschichtiger. Kunderas Schilderungen ihrer Gefühlswelten sind erheiternd, oft auch traurig. Der Leser schaut den Protagonisten nicht nur beim Leben zu, nein, er kann in den Kopf eines jeden einzelnen schauen und lebt mit. Das ist es, was „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins “ ausmacht: das Mit-leben, das Gefühl, ein Buch in den Händen zu halten, dem es gelingt, ein Stück Leben zu fassen.

Milan Kundera, Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (OT: Nesnesitelná Lehkost Byti), erstmals erschienen 1984, verschiedene Ausgaben.

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