Alain Badiou: Wider den globalen Kapitalismus

badiou.JPG

…Für ein neues Denken in der Politik nach den Morden von Paris.

Mit Alain Badious Streitschrift habe ich lange gekämpft. Das dünne Büchlein umfasst gerade einmal 64 Seiten, aber die sind gefüllt mit sehr dichten, konsequent ausgeführten Gedanken. Immer wieder habe ich neu begonnen, Thesen unterstrichen, Zusammenhänge markiert. Das Büchlein ist die Mitschrift eines Vortrages, den Badiou am 23. November 2015 gehalten hat. Der in Marokko geborene Autor ist als Philosoph, Mathematiker und auch als Schriftsteller tätig und verfasst regelmäßig Schriften zu verschiedenen Themen.

In Wider den globalen Kapitalismus stellt Badiou verschiedene kapitalismuskritische Thesen auf und nähert sich einer Erklärung dafür an, wie es zu Terroranschlägen wie jenen in Paris, aber auch in anderen Teilen der westlichen Welt kommen konnte. Er beschreibt die Gefahren, die solche Anschläge innenpolitisch mit sich bringen (maßloses Handeln des Staates, Umschlagen von Recht in Rache, maßlose gesellschaftliche Reaktionen) und übt Kritik daran, dass Anschläge in der westlichen Welt ungleich mehr Aufmerksamkeit erfahren als solche in Afrika und Asien. Badiou beschreibt Terroranschläge als „Symptome einer schweren Krankheit“ der heutigen Welt und sieht ihre Wurzeln im globalen Kapitalismus.

Badious Streitschrift ist keine „leichte Kost“. Man muss sich auf diese kapitalismuskritische Schrift einlassen wollen und sollte sich nicht von oft als Kampfbegriffen gebrauchten Ausdrücken wie Imperialismus, Identität und Kapital abschrecken lassen. Egal, inwiefern man mit Badious Ansichten übereinstimmt, so kommt man nicht umhin zu bemerken, wie logisch und konsequent er seine Gedanken aufbaut. Auch aufgrund ihres Umfanges bietet diese Streitschrift einen ganz anderen Ansatz als viele kurz geratene Reportagen. Der Autor bettet unbegreiflich scheinende Terroranschläge in einen globalen Zusammenhang ein. Darin liegt auch der Verdienst dieser Schrift: Badiou versucht scheinbar Unbegreifliches begreifbar zu machen. Er selbst formuliert dies so:

„Alles, was der Mensch tut, ist intelligibel. Aussagen wie ‚ich begreife nicht‘, ‚ich werde es nicht begreifen‘ oder ‚ich kann es nicht begreifen‘ sind immer eine Niederlage.“ (S. 12)

Alain Badiou: Wider den globalen Kapitalismus (OT: Notre mal vient de plus loin. Penser les tueries du 13 novembre), aus dem Französischen von Caroline Gutberlet, Ullstein 2016, 64 S., 7€, ISBN-13 9783550081521.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s