[Buchpreis] Worum geht’s beim Man Booker Prize?

Buchpreise gibt es im deutschsprachigen Raum viele und international sowieso. Gestern wurde die Longlist zum Man Booker Prize for Fiction veröffentlicht. Von dem Preis habe ich irgendwann einmal gehört und ich denke vielen, die sich quer durch die Blogs lesen, geht es genauso. Deshalb hier einmal eine Kurzvorstellung der unter dem Namen „Man Booker“ laufenden Preise und ein Blick auf die Longlist.

Man Booker Prize for Fiction

Der Preis wird seit 1969 für Romane in englischer Sprache, die im Vereinigten Königreich publiziert wurden, ausgelobt. Während er zunächst auf Autoren aus den Commonwealth-Staaten, Irland und Südafrika beschränkt war, wird er seit 2014 für englischsprachige Bücher unabhängig von der Herkunft des Autors oder der Autorin verliehen. Die beiden Preisträger der letzten Jahre kamen daher z.B. aus den USA. Im englischsprachigen Raum erhält der Preis große Aufmerksamkeit und ein Platz auf der Shortlist ist für die Nominierten fast eine Garantie für höhere Buchverkäufe und Verfilmungen. Bekannte Preisträger sind u. A. Salman Rushdie (1981), J. M. Coetzee (1983/1999), Ian McEwan (1998), Margaret Atwood (2000) oder Julian Barnes (2011). Im letzten Jahr gewann George Saunders mit „Lincoln in the Bardo“ (erscheint im Mai auf Deutsch) den mit 52.500 Pfund dotierten Preis. Der Gewinner wird jährlich im Oktober in London verkündet.
Ein toller Service sind die für Leser bereitgestellten Buchinformationen über die nominierten Werke mit Hintergrundinformationen, Anregungen und weiterführenden Links.

Man Booker International Prize

Dieser Preis ist besonders spannend, denn hier tauchen immer wieder Bücher aus dem deutschsprachigen Raum auf. Der Man Booker International Prize ergänzt den obigen Preis seit 2005 um Autoren jeglicher Nationalität, deren Werk in englischer Übersetzung erhältlich ist. Bis 2015 wurde der Preis alle zwei Jahre für das Gesamtwerk des Autors verliehen; seit 2015 wird nur noch ein einzelnes Buch ausgezeichnet – dafür aber von nun an jährlich. Das Preisgeld von 50.000 Pfund wird gleichberechtigt zwischen Autor und Übersetzer aufgeteilt. Der Preis betont damit die Wichtigkeit guter Übersetzungen und wertschätzt die Arbeit der Übersetzer, die viel zu oft bei Preisverleihungen (und Buchbesprechungen!) unter den Tisch fällt. Die Longlist zum Preis erscheint im März, die Shortlist im April, der Preisträger wird dann im Mai verkündet. Auch in Deutschland bekannte Preisträger sind z. B. Alice Munroe (2009), Philip Roth (2011) oder Han Kang (2016). Im letzten Jahr wurden David Grossman aus Israel und die Übersetzerin Jessica Cohen für „A Horse Walks Into a Bar“ ausgezeichnet (hier zu einer ausführlichen Besprechung des Werkes bei aus.gelesen).

Hier die Vorstellung der diesjährigen Longlist, hier auch in gedruckter Form.

Golden Man Booker Prize

Um das 50-jährige Jubiläum des Man Booker Prize zu feiern, wird in diesem Jahr zusätzlich zum normalen Prozedere eine Goldvariante verliehen. Eine Jury sucht die ihrer Meinung nach besten Werke aus den letzten fünf Jahrzehnten des Preises aus; über die ausgewählten Werke stimmt dann das Publikum ab. Am 26. Mai erscheint die „Golden Five Shortlist“, über die einen Monat lang abgestimmt werden kann. Anfang Juli wird dann der Gewinner bekannt gegeben. Neben der Ehre eines solchen Literaturjahrzehnte umfassenden Preises, ist er auch ein spannender Gratmesser dafür, welche Bücher sich dauerhaft im Gedächtnis der fünfköpfigen Jury und des Publikums verankert haben. Außerdem sind fünf Bücher eine überschaubare Zahl, die einem auf der Suche nach Lesestoff garantiert auf die Sprünge hilft.

Beim Man Booker Prize finde ich besonders sympathisch, dass die Long- und Shortlists nur wenige Bücher umfassen. Das geht natürlich mit einer rigorosen Auslese im Vorfeld einher, erleichtert uns als Lesern aber die Orientierung im uferlosen englischsprachigen Büchermeer ungemein. Wer nach lesenswerten Neuerscheinungen sucht, die oft nur Monate später auch den deutschsprachigen Markt erobern, sollte den Man Booker Prize im Auge behalten.

Interessiert ihr euch für Buchpreise? Nutzt ihr die Long- und Shorlists auch als Wunschzettelfüller?

 

 

21 Gedanken zu “[Buchpreis] Worum geht’s beim Man Booker Prize?

  1. dj7o9 schreibt:

    Spannender Artikel, habe ich gerne gelesen. Ich bin ein Listenfan und immer interessiert daran, was wann warum auf welcher Liste landet. Direkten Einfluß auf mein Leseverhalten haben dann aber am ehesten tatsächlich der Man Booker Prize und der Bailey’s Women’s Prize.
    Auf die goldene Top 5 bin ich gespannt 🙂

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    • Wissenstagebuch schreibt:

      Ich bin auch großer Listenfan und gehe jetzt schon davon aus, dass wir die goldene Toplist direkt auf unsere persönlichen Leselisten setzen können. 😉
      Den Bailey’s Women’s Prize sehe ich mir mal näher an, da lese ich mich auf jeden Fall ein; vielleicht lohnt sich da ja auch ein Artikel?

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  2. nettebuecherkiste schreibt:

    Der Man Booker ist neben dem Women’s Prize for Fiction der Preis, der mich am meisten interessiert. Der Deutsche Buchpreis kann da bei mir nicht ganz mithalten – obwohl ich mir auch dort immer ein paar Titel der Longlist heraussuche, die ich lesen will. Ich höre gerade „Die Hauptstadt“ von Robert Menasse. Ich muss gestehen, dass die Man Booker International-Shortlist mich dieses Jahr nicht sehr reizt. Sie erinnert mich aber daran, dass ich noch „Gehen, ging, gegangen“ lesen muss 😉

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  3. reisenderbuecherwurm schreibt:

    Hallo Jana,

    ich finde Preise immer ganz interessant um neue Bücher zu entdecken. Allerdings mache ich das auch erst seit kurzem. Dabei kommt es natürlich immer auf den Preis an. Als jemand der kein Romance ließt interessieren mich zum Beispiel Preise für Romance Bücher nicht so stark. Ich finde auch spannend zu sehen, was auf der Long- und Shortlist für den Man Booker steht, wobei ich da noch den Man Booker International Prize etwas interessanter finde, da ich dort viel an internationaler Literatur entdecke. Ansonsten interessieren mich noch der Bailey’s Women’s Prize for fiction, der Lambda Literary Award (LGBT+ Literatur) und die Preise aus dem Sci-Fi und Science Fiction Genre. Bei letzterem verfolge ich allerdings die englischsprachigen Preise viel stärker als die deutschen, weil ich da mehr Bücher finde, die mich interessieren. Der Literaturnobelpreis ist selbstverständlich auch etwas das ich verfolge, aber ich habe davon bisher noch nicht so viele Gewinner gelesen.

    LG
    Elisa

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    • Wissenstagebuch schreibt:

      Hallo Elisa,
      jetzt muss ich mal (hoffentlich nicht allzu dumm) nachfragen: Es gibt einen Unterschied zwischen Sci-Fi und Science Fiction?
      Dass du auf den englischsprachigen Markt ausweichst, verstehe ich. Ich habe seit einiger Zeit (und seit Schauen der Serie) die Buchreihe ,,The Expanse“ im Auge.
      Vom Lambda Literary Award habe ich bisher noch gar nicht gehört; ich muss aber auch zugeben, dass ich mich noch nie vertieft mit LGBT+ in der Literatur beschäftigt habe. Mal schauen, was bisher alles ausgezeichnet wurde.
      Viele Grüße
      Jana

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      • reisenderbuecherwurm schreibt:

        Hallo Jana,
        das war ein Verschreiber. Sollte Fantasy und Science Fiction heißen. Keine Ahnung warum, ich dass da so getippt habe 😂. Science Fiction = SciFi.
        Von „the Expanse“ habe ich viel gutes gehört und möchte die Bücher lesen, wobei glaube ich die ersten Bücher etwas schwächer sein sollen.

        LG
        Elisa

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        • Wissenstagebuch schreibt:

          Hallo Elisa,
          puh, da hast du mich echt ins Schwitzen gebracht 😀 Oh, das habe ich noch nicht gehört; wäre ja eher selten, dass eine Reihe schwach anfängt und dann besser wird. Aber gut, das im Hinterkopf zu haben. Eine SciFi-Geschichte, die mich über mehrere Bücher gefesselt hat, habe ich bislang noch nicht gefunden, Vielleicht ist ,,Expanse“ ja was.
          Viele Grüße
          Jana

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  4. Marius schreibt:

    Ein schöner Artikel – tatsächlich bekomme ich den Man Booker Prize und seine verschiedenen Sparten immer eher nur am Rande mit; erst wenn die Sieger gekürt wurden, dann hat der Preis meine Aufmerksamkeit. Aber gerade dieses Jahr klingt das Prozedere mit dem Golden Man Booker Prize sehr spannend. Da werde ich auf alle Fälle einen Blick drauf richten!

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    • Wissenstagebuch schreibt:

      Hallo Marius,
      schön, dass ich dich auf den Man Booker-Preis aufmerksam machen konnte. Er st am Freitag habe ich in einer kleinen Buchhandlung bemerkt, dass die Bücher der Longlist in den Vordergrund der Regale gerückt worden sind, allerdings ganz subtil ohne einen Hinweis auf den Preis. Ich glaube, wer den einen oder anderen Preis im Auge behält, ist immer gut informiert darüber, was hier demnächst in den Schaufenstern liegt.

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  5. Daniela schreibt:

    Hallo Jana,
    ich hatte solche Listen bisher gar nicht groß im Blick gehabt. Mich fasziniert allerdings, was du darüber schreibst. Dieses Jahr hab ich schon etwas mehr den Deutschen Buchpreis verfolgt und mich von den Rezensionen überzeugen lassen. Aber das war mehr so nach Lust udn Laune, nicht nach Plan.
    LG, Daniela

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    • Wissenstagebuch schreibt:

      Hallo Daniela,
      danke für deinen Kommentar. Ich fange auch gerade erst an, den einen oder anderen Preis etwas genauer in den Blick zu nehmen und mir fällt erst jetzt im Nachhinein auf, dass viele Bücher so populär wurden, nachdem sie (meist im englischsprachigen Raum) ausgezeichnet wurden. Ich werde in der nächsten Zeit vermehrt dieser Wirkung nachspüren und hoffentlich auf den einen oder anderen Buchschatz stoßen. Vielleicht ist ja etwas für dich dabei.
      Viele Grüße
      Jana

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  6. Silvia schreibt:

    Ich liebe Listen!
    Dieser Preis bietet oft einen guten Einblick in die kommenden Bücher auf dem deutschen Markt.
    Zur Zeit lese aber auch sehr viele deutsche Autoren.
    Doch Danke für die Infos. Ich hoffe ich denke daran bei der Abstimmung des Golden-Preises mitzumachen.
    Alles Gute
    Silvia

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  7. Wortlichter schreibt:

    Da bin ich echt gespannt, was da als ultimative Top 5 heraus kommt.
    Ich habe die Literaturpreise immer im Blick und finde es sehr interessant was ausgewählt wird. Aber so viel kann man ja gar nicht lesen.

    Liebe Grüße, Anja

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    • Wissenstagebuch schreibt:

      Ja, am 26.05. sind wir schlauer. Bestimmt ist jedes der fünf Bücher die Lektüre wert. Und – du hast Recht: Selbst, wenn man nur Preisgekröntes lesen will, kommt man nicht nach. Deshalb nehme ich mir immer viel Zeit zum Aussuchen.
      Viele Grüße
      Jana

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