Joseph Roth: Radetzkymarsch (1932)

Das erste richtige Scheitern auf der Klassiker-Mission. Mit Joseph Roths Epos wurde ich auch im dritten Anlauf nicht warm. Der Plan: ein paar Jahre ins Land ziehen lassen und dann, wenn einmal so viel Zeit und Muße ist, einen neuen Versuch wagen.

Österreich_Wappen

Die Geschichte vom Niedergang der k. und k. Monarchie war in der Hörbuchfassung durchaus stimmungsvoll und interessante Einblicke in Militär und Gesellschaft jener Zeit gab es zuhauf. Dennoch überwogen selbst beim Hören (und da spielte man schon mit dem weichen Österreichisch der Sprecher und einigen Soundeffekten) deutlich die Längen und ich konnte mich auch nach mehreren Anläufen nicht aufraffen, die Geschichte bis zum Ende zu verfolgen. Etwa bis zur Hälfte bin ich gelangt, hier schon hatte ich den Eindruck, dass – zumindest in der gesprochenen Version – das Patriarchat ein wenig überzeichnet ist und dadurch unfreiwillige Komik entsteht. Als unfreiwillig komisch empfand ich auch den Sohn des Helden der Schlacht von Solferino in älteren Jahren, der seine Inflexibilität in ungeahnte Höhen treibt (die Post lag nicht wie seit Jahren üblich neben dem Frühstückstablett, also rührt nichts an) und an nach außen gestellter Emotionslosigkeit wohl nur noch durch britische Adelsgeschichten übertroffen wird. Die durchklingende Melancholie der Zeit soll nicht unerwähnt bleiben. Sie ist die Grundstimmung dieser Geschichte.

Obwohl ich durchaus Interesse an den historischen Umständen des Niedergangs der österreichisch-ungarischen Monarchie habe und das Zusammenspiel von Militär und Gesellschaft famos gelingt, konnte mich die Darstellung Roths nicht bei der Stange halten. Vielleicht später noch einmal.

 

6 Gedanken zu “Joseph Roth: Radetzkymarsch (1932)

    • Wissenstagebuch schreibt:

      Du Arme, ich glaube, das Buch kann einem durchaus eine gerade erwachte Lust am Lesen nehmen. Gut, dass das nicht passiert ist. 😉 Zum Glück musste ich es nicht in der Schule lesen. Dafür hadere ich bis heute mit ,,Tauben im Gras“ – dem konnte ich nicht viel abgewinnen und will es auch heute nicht mehr zur Hand nehmen.

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    • Wissenstagebuch schreibt:

      Hallo Niamh,
      Verfilmungen kenne ich noch gar nicht. Aber ich hatte zu Beginn die Vermutung, dass ich dieses Werk lieber (zumindest für mich) unkonventionell angehe und gleich zum Hörbuch greife. Hat alles nichts geholfen, vielleicht sollte ich wirklich besser eine Verfilmung ansehen. Falls du es liest, sag gern Bescheid, wie es dir gefallen hat.

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      • Niamh O'Connor schreibt:

        Hallo Jana,
        mach ich sehr gerne, auch wenn’s sicher noch einige Zeit dauern wird. Empfehlen kann ich Dir die Verfilmung von Axel Corti aus dem Jahr 1994: ein absolutes Meisterwerk! Außerdem ist mir noch eine Hörspielversion mit Klausjürgen Wussow in Erinnerung, sicher auch schon mehrere Jahrzehnte alt, aber 2010 neu aufgelegt.

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